Kultusminister Jürgen Schreier und DRK-Präsident Bernhard Preiß: "Miteinander sprechen - füreinander Dasein - voneinander lernen"

Das Modellvorhaben zur Sprachförderung und Integration von Kindern und Eltern mit Migrationshintergrund ("SIGNAL") in Ganztagseinrichtungen wird vom Ministerium in Kooperation mit dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) Landesverband Saarland- durchgeführt. Kultusminister Jürgen Schreier und der DRK-Präsident des Saarlandes, Bernhard Preiß, haben das Programm heute (2.12.05) vorgestellt.

02.12.2005 Saarland Pressemeldung Ministerium für Bildung und Kultur Saarland

Das saarländische Projekt bündelt schulische und außerschulische Angebote, die nach dem Prinzip "Miteinander sprechen - füreinander Dasein - voneinander Lernen" miteinander verzahnt werden. Die Verbindung von außerschulischer und schulischer Sprachförderung über ehrenamtliche Integrationsbegleiter/innen des Deutschen Roten Kreuzes sei bundesweit einzigartig, betonte Minister Jürgen Schreier bei der Auftaktveranstaltung. Das saarländische Projekt ist Teil des Bund-Länder-Programms "FÖRMIG" (Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund).

Die im Modellvorhaben "SIGNAL" angestrebte Bündelung und Vernetzung von Sprachförderung an Grundschulen und Kindertagesstätten mit einer ehrenamtlichen außerschulischen Sprachförderung findet in enger Kooperation von Lehrern und Erziehern mit Eltern und außerschulischen Partnern statt. Dabei sollen lebensnahe Konzepte des Spracherwerbs eingesetzt und weiterentwickelt werden. Kinder und Eltern mit Migrationshintergrund sollen so nicht nur die Sprache lernen sondern darüber hinaus sozial integriert werden.

Kultusminister Jürgen Schreier: "Kinder aus zugewanderten Familien benötigen eine intensive zusätzliche Förderung, um chancengleich mit deutschen Kindern ihren Reichtum an mitgebrachten Kompetenzen zu entwickeln und einen erfolgreichen Bildungsweg einschlagen zu können. Es gilt, sie frühzeitig, individuell und intensiv auf neuen Wegen und mit neuen Methoden der sozialen, kulturellen und sprachlichen Integration zu unterstützen."

Zunächst haben 15 Grundschulen mit einem freiwilligen Ganztagsschulangebot und acht Kindertagesstätten in sozialen Brennpunkten im Saarland die Möglichkeit, sich an dem Projekt zu beteiligen und ein individuell auf den Standort zugeschnittenes Förderkonzept zu entwickeln. Alle teilnehmenden Schulen werden von Beginn an durch außerschulische Partner unterstützt. Der Kooperationspartner, das Deutsche Rote Kreuz Landesverband Saarland - übernimmt dabei wichtige Aufgaben der Koordination, Fortbildung und Vernetzung der Teilnehmer.

Bernhard Preiß, Präsident des Deutschen Roten Kreuzes, Landesverband Saarland: "Viele Kinder aus Migrantenfamilien sind ihr Leben lang benachteiligt, weil sich die Integration in unsere Gesellschaft schwierig gestaltet. Insbesondere deshalb, weil sie kaum über Kenntnisse der deutschen Sprache verfügen. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK), Landesverband Saarland, freut sich, aufgrund seiner jahrelangen Erfahrungen in der Arbeit mit Spätaussiedlern und Migranten sowie als Maßnahmeträger in der Freiwilligen Ganztagsschule (FGTS), als Kooperationspartner im Programm "SIGNAL" mitwirken zu können".

Die Teilnahme der Schulen am Modellprojekt erfolgt auf freiwilliger Basis. Die Sprachförderung im Rahmen von "SIGNAL" umfasst mehrere Stadien. In der ersten Phase erfolgt das Erlernen der Alltagssprache durch ehrenamtliche Integrationsbegleiter/innen. In einer zweiten Phase soll die weitere Sprachförderung dann im schulischen Förderunterricht verankert werden. Folgende Fördermodule stehen den Schulen im Bereich des Nachmittagsprogramms zur Verfügung:

Ehrenamtliche Integrationsbegleitung gekoppelt mit Förderstunden am Nachmittag: Dieses Modul verfolgt einen völlig neuen Ansatz, den das Deutsche Rote Kreuz als seinen wichtigsten Schwerpunkt im Rahmen der Kooperation ansieht: Die Gewinnung, Ausbildung und Begleitung von ehrenamtlichen Helfern und Helferinnen, die nachmittags in den Schulen eingesetzt werden. Die Förderstunden werden von Lehrkräften übernommen und verbinden den Vormittagsunterricht mit dem Angebot der Ehrenamtlichen in Form von Projektarbeit, Leseförderung, Hausaufgabenhilfe und Sprachanlässen.

Elternklassen:

Ziel ist es, einen Förderkursus für Eltern mit Migrationshintergrund anzubieten, der zusätzlich zum Unterricht "Deutsch als Zweitsprache" den Stoff der Kinder und ihre Art zu lernen besonders berücksichtigt. Die Eltern verfügen nicht nur über bessere Deutschkenntnisse, sondern werden auch in die Lage versetzt die Kinder in Ihrer Schullaufbahn zu unterstützen.

Eltern-Kind-Klassen:

Hier lernen Eltern und Kinder gemeinsam Deutsch und trainieren den Umgang mit Unterrichtsstoff und Hausaufgaben. Schwerpunkte sind auch hier Projektarbeit und Leseförderung.

Eltern-Kind-Lerngruppen in der Kindertagesstätte:

Dieses Angebot ist für Schulen interessant, die bereits intensiv mit den umliegenden Kindertagesstätten kooperieren oder neue Kooperationen suchen. Das Angebot ist ähnlich strukturiert wie die Eltern-Kind-Lernklassen, allerdings spielt die Verknüpfung von Muttersprache und Zweitsprache eine größere Rolle.

Die nächsten beiden Module sind Bestandteil für alle "SIGNAL" - Schulen:

Netzwerke:

Jede Schule bildet mit örtlichen Organisationen, Vereinen, der Kommune, den Wohlfahrtsverbänden, Kindertagesstätten und sonstigen Partnern ein Netzwerk. Ziel ist es, die Arbeit zu bündeln und sinnvolle Synergieeffekte bei der Sprachförderung und der sozialen Integration zu schaffen.

Exkursionen und Sprachanlässe:

Für alle teilnehmenden Schulen werden Exkursionen und Sprachanlässe angeboten. Dies können Ausflüge in die nähere Umgebung sein, zu Sehenswürdigkeiten, interkulturellen Festen, Theaterbesuche, Wanderungen und vieles mehr. Die Kinder lernen so ihr Umfeld, die deutsche Kultur, aber auch viele verschiedene andere Kulturen kennen.

Die Auswahl der professionellen Ehrenamtlichen durch das DRK erfolgt nach Befähigung, sozialem Umfeld, Dauerhaftigkeit des Engagements und Kreativität in Abstimmung mit der Schule. Alle ehrenamtlichen Integrationsbegleiter/innen werden durch spezielle Trainings und Fortbildungen in ihrer Arbeit unterstützt. Das Modellprojekt ist zunächst auf eine Dauer von vier Jahren angelegt. Pro Schule können cirka 20 Kinder mit Migrationshintergrund gefördert werden.


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