Kultusminister Siegfried Schneider stellt 1. Bayerischen Bildungsbericht vor

Bayerns Kultusminister Siegfried Schneider hat heute im Landtag den ersten Bayerischen Bildungsbericht vorgestellt. Ein solcher Bericht soll künftig im Abstand von jeweils drei Jahren erstellt werden. Ziel des Berichtes ist es nach Aussagen des Kultusministers, die Bildungssituation an Schulen transparent darzustellen und auf dieser Basis eine Grundlage für Entscheidungen von Politik und Bildungsadministration zu schaffen.

14.07.2006 Bayern Pressemeldung Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus

"Die reichhaltigen empirischen Daten des Berichts liefern zusammen mit den Differenzierungen und Interpretationen der Experten eine gute Grundlage für die Arbeit im Bayerischen Landtag und im Kultusministerium", so Staatsminister Siegfried Schneider.

Nach den aktuellen Prognosen wird die Bevölkerung Bayerns zwar bis zum Jahr 2023 von gegenwärtig knapp 12,5 Millionen noch auf dann 12,8 Millionen Menschen zunehmen. Aber selbst in diesem Zeitraum wird das Durchschnittsalter der Bevölkerung im Freistaat merklich zunehmen. Der Anteil der 6- bis 16-Jährigen wird von derzeit gut 11 Prozent auf 8,8 Prozent im Jahr 2023 zurückgehen. Damit wird auch die Schülerzahl spürbar von derzeit rund 1,47 Millionen Schülerinnen und Schülern in allgemein bildenden Schulen auf knapp 1,18 Millionen im Schuljahr 2022/2023 sinken.

Ländlicher Raum im Strukturwandel

Regional höchst unterschiedliche Entwicklungen werden diesen Rückgang an Schülerinnen und Schülern in manchen, vorwiegend ländlich geprägten Regionen beschleunigen.

Regionale Unterschiede in der Wahl der Schulart

Höchst unterschiedlich erweist sich die Schulartwahl nach der vierten Jahrgangsstufe in den verschiedenen Regionen. So treten in kreisfreien Städten und Landkreisen in Ballungsräumen deutlich mehr Kinder ans Gymnasium über als in rein ländlich geprägten Gebieten.

Übertrittsquote aus
Jahrgangsstufe 4 - Hauptschule - Realschule - Gymnasium
Bayern insgesamt - 44,1% - 21,0% - 34,9%
Kreisfreie Städte - 43,1% - 14,7% - 42,2%
Landkreise - 44,4% - 22,7% - 32,9%
Mädchen - 41,7% - 22,2% - 36,1%
Buben - 46,5% - 19,8% - 33,7%
Deutsche Schüler - 41,1% - 22,1% - 36,8%
Ausländische Schüler - 74,4% - 9,7% - 15,9%

Übertrittsquote aus der 4. Jahrgangsstufe im Schuljahr 2003/2004 in das Schuljahr 2004/2005.

Der Bildungsbericht dokumentiert auch, dass Mädchen verstärkt das Gymnasium und die Realschule, Jungen häufiger die Hauptschule besuchen. Ausländische Kinder besuchen in höherem Maße die Hauptschule als deutsche Kinder im Vergleichsjahrgang.

Unübersehbar ist der hohe Anteil von Schülerinnen und Schülern, die die Chancen nutzen, aufgrund der in der 5. Hauptschulklasse erwiesenen Leistungen in die Realschule oder das Gymnasium überzuwechseln oder einen Wechsel nach der sechsten Hauptschulklasse in die Wirtschaftsschule vorzunehmen. So wechselten 11538 Schülerinnen und Schüler nach dem Schuljahr 2003/2004 von der Hauptschule in die Realschule.

Viele wechseln nach M-Zweig und Realschule auf die FOS

Intensiv nachgefragt wird die Möglichkeit, nach dem mittleren Bildungsabschluss etwa an der Realschule oder am Mittleren-Reife-Zug durch Besuch der Fachoberschule die Hochschulreife zu erwerben. Im Schuljahr 2000/2001 waren es nur 198 Schüler, im Schuljahr 2003/2004 wählten dagegen bereits 1.135 Schülerinnen und Schüler der Hauptschule (10,2 Prozent des Jahrgangs der M-Zug-Absolventen) diesen Weg. Von den Realschulabsolventen besuchten anschließend 17,3 Prozent die Fachoberschule. "Die hohe Zahl von Schülerinnen und Schülerinnen, die dieses Angebot nutzen, ist für mich ein Beleg für die hohe Durchlässigkeit des bayerischen Schulsystems", so Kultusminister Schneider.

Im Untersuchungszeitraum des Bildungsberichts von 2000/2001 bis 2003/2004 sank der Anteil der Hauptschulabgänger, die die Schule ohne Abschluss verlassen haben, langsam ab. Lag der Anteil im Schuljahr 2000/2001 noch bei knapp 5 Prozent der Altersgruppe, so sank er bis zum Schuljahr 2003/2004 auf 4 Prozent.

Allgemein bildende Schulen im Mittelpunkt

Im Bericht erfasst wurden in diesem Jahr die allgemein bildenden Schulen, also die Grund-, Haupt-, Förder- und Realschulen sowie die Gymnasien.

Gute Grundlage für aktive Schulpolitik

"Wir werden die Daten des Berichts dazu nutzen, die Schülerinnen und Schüler unabhängig von Geschlecht, Wohnort, sozialer und kultureller Herkunft bestmöglich zu fördern", so Minister Schneider. Deshalb hat der Kultusminister bereits zahlreiche schulische Maßnahmen eingeleitet. So wurden die Vorkurse in Deutsch im Schuljahr 2005/2006 auf das der Einschulung vorausgehende Kindergartenjahr und auf 160 Kursstunden ausgedehnt. Ferner gibt es Deutschförder- und Übergangsklassen an Schulen. Mit Hilfe von Orientierungsarbeiten sollen Grundschullehrkräfte den bei den Schülern vorhandenen Förderbedarf frühzeitig erkennen. Der Ausbau der Ganztagsschulen - im kommenden Schuljahr werden erstmals auch gebundenen Ganztagsgrundschulen eingeführt - unterstützt die individuelle Förderung und verbessert die Vereinbarkeit von Erziehungsarbeit und Beruf. Buben sollen mit Hilfe von Lektüreempfehlungen gezielt an das Lesen herangeführt werden. Zudem sollen die Mittlere-Reife-Züge an Hauptschulen sowie der Ausbau der Beruflichen Oberschulen leistungswilligen und leistungsfähigen Jugendlichen zusätzliche Möglichkeiten eröffnen, sich schulisch weiter zu qualifizieren - bis hin zum Zugang zum Hochschulstudium.

Der Bericht, der den Titel "Bildungsberichterstattung 2006" trägt, wurde von der Qualitätsagentur am Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB) im Auftrag des Bayerischen Kultusministeriums erstellt.


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