Strategische Ziele benannt
In einer Landtagsdebatte zu den Konsequenzen aus der zweiten PISA-Studie hat Kultusministerin Karin Wolff heute die Bedeutung der frühen Bildung herausgehoben und zwei strategische Ziele der Landesregierung für Hessens Schulen vorgestellt. Bis zum Ende der Legislaturperiode will Wolff erreichen, dass alle Kinder am Ende der zweiten Schulklasse altersgemäße Texte sinnerfassend lesen können und die Zahl derer, die die Schule ohne einen Abschluss verlassen, um ein Drittel verringert wird. Eine Diskussion über Schulstrukturen lehnte sie mit dem Hinweis ab, "nicht die Schulform, sondern die Qualität des Unterrichts ist maßgeblich für die Bildung".
15.12.2004 Pressemeldung Hessisches Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen"Wer früh lesen kann und versteht, was er liest, der hält den Schlüssel für seine weitere schulische Bildung fest in der Hand", sagte Wolff. Nicht nur für die Fächer Deutsch und Fremdsprachen sei das Beherrschen der deutschen Sprache die Basis für eine gelingende Bildungsbiografie. "Wer etwa in Mathematik, Biologie oder Erdkunde mitkommen will, muss ebenso fit sein in der Unterrichtssprache", so die Ministerin. Als einen wichtigen Schritt zum Erreichen einer umfassenden Lese- und Sprachkompetenz nannte sie die Vorlaufkurse vor der Einschulung, die seit der Einführung in Hessen im Jahr 2002 rund 17.000 Kinder vorwiegend ausländischer Herkunft absolviert haben bzw. zurzeit durchlaufen.
Wolff strebt an, dass sich Eltern, Kindergarten und Schule auf gemeinsame Bildungs- und Erziehungsziele für die ersten zehn Lebensjahre eines Kindes verständigen. "Die strikte Trennung der Institutionen muss überwunden werden", sagte sie. Dazu entwickeln Hessen und Bayern gemeinsam einen Bildungs- und Erziehungsplan für Kinder bis zehn Jahre, der im kommenden Jahr vorliegen wird. Ziel ist ein entwicklungsgerechtes Lernen von Anfang an, um das Lernpotenzial von Kindern frühzeitig und umfassend fördern zu können. So könne auch dem schwierigen Umgang mit Heterogenität durch verstärkte individuelle Förderung stärker Rechnung getragen werden. Wolff kündigte an, dass die Sprachkompetenz ein Kernelement des Bildungsplanes sein werde.
Unerlässlich sei der mit dem dritten Qualitätssicherungsgesetz vollzogene Richtungswechsel in der Lehrerbildung: "Es kann nicht sein, dass Grundschullehrkräfte, die in der Regel als Klassenlehrer eingesetzt werden, ihre Ausbildung beenden, ohne beispielsweise etwas über Erstlese- und -schreibunterricht gehört zu haben", sagte Wolff. Deshalb müssten künftig alle Studierenden für das Grundschullehramt im Studium eine Ausbildung in Deutsch und Mathematik absolvieren. So könnten sie Fehlentwicklungen frühzeitig diagnostizieren und entsprechende Maßnahmen im Unterricht und darüber hinaus ergreifen können. Dies trage dem strategischen Ziel Rechnung, dass am Ende des zweiten Grundschulbesuchsjahres alle Schülerinnen und Schüler sinnerfassend altersgemäße Texte lesen können.
Einer der zentralsten Befunde bei PISA sei, dass in allen drei untersuchten Bereichen Mathematik, Deutsch und Naturwissenschaften eine große Gruppe von Schülerinnen und Schülern identifiziert wurde, die man im Hinblick auf den bevorstehenden Übergang in die berufliche Erstausbildung als Risikokandidaten bezeichnen müsse. Zu dieser Gruppe gehören schwache und schwächste Leser, aber auch Jugendliche, deren mathematische Kompetenz das Grundschulniveau nicht überschreiten und die nur über ein elementares Verständnis naturwissenschaftlicher Konzepte und Prozesse verfügen.
Die Förderung bildungsbenachteiligter Kinder nannte Wolff als ein Thema, das an vielen Stellen anzugehen sei. "In der Schule müssen wir bei der Identifizierung von Lernschwierigkeiten ebenso weiterkommen wie beim Zugang zu den Eltern", so die Ministerin. Da Kinder mit Lernschwierigkeiten am Ende ihrer schulischen Karriere oft Probleme hätten, überhaupt einen Abschluss zu erhalten, habe es sich Hessen zum Ziel gesetzt, die Anzahl der Schulentlassenen ohne Hauptschulabschluss bis zum Schuljahr 2006/07 um ein Drittel zu verringern.
Der Weg dahin müsse sich vor allem auszeichnen durch eine enge Verbindung von Lernen und Anwenden, durch angemessene Angebote mit wesentlich mehr Schülerorientierung, Praxisnähe, lebensnahe Lernformen und den Erwerb eines Grundwissens für alltags- und erwerbsrelevante Situationen. Zu erreichen sein dies unter anderem mithilfe von SchuB-Klassen für Jugendliche, bei denen bereits frühzeitig absehbar ist, dass sie nach Beendigung der Vollzeitschulpflicht voraussichtlich keinen Hauptschulabschluss erlangen werden. Ziel ist es, diese Schülerinnen und Schüler durch handlungsorientierten Unterricht und Arbeiten im Betrieb zum Hauptschulabschluss zu führen und damit deren Eingliederungschancen in Ausbildung und Beschäftigung zu erhöhen.
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