GEW NRW

"Chancen-Spiegel": Licht und Schatten in NRW

Die GEW sieht in NRW "Licht und Schatten" bei den heute vorgestellten Ergebnissen der Ländervergleichsstudie "Chancen-Spiegel". Die Bildungsgewerkschaft wertet die aktuellen Daten als Bestätigung ihrer Forderungen nach mehr Bildungsinvestitionen und der Sicherung der "Demografierendite" im Schulsystem.

24.06.2013 Pressemeldung GEW Nordrhein-Westfalen

"Gute Rahmenbedingungen, also ausreichend Personal und Zeit, sind Voraussetzung für bessere Unterrichtsqualität und mehr individuelle Förderung aller Schüler. Nur so kommen wir zu mehr Chancengerechtigkeit in der Schule", mit diesen Worten kommentierte GEW-Landesvorsitzende Dorothea Schäfer die jüngsten Ergebnisse des Chancenspiegels der Bertelsmann-Stiftung und des Instituts für Schulentwicklungsforschung (IfE) der TU Dortmund und des Instituts für Erziehungswissenschaft (IfE) der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

So erfreulich es sei, dass das Land NRW mit 59,1% den Spitzenwert beim Abiturientenanteil innehabe, so ernüchternd seien die NRW-Werte, wenn es um den relevanten Faktor "Durchlässigkeit" im Schulsystem gehe. "Zwar sind die Werte Wechsel zum Gymnasium, Klassenwiederholungen und Neuzugänge im Dualen System leicht angestiegen, auch das immer noch inakzeptable Verhältnis von Aufwärts- zu Abwärtswechslern in den Jahrgangsstufen 7 bis 9 hat sich leicht verbessert, aber insgesamt zeigt sich, wie viel in NRW noch zu tun ist", erklärte Schäfer weiter.

Allerdings kritisierte Schäfer auch das Forschungsdesign der Studie. So werden im Bereich Durchlässigkeit lediglich die Gymnasialanteile bei den Fünftklässlern untersucht, es fehlten Zahlen zum Übergang auf die Gesamtschule. Wahrscheinlich würden die Übergangszahlen für das Gymnasium in den nächsten Jahren wieder sinken. "Immer mehr Eltern entscheiden sich für ein längeres gemeinsames Lernen" sagte Schäfer. "Die Gesamtschulen verzeichnen steigende Anmeldezahlen und auch die neugegründeten Sekundarschulen sind ein Angebot, keine vorzeitige Entscheidung über die weitere Schullaufbahn der Schülerinnen und Schüler zu treffen, sondern die Perspektive Abitur offen zu halten."

Die GEW sehe durch die Ergebnisse des Chancenspiegels, wie wichtig es sei, die Reformziele der rot-grünen Landesregierung – Ausbau U3, Inklusion, Ausweitung Ganztagsschulangebote und qualitative Unterrichts- und Schulentwicklung – personell zu unterfüttern und die notwendigen Ressourcen zur Verfügung zu stellen.

Klemm-Studie zur Sicherung der Demografie-Rendite

In einer von der Max-Traeger-Stiftung in Auftrag gegebenen Studie hat kürzlich Bildungsforscher Prof. Klaus Klemm bis zum Jahr 2020 ein Zusatzbedarf an professionellen Fachkräften im Umfang von 27.500 Vollzeiteinheiten erforderlich, um die wichtigsten Reformprojekte in der Bildung umzusetzen. Es ergeben sich folgende Bedarfswerte (gerechnet in Vollzeitlehrereinheiten, VZLE) ermittelt:
  • Umsetzung Inklusion: 4.107 VZLE
  • Ausbau Ganztag: 5.524 VZLE
  • U3-Krippenausbau: 7.575 VZLE (4.772 ErzieherInnen, 2.803 Personen in der Kinder-tagespflege)
  • Schul- und Unterrichtsentwicklung: 4.023 VZLE (incl. Personal Landesinstitut Soest)
  • Schulkonsens NRW : 6.250 VZLE (vereinbarte Maßnahmen im Endausbau). Abzüglich der "Demografierendite", die einen Ertrag von 23.200 Stellen erbringt, beläuft sich laut Klemm das Defizit auf 4.300 Stellen.

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