IGLU: "Die Grundschule hat ihre Hausaufgaben gemacht"
(bikl.de) Knapp eine Woche vor Bekanntgabe der neuen PISA-Resultate sorgten bereits heute die Ergebnisse der IGLU-Untersuchung für Spannung – und schließlich für Entwarnung. Denn die deutschen Viertklässler haben ihre Lese-Kompetenz im Vergleich zur vergangenen Untersuchung noch einmal verbessert.
28.11.2007 ArtikelBereits in der ersten "Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung" im Jahr 2001 waren die deutschen Grundschüler international auf Platz 11 von 30 gelandet. Ein gutes Ergebnis - verglichen zu den mäßigen PISA-Ergebnissen der 15jährigen deutschen Schüler. Diesmal liegen die deutschen Viertklässler mit ihren Leseleistungen international im oberen Viertel. Mit IGLU 2006 wurde die Lese-Kompetenz von Schülern der vierten Klasse in 45 Teilnehmer-Staaten und Regionen weltweit getestet.
"Deutschland gehört damit neben der Russischen Föderation, Hongkong, Singapur, Slowenien, der Slowakei, Italien, Moldawien, Ungarn, der kanadischen Provinz Ontario und Iran zu den elf Staaten, in denen 2006 signifikant bessere Leistungen zu verzeichnen sind als 2001", heißt es in der Zusammenfassung der Studie.
Insbesondere belegt die Studie, dass in Deutschland sowohl Mädchen als auch Jungen im Jahr 2006 vergleichsweise bessere Leistungen aufweisen als im Jahr 2001. Während die Mädchen sich um 6 Punkte verbessern konnten, erreichten die Jungen in IGLU 2006 insgesamt sogar 11 Punkte mehr als im Jahr 2001.
Hingegen gelingt die Förderung sogenannter ´Risikokinder´ offensichtlich noch nicht. Bestehende soziale Ungleichheiten, so die Studie, würden noch nicht kompensiert.
Als Resümee halten die Forscher aber fest, dass die Grundschule ihre Hausaufgaben gemacht habe.
Diese vergleichsweise guten Leistungen der deutschen Schüler sind nach Meinung des Deutschlandchefs der Studie auch auf einen "Pisa-Ruck" zurückzuführen. Das erklärt der Dortmunder Bildungsforscher Wilfried Bos in der ZEIT. "Eltern, Lehrer und Politiker achten seitdem mehr darauf, dass die Schüler auch wirklich etwas lernen." Die Wirkung von Pisa zeige sich auch daran, dass sich in Deutschland die Leseförderung im Elternhaus merklich verbessert habe.
Ein entscheidender Grund für die Verbesserung Deutschlands im internationalen Vergleich sei, dass an den Grundschulen moderner unterrichtet werde als an den weiterführenden Schulen. "Außerdem sind die Grundschullehrer gezwungen", sagt Bos weiter, "sich unterschiedlich starken Kindern individuell zuzuwenden. Sie können schwächere Kinder - im Unterschied etwa zu Gymnasiallehrern - nicht abschieben."
Informationen zu IGLU
Mit IGLU ("Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung") 2006 wird das Leseverständnis von Schülern der vierten Jahrgangsstufe international vergleichend getestet. Die internationale Bezeichnung des Tests lautet: PIRLS (Progress in International Reading Literacy Study.
In Deutschland nehmen alle 16 Bundesländer an dieser Studie sowie an IGLU-E 2006, der nationalen Erweiterung, teil. Diese Erweiterungsstudie soll es ermöglichen, empirisch basiertes Wissen über wichtige schulische, schulorganisatorische und unterrichtliche Merkmale zu erlangen. Dazu gehören die Schuleingangsphase, Ganztagsschulangebote, die Nutzung der neuen Medien in der Schule und im Fachunterricht Deutsch sowie spezifische Förderangeboten im Lesen für Jungen.
PIRLS 2006 ist eine Studie der "International Association for the Evaluation of Educational Achievement" (IEA). Die IEA hat die Gesamtverantwortung für die internationale Organisation von PIRLS 2006 an das Boston College, Chestnut Hill, MA, USA delegiert. Die Aufbereitung des internationalen Datensatzes erfolgte am IEA Data Processing Center (DPC) in Hamburg.
In Deutschland werden IGLU 2006 und IGLU-E 2006 unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Wilfried Bos vom Institut für Schulentwicklungsforschung (IfS), Technische Universität Dortmund, durchgeführt.
IGLU 2006 wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie durch die Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland maßgeblich gefördert, IGLU-E wird durch die Kultusminister der beteiligten Bundesländer finanziert.
Schwerpunkte von IGLU-E 2006
Jungen weisen im Lesen durchschnittlich geringere Lesekompetenzen auf als Mädchen und bevorzugen andere Texte. Vor diesem Hintergrund geht die IGLU 2006 Studie der Frage nach, inwieweit Lehrerinnen und Lehrer die Lesekompetenzen und Lesevorlieben von Jungen berücksichtigen und in welchem Zusammenhang dies mit der Entwicklung ihrer Lesekompetenz steht.
Digitale Medien gehören zunehmend zum Alltag der Kinder, und zwar sowohl als Unterhaltungsmedium wie auch als Arbeitsmittel und Lernmedium. Im Verbund mit anderen Medien werden Computer und Internet immer häufiger im Unterricht genutzt. IGLU 2006 untersucht, inwieweit digitale Medien im Deutschunterricht zur Entwicklung von Lese- und Rechtschreibkompetenzen eingesetzt werden. Die neue Schuleingangsphase nimmt alle schulpflichtigen Kinder und die Kinder, deren Eltern eine vorzeitige Einschulung wünschen, ohne vorherige Feststellung der Schulfähigkeit in teilweise jahrgangsübergreifende Lerngruppen auf. Die IGLU 2006 Studie erfragt die Umsetzung der neuen Schuleingangsphase und setzt sie in Beziehung zur Lesekompetenz der Viertklässlerinnen und Viertklässler, die unter diesen Bedingungen ihre Schullaufbahn begannen.
Ganztagsschulen und Schulen mit einem Ganztagsangebot weisen unterschiedliche Rhythmisierungen des Schultags und spezifische Angebote auf, beispielsweise im Bereich der Hausaufgabenbetreuung. Sie entwickeln neue Kooperations- und Unterrichtsformen und fördern die Zusammenarbeit mit Einrichtungen aus ihrem nahen Umfeld, um nur einige Beispiele zu nennen. Abgesicherte Erkenntnisse zur Wirkung ganztägiger Angebote in Grundschulen liegen bisher nicht vor. Hier soll IGLU weiterhelfen.
Der soziokulturelle Hintergrund der Familien soll genauer betrachtet werden. Gemeinhin wird der soziokulturelle Hintergrund über Variablen des Familieneinkommens, der Bildungsabschlüsse der Eltern, den ausgeübten Beruf des Vaters oder der Mutter sowie über den Migrationshintergrund der Familien erfasst. Nach neueren Modellen sollen aber neben diesen Merkmalen weitere kulturelle und soziale Bedingungen der Familien mit berücksichtigt werden, da auch hier ein deutlicher Einfluss auf die Kompetenzentwicklung der Kinder unterstellt werden kann.
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