Kleine Renaissance des Schulbuchs

Europas größte Bildungsmesse, die didacta 2005, zeigt auch in diesem Jahr die wichtigsten Trends für Erzieher und Lehrer. Im Mittelpunkt werden dabei moderne Bildungsmedien stehen. Doch auch wenn auf der Messe die "neuen", computergestützten Medien prominent im Rahmenprogramm präsent sind: der pädagogische Alltag ist über die Trennung in "neue" und "alte" Medien schon lange hinweg geschritten. Angesichts der Flut von bildungspolitischen Neuerungen und der vielen Änderungen bei den Unterrichtsvorgaben kann sogar von einer Renaissance des "alten" Schulbuchs gesprochen werden.

08.02.2005 Pressemeldung Didacta Verband e.V. / Verband der Bildungswirtschaft

Pädagogen denken hier wieder ganz praktisch: Kein Medium ist bei der Umsetzung der neuen Vorgaben in den Unterricht so schnell zur Hand und effektiv wie das Schulbuch. Die Position als Leitmedium im Verbund mit der CD im Buch und weiteren aktuellen Informationen im Internet wird das Schulbuch auch in Zukunft bewahren. Im Rahmenprogramm der Messe wird dies an den vielen Veranstaltungen der Verlage zur Präsentation von neuen Lehrwerken und deren Begleitmedien deutlich, die zu den am stärksten besuchten Veranstaltungen zählen. Rund 640 Aussteller aus zehn Ländern zeigen vom 28. Februar bis 4. März 2005 im Stuttgart ihre neuesten Produkte und Dienstleistungen. Zu der Messe werden rund 70.000 Fachbesucher erwartet.

Neue Medien werden hinterfragt

Doch die Vorteile beim Einsatz von neuen Medien im Unterricht sind unbestritten. Angesichts der Notwendigkeit, mehr Aufgaben mit mehr Schülern bei besserer Förderung bewältigen zu müssen, legen die Lehrerinnen und Lehrer größten Wert darauf, mit den "passenden" Werkzeugen in der richtigen Situation zu arbeiten. Die "neuen Medien" werden dabei mehr und mehr kritisch nach dem pädagogischen Mehrwert hinterfragt, denn die Zeit des sorglosen Experimentierens ist vorbei. Auf dem "Forum Multimedia", das gemeinsam vom baden-württembergischen Kultusministerium und dem VdS Bildungsmedien e.V. veranstaltet wird, wird gezeigt, was in den Schulen heute mit computergestützten Lernsystemen möglich und sinnvoll ist. Der gleichen Devise folgt auch die Sonderschau "Neue Lernorte - neue Lernformen" der Initiative Schulen ans Netz e.V., die ebenfalls konkrete Beispiele zum interkulturellen Lernen mit neuen Medien oder auch zum Medieneinsatz im Ganztagsunterricht zeigt. Auf der Messe im "Forum Multimedia" wird übrigens auch am 1.März 2005 der Deutsche Bildungssoftwarepreis "digita" verliehen - in gleich sieben Kategorien.

Ganzheitlich lernen

Fördern heißt auch, den ganzen Menschen fördern. Dass dazu Musik gehört, und dass Musizieren und die Beschäftigung mit Musik das Lernen insgesamt fördern kann, dies will die Sonderschau "Lets´s make music..." zeigen. Auf gleich fünf Themeninseln zeigt der gleichnamige Verein Konzepte und praktische Beispiele nonstop fünf Tage lang. Bei allem "Fitnesstraining für die globalisierte Welt", kommt auf der didacta aber auch die Werteerziehung nicht zu kurz. Auf ihrem Stand zeigt die Evangelische Kirche Deutschlands mit vielen Beispielen an allen Messetagen, dass Werteerziehung ebenso ganzheitlich wie lebensnah ansetzen kann. Ganz nach dem Motto, dass Bildung nicht nur leistungsstark, sondern auch nachhaltig sein muss.

Über Schule streiten - die Bildungspolitik auf der didacta

Die PISA-Studien haben die bildungspolitische Diskussion in Deutschland wieder belebt: Bildung ist heute wieder eines der zentralen Politikfelder. Führte die erste PISA-Studie noch zu einer erstaunlich pragmatischen, parteiübergreifenden Reformagenda, so droht jetzt nach den Ergebnissen der zweiten PISA-Studie ein neuer bildungspolitischer Grabenkampf um die richtige Schulstruktur. Ist das gegliederte Schulwesen noch zeitgemäß oder brauchen wir eine Einheitsschule nach finnischen Vorbild? Ist die Ganztagsschule das Modell zur Bewältigung auch der neuen Anforderungen an Schule oder versteckt sich dahinter eine Sozialpädagogisierung von Schule, die Eltern entmündigt? Reichen die neuen Bildungsstandards und Kernlehrpläne um die Qualität von Schule zu verbessern? Wie muss Lehrerbildung professionalisiert werden, damit sie praxisnäher und effektiver wird?

Viel Prominenz auf der didacta

Auf der didacta wird sich wieder viel Prominenz aus Bildungspolitik, Wirtschaft und Kultur, Experten aus der Lernmethodik, der Wissenschaft und der Lehrerbildung treffen, um über die Weitergestaltung des deutschen Schulwesens zu diskutieren und zu streiten, aber auch um neue Lösungsvorschläge vorzustellen und vorzudenken. Den Platz dazu bietet vor allem das wieder prominent besetzte "forum bildung" des VdS Bildungsmedien e.V., aber auch die Veranstaltungsreihen der Lehrerverbände. Allein auf dem "forum bildung" werden die Kultusminister aus drei Bundesländern, bekannte Lernmethodiker und Bildungsexperten wie der PISA-Koordinator der OECD Andreas Schleicher, Lernforscher wie die Professoren Elsbeth Stern vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin oder der Hirnforscher Manfred Spitzer aus Ulm, aber auch der Vorsitzender der EKD Bischof Wolfgang Huber und der Bischof der Diözese Stuttgart-Rottweil, Dr. Gebhard Fürst, erwartet.

Damit Schule erfolgreich modernisiert werden kann, bedarf es der Bereitstellung der erforderlichen Ressourcen an Geld, Personal und Zeit. Auch dazu wird auf der didacta nicht geschwiegen: Auf dem "forum bildung" wie auch den anderen Diskussionsforen werden die Versäumnisse der vergangenen Jahre angesprochen und die Aufgaben definiert. Wenn Deutschland wieder international Anschluss finden will, dann muss es auch in finanziell schwierigen Zeiten der Bildungspolitik Priorität geben.

Lehrerdienstbefreiung

Die "didacta" ist die größte nationale Fortbildungsveranstaltung für Lehrer. Während der Bildungsmesse 2004 in Köln fanden im Rahmenprogramm insgesamt mehr als 1.000 Veranstaltungen, wie Vorträge, Workshops und Seminare, statt, mehr als die Hälfte davon im Ausbildungsbereich "Schule/Hochschule". Auch auf der "didacta" in Stuttgart wird das große Interesse der Pädagogen an neuen Impulsen für den Unterricht mit vielen Hunderten von Veranstaltungen bedient werden. Dementsprechend empfiehlt das baden-württembergische Kultusministerium Lehrern ausdrücklich den Besuch der "didacta". Dieser diene der Fortbildung der Lehrkräfte und komme damit letztlich auch den Schülern unmittelbar zugute. Dies sehen die Kultusministerien der anderen Bundesländer trotz der angespannten Situation in den Schulen genauso: Für die didacta erteilen fast alle Bundesländer im Rahmen der üblichen Verfahren Lehrerdienstbefreiung. Dennoch ist der Besuch der Messe mit Eigenengagement der Lehrer verbunden: müssen sie doch die Reisekosten selbst tragen und eventuellen Unterrichtsausfall nachholen. Dafür bietet ihnen die Messe aber an einem Tag soviel Stoff, wie sie ihn sonst oft nicht in einer Woche Lehrerfortbildung erhalten.

Ansprechpartner

Ansprechpartner Didacta Verband e.V.
Thorsten Timmerarens
Telefon: +49 6151 3521513
E-Mail: timmerarens@didacta.de
Web: www.didacta.de


Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden