PISA 2006 Ländererweiterungsstudie - Ahnen: Qualitative Verbesserungen bei PISA
Rheinland-Pfalz hat nach dem heute vom PISA-Konsortium Deutschland und der Kultusministerkonferenz in Berlin vorgestellten PISA-Ländervergleich im Vergleich zu den PISA-Durchgängen 2000 und 2003 substanzielle Kompetenzzuwächse zu verzeichnen. In allen drei untersuchten Aufgabenfeldern liegt Rheinland-Pfalz bei den Platzierungen der Bundesländer im ersten Drittel, die Gymnasien im Land in den Naturwissenschaften und im Lesen sogar mit an der Spitze.
18.11.2008 Rheinland-Pfalz Pressemeldung Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur, Rheinland-PfalzBesonders bemerkenswert ist, dass Rheinland-Pfalz bei der zentralen Frage des Zusammenhangs zwischen sozialer Herkunft und Bildungsbeteiligung deutlich besser abschneidet. Bei den relativen Chancen unabhängig von der sozialen Herkunft, ein Gymnasium zu besuchen, hat Rheinland-Pfalz die günstigsten Werte unter den westdeutschen Bundesländern erzielt.
Zu den Ergebnissen im Einzelnen:
In der Hauptdomäne von PISA 2006, den naturwissenschaftlichen Kompetenzen, erzielten die Schulen aus Rheinland-Pfalz einen Durchschnittswert von 516 Punkten (2003: 497 Punkte). Das entspricht in der Rangfolge der Länder Platz 6. Damit liegt Rheinland-Pfalz signifikant über dem OECD-Durchschnitt.
In der Lesekompetenz konnten 499 Punkte erzielt werden (2003: 485 Punkte), das entspricht Platz 5. Damit ist Rheinland-Pfalz eines von nur vier Ländern in Deutschland, das signifikant den OECD-Durchschnitt übertrifft.
In der mathematischen Kompetenz erreichten die Schulen im Land mit 500 Punkten (2003: 493 Punkte) Platz 5 (gemeinsam mit drei anderen Ländern), und Rheinland-Pfalz liegt – wie die allermeisten Bundesländer – im OECD-Durchschnitt.
Deutliche Zuwächse seit 2003
Dieses gute Abschneiden erkläre sich vor allem dadurch, dass Rheinland-Pfalz eines der wenigen Ländern sei, das einen spürbaren Zuwachs in allen drei Kompetenzbereichen zwischen 2003 und 2006 erzielen konnte, betonte Doris Ahnen. In der Hauptdomäne, den Naturwissenschaften, hat es im Bundesdurchschnitt einen Zuwachs von 14 Punkten gegeben, in Rheinland-Pfalz 19 Punkte. Besonders bemerkenswert sei der gemessene Kompetenzzuwachs in Rheinland-Pfalz beim Lesen. Hier liegt Rheinland-Pfalz mit 14 Punkten (bundesweit: 4 Punkte) im Bereich der Zuwächse an der Spitze aller Bundesländer. In der Mathematik lag der bundesweite Zuwachs bei 1 Punkt, in Rheinland-Pfalz bei 7 Punkten.
Sehr gute Ergebnisse in den Gymnasien
Die rheinland-pfälzischen Gymnasiastinnen und Gymnasiasten haben sich in der naturwissenschaftlichen Kompetenz deutlich verbessern können und erreichen jetzt Platz 3 mit 610 Punkten (2003: Platz 9 mit 591 Punkten). Hervorragend ist der 2. Platz bei der Lesekompetenz mit 590 Punkten (2003: 5. Platz / 580 Punkte). Auch bei der mathematischen Kompetenz konnte mit Platz 7 (590 Punkte) eine leichte Verbesserung erzielt werden (2003: Platz 9 / 586 Punkte). Da die Gymnasien in allen Bundesländern als einzige Schulart verhältnismäßig ähnliche Beteiligungsquoten in den PISA-Tests erreichen, ist dies der einzige Schultyp, für den ein länderübergreifender Vergleich vorgenommen wird.
Landesinterner Schulartenvergleich zeigt erwartbare Differenzen
Bei der landesinternen Betrachtung der bei PISA erfassten Kompetenzen über die Schularten hinweg habe sich für Rheinland-Pfalz das erwartbare Bild ergeben. Die Gymnasien erzielten im Schnitt höhere Werte als die Realschulen (Differenz 62 bis 47 Punkte), die Realschulen höhere als die Regionalen Schulen / Dualen Oberschulen (89 bis 74 Punkte) und die Regionalen Schulen / Dualen Oberschulen höhere als die Hauptschulen (53 bis 43 Punkte).
"Auch wenn das Länderranking nicht überbewertet werden sollte, zusammen mit den substanziellen Kompetenzzuwächsen sind die erzielten Platzierungen sehr erfreulich und ein Ansporn, den eingeschlagenen Weg in der Bildungspolitik hier im Land konsequent weiterzugehen. Offensichtlich zahlt es sich aus, nicht auf kurzfristigen Aktionismus, sondern auf nachhaltige Reformen zu setzen", kommentierte Ministerin Ahnen die zentralen Erkenntnisse aus dem Ländervergleich zu PISA 2006, in den die Ergebnisse aus 93 rheinland-pfälzischen Schulen (bundesweit 1.500 Schulen) einflossen.
Förderung von Kindern mit Migrationshintergrund bleibt große Herausforderung
Bei der Förderung von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund gebe es weiterhin bundesweit großen Handlungsbedarf. Schritte, wie insbesondere die in den letzten Jahren mit dem Landesprogramm "Zukunftschance Kinder – Bildung von Anfang an" sowie mit einer Reihe von Fördermaßnahmen in den Schulen ausgebaute Sprachförderung, führten hoffentlich zu Verbesserungen, betonte die Bildungs- und Jugendministerin: "PISA zeigt sehr deutlich, dass wir in diesen Anstrengungen nicht nachlassen dürfen."
Geringe Geschlechterunterschiede
Ein erfreuliches Bild ergibt sich bei der Betrachtung der Kompetenzunterschiede von Jungen und Mädchen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern liegen in Rheinland-Pfalz die Mädchen im Bereich Naturwissenschaften und insbesondere in der Mathematik nahezu gleichauf mit den Jungen. Der geringe Kompetenzvorsprung der Jungen ist statistisch nicht bedeutsam. Im Hinblick auf die Lesekompetenz ergibt sich erwartungsgemäß weiterhin ein deutlicher Geschlechterunterschied zugunsten der Schülerinnen.
Mehr Chancengleichheit bei der Bildungsbeteiligung
Die internationalen und nationalen Schulleistungsstudien haben Deutschland beim Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungsbeteiligung immer dringenden Handlungsbedarf aufgezeigt. Die rheinland-pfälzische Bildungspolitik hat hierauf einen Schwerpunkt gelegt, der sich von der gebührenfreien Kindertagesstätte über das Ganztagsschulprogramm bis zum gebührenfreien Erststudium erstreckt.
Beim Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungschancen sei Rheinland-Pfalz einen großen Schritt vorangekommen. So könne eine statistisch bedeutsame Abnahme der sozialen Disparitäten bei der Bildungsbeteiligung festgestellt werden. Nach wie vor sei allerdings der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Kompetenzerwerb zu stark ausgeprägt.
Die relative Chance des Gymnasialbesuchs in Abhängigkeit von der Sozialschichtzugehörigkeit habe sich in Rheinland-Pfalz im Vergleich zur PISA-Studie 2000 deutlich zum Besseren entwickelt, hielt die Ministerin fest. Mit einem Faktor von 4,0 ist im Jahr 2006 ein deutlich besserer Wert als im Jahr 2000 (9,1) erzielt worden. Bei einer vergleichbaren Sprach- und Lesekompetenz von Schülerinnen und Schülern, die sich in allen bisherigen Studien als zentrales Element für eine erfolgreiche Bildungskarriere erwiesen hat, reduziert sich der Chancenvorteil von Kindern aus Akademikerfamilien gegenüber Kindern aus Facharbeiterfamilien in Rheinland-Pfalz 2006 ebenfalls deutlich vom Faktor 4 auf den Faktor 2,6.
"Dieses Ergebnis zeigt, dass es in Rheinland-Pfalz in den vergangenen Jahren gelungen ist, die Chancen von Kindern und Jugendlichen auf eine höhere Schulausbildung unabhängiger von ihrer sozialen Herkunft zu machen. Dass Rheinland-Pfalz auf diesem Feld deutlich besser dasteht, ist ein bemerkenswertes Ergebnis, " sagte Doris Ahnen und ergänzte: "Gleichzeitig bin ich mir bewusst, dass wir keinesfalls darin nachlassen dürfen, Chancengleichheit und Leistungsfähigkeit in unserem Bildungssystem weiter zu fördern. Viele Reformen werden dabei erst mittelfristig ihre volle Wirkung erzielen können. Wir werden weiter hart daran arbeiten müssen. Dennoch freut mich heute die Ermutigung, die von den Ergebnissen des PISA-Ländervergleichs für unsere Schulen und für unsere Bildungspolitik ausgeht."
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