Qualitätsentwicklung und individuelle Förderung

Bei der Vorstellung der Neuerungen zum anstehenden Schuljahr 2006/2007 bekräftigte Bildungsminister Holger Rupprecht (SPD) heute, dass der eingeschlagene Weg der Qualitätsentwicklung auch in diesem Schuljahr zielgerichtet fortgesetzt wird.

18.08.2006 Brandenburg Pressemeldung Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg

Aufbauend auf die im vergangenen Schuljahr gestarteten Visitationsteams werden in diesem Schuljahr sogenannte *Datengestützte Qualitätsgespräche" eingeführt. Dafür wurde ein Instrumentarium entwickelt, mit dem regelmäßige, standardisierte, auf landesweit erhobene datengestützte Gespräche zwischen Schulleitungen und zuständigen Schulrätinnen und Schulräten zum Qualitätsmanagement der Schule geführt werden mit dem Ziel, die Schulen angemessen zu beraten und zu unterstützen. Die datengestützten Qualitätsgespräche werden im Schuljahr 2006/ 2007 schrittweise eingeführt, so dass es zum Schuljahr 2007/2008 flächendeckend für eine regelmäßige Beratung aller Schulen bereit steht. Im Ergebnis des Gesprächs werden Verabredungen und gegebenenfalls Zielvereinbarungen getroffen, schriftlich festgehalten und in ihrer Umsetzung begleitet.

Zur Unterstützung der Qualitätsentwicklung in der Schule werden Schulleitungen und Lehrkräfte an zentralen Stellen mit zusätzlichen Anrechnungsstunden entlastet. Da betrifft die Schulleitung, die Klassenleitung der 7. + 10. Jahrgangsstufe, die Fachkonferenzleiter/innen der Kernfächer, sowie die pädagogische Schulentwicklung insgesamt. Eine beispielhafte dreizügige weiterführende Schule mit 35 Lehrkräften wird dementsprechend rund 10 Lehrerwochenstunden mehr erhalten, die sie für Entlastung und Qualitätsentwicklung einsetzen kann

. Die Zusammenarbeit Kita-Grundschule wird ab dem kommenden Schuljahr gezielt ausgebaut, indem jede Grundschule eine Stunde zusätzlich zur Kooperation mit Kitas erhält.

"Die Übergangsproblematik ist bei vielen Grundschullehrkräften und Erzieherinnen ein Thema, das in den vergangenen Jahren mit deutlich wachsendem Interesse wahrgenommen und gestaltet wird", sagt Bildungsminister Rupprecht. "In beiden Bildungseinrichtungen geht es um die Förderung der individuellen Entwicklungsverläufe von Kindern. Ich verspreche mir von dieser verstärkten Kooperation im Sinne und Interesse der Kinder ein abgestimmtes Übergehen von der Bildungseinrichtung Kita in die Bildungseinrichtung Grundschule."

Um individuelle Förderung geht es auch bei dem neuen Verfahren zur Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfs. Die Entscheidung, ob eine Kind in eine Förderschule aufgenommen werden muss soll auf eine breitere Basis gestellt werden, indem die Beobachtung und pädagogische Begleitung des Kindes auf einen längeren Zeitraum ausgedehnt und somit aussagekräftiger gestaltet wird. Durch die gezielte Verbindung von Diagnostik und Förderung über einen bedeutsam langen Zeitraum besteht viel stärker die Chance im Vergleich zu dem bisherigen Verfahren eine wesentlich gründlichere Diagnostik der Ursachen für Lern-, Verhaltens- oder Sprachauffälligkeiten zu ermöglichen. Vor allem Schüle-rinnen und Schüler aus sozial benachteiligten Verhältnissen, die auf Grund schlechterer Schuleingangsbedingungen gegenüber anderen Kindern benachteiligt sind, profitieren vom neuen Feststellungsverfahren. Durch die gezielte Verbindung von Förderung und Diagnostik haben sie gegenüber dem bisherigen Verfahren viel eher die Chance, dass bestehende Defizite in der Lernausgangslage rechtzeitig erkannt und diese durch umfangreiche Förderangebote in der zuständigen wohnortnahen Grundschule begegnet werden kann.

Erstmals zum Schulhalbjahr werden ab diesem Schuljahr die brandenburgischen Schüler der Jahrgansstufen 3-10 ihr Arbeits- und Sozialverhalten in Ziffernform bewertet bekommen. So werden künftig im Arbeitsverhalten die vier Kategorien "Lern- und Leistungsbereitschaft", "Zuverlässigkeit und Sorgfalt", "Ausdauer und Belastbarkeit" sowie *Selbstständigkeit" bewertet. Das Sozialverhalten wird in den drei Kategorien "Verantwortungsbereitschaft", "Kooperations- und Teamfähigkeit", "Konfliktfähigkeit und Toleranz" bewertet. Die Bewertung erfolgt auf vier Notenstufen, wobei die Note 1 für "hervorragend ausgeprägt" steht, die Note 2 für "deutlich ausgeprägt", die Note 3 für "teilweise ausgeprägt" und die Note 4 für "wenig ausgeprägt".

"Wir haben uns bewusst von den Fachnoten abgehoben. Fächerbewertungen und Aussagen über Sozialkompetenzen kann man pädagogisch nicht in einen Topf werfen", sagt Bildungsminister Rupprecht. *Ich bin überzeugt, dass diese Kategorien und die Bewertung bei den Eltern auf Zustimmung treffen werden, denn sie stehen für das, was allgemein als Sozialkompetenzen beschrieben wird, die in der modernen Arbeitswelt einen ausgesprochen hohen Stellenwert hat."

Ein Kernpunkt der Schulgesetznovelle besteht in der Verkürzung der Schulzeit bis zur allgemeinen Hochschulreife an Gymnasien und ausgewählten Gesamtschulen auf zwölf Jahre. Zur Sicherstellung des Starts der vorgesehenen Schulzeitverkürzung ab dem Schuljahr 2007/2008 müssen bereits zum anstehenden Schuljahr Vorbereitungen getroffen werden, indem die Stundentafeln in den Jahrgangsstufen 5, 6 (jeweils um 1 Stunde) und 7 (zwei Stunden) erhöht werden.

"Die Verkürzung der Schulzeit soll ohne Qualitätseinbuße erfolgen. Damit kann nicht einfach ein Schuljahr entfallen. Vielmehr werden die Lerninhalte in den ein-zelnen Schuljahren verdichtet und die Stundentafel in den Jahrgangstufen 5 bis 12 ausgeweitet", sagt Bildungsminister Rupprecht. "Übrigens gilt die Stundentafelausweitung nicht nur für Gymnasien. Auch an Gesamtschulen und Oberschulen wird die Stundentafel in den Jahrgangsstufen 7 und 8 erhöht. Damit soll vor allem auch dem Anspruch auf Durchlässigkeit gefolgt werden."

Einen erfreulichen Zwischenstand zog der Minister beim Ausbau der Ganztagsangebote: Nahezu jede vierte staatliche Schule im Land Brandenburg wird im kommenden Schuljahr ein ganztägiges Angebot vorhalten. Mit 56 neu bewilligten Ganztagsangeboten an Schulen steigt die Zahl der Schulen mit Ganztagsangeboten zum Schuljahr 2006/2007 auf landesweit 235 von insgesamt 846 öffentlichen Schulen. Voran geht es auch bei der Bindung der Mittel aus dem Ganztagsinvesti-tionsprogramms des Bundes "Zukunft Bildung und Betreuung". Dem Bildungsministerium liegt gegenwärtig für die Haushaltsjahre 2006 und 2007 insgesamt ein Antragsvolumen mit Gesamtinvestitionskosten in Höhe von 115,31 Millionen € vor, von denen 56,2 Millionen € als Zuwendung beantragt werden. Damit kann seitens des Bildungsministeriums sehr positiv festgestellt werden, dass von den 130 Millionen € Investitionshilfen des Bundes rund 93,02 Millionen € (rund 71,56 Prozent) bereits projektbezogen konkret untersetzt sind.

Zur Förderung von Polnisch als Fremdsprache können Grundschulen jetzt gleichzeitig Englisch und Polnisch als Begegnungssprache in den Jahrgangsstufen 1 und 2 und als erste Fremdsprache ab Jahrgangsstufe 3 anbieten. An der Grundschule *Mitte" in Frankfurt (Oder) wird Polnisch als Begegnungssprache und erste Fremdsprache eingeführt. Darüber hinaus wird in der Grundschule in Neu-zelle, in den drei Grundschulen in Guben und in der Grundschule "Regine Hildebrandt" in Cottbus Polnisch als Begegnungssprache unterrichtet.

Weitergehende Infos wie neue Faltblätter unter: www.mbjs.brandenburg.de


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