VBE: Dauerdruck in der Schule lähmt das Denken

Nach den Pfingstferien sind es nur noch sechs Wochen bis zu den Jahres­zeugnissen. Da spüren Schüler, deren Versetzung gefährdet ist, richtig Druck. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg sieht in dem Dauerdruck, der auf vielen Schülern vor allem aufgrund der Perspektivlosigkeit lastet, ein unnötiges Lernhemmnis. Schulstrukturdebat­ten, Bildungsstandards und Reformen sind zwar gut und schön, viel wich­tiger ist jedoch, in welcher Atmosphäre an den Schulen gelehrt und gelernt werden kann. Dabei geht es nicht um "Kuschelpädagogik" und um ein "In-Watte-packen" der Schüler, sondern um ein positives Lernklima. Ständiger Druck und Zukunftsangst lähmen das Denken und bremsen Leistung aus.

05.06.2007 Baden-Württemberg Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband Baden-Württemberg

Die Hirnforschung weist darauf hin, wie wichtig das Lernklima für den Schulerfolg ist. Da treten sogar Schulstrukturprobleme zunächst in den Hintergrund. Um den Kindern und Jugendlichen ein optimales Lernen zu ermöglichen, sind selbstverständlich zu­nächst einmal die Lehrer gefordert. Der VBE erwartet aber, dass die Politik endlich die Rahmenbedingungen schafft, die ein effektiveres Lernen an den Schulen möglich ma­chen. Das fängt bei einer vernünftigen Klassengröße an, geht über differenzierende Unterstützungssysteme hin zu freundlichen Schulgebäuden und hört bei motivieren­dem Lernmaterial noch lange nicht auf. Die Möglichkeit, bei längerem Unterricht eine warme Mahlzeit in der Schule einnehmen zu können, gehört genauso dazu wie zusätz­liche kulturelle und sportliche Angebote zwischen den Unterrichtsblöcken - im Wech­selspiel von Spannung und Entspannung.

Die frühe Aufteilung der Schüler erzeugt ebenfalls Druck. Schon bei der Einschulung hängt das Übergangsverfahren auf die weiterführenden Schulen in der vierten Klasse wie ein Damoklesschwert über den Köpfen der Kinder. So werden pädagogisch wert­volle schulische Gemeinschaftsveranstaltungen wie Klassenfeste, Projekte, Lerngänge und Theateraufführungen von manchen Eltern nicht mehr als Bereicherung, sondern als "Störung" bei der Jagd nach der Gymnasialempfehlung angesehen. Der Blick­winkel verengt sich auf die "Hauptfächer" Deutsch und Mathematik - bisweilen auch auf die Fremdsprache (die jedoch für den Notenschnitt bei der Grundschulempfehlung nicht zählt). Damit Grundschüler möglichst optimale Zeugnisnoten bekommen, orga­nisieren Eltern schon sehr früh außerschulische Nachhilfe. Dieser zusätzliche Druck sei einem entspannten Lernklima gleichfalls abträglich, moniert der VBE-Sprecher.


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