Ministerpräsident Beckstein und Kultusminister Schneider: Bildungspolitik ist Wirtschafts- und Sozialpolitik des 21. Jahrhunderts

Für die Bayerische Staatsregierung hat die Bildungspolitik als die Wirtschafts- und Sozialpolitik des 21. Jahrhunderts Top-Priorität. Das machten Ministerpräsident Dr. Günther Beckstein und Kultusminister Siegfried Schneider heute in München deutlich. "Die zukunftsorientierte Weiterentwicklung eines modernen Bildungswesens ist eine Daueraufgabe, der sich Bayern seit langem erfolgreich stellt. Unser Ziel ist es, unseren Kindern bestmögliche und begabungsgerechte Bildungschancen zu eröffnen, und die Unterrichtsversorgung weiter zu verbessern und die Klassenstärken zu reduzieren. Bereits heute liegt die durchschnittliche Klassenstärke bei den Grundschulen bei unter 23 Schülern, bei Hauptschulen bei 21 Schülern, bei Realschulen und Gymnasien bei 28 Schülern. Auch in der nächsten Legislaturperiode wird das Thema Bildung Vorfahrt haben: Wir werden hier eindeutig einen haushaltspolitischen Schwerpunkt setzen", betonte Beckstein.

20.08.2008 Bayern Pressemeldung Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus

"Vom nationalen Bildungsgipfel erwarte ich mir, dass damit das Thema Bildung so wie in Bayern bei den Prioritätenlisten ganz nach vorne rutscht. Ich erwarte mir im Herbst, dass der Bund, wo er nach der Föderalismuskommission Kompetenzen hat, diese auch intensiv ausfüllt. Das bedeutet ein substanzielles, insbesondere finanzielles Engagement des Bundes in den Bereichen Sprachförderung für Migranten, Übernahme der Kosten der Mittagsverpflegung an den Schulen für Bedürftige, Maßnahmen zur besseren Verzahnung von Schule und Beruf, Weiterbildung und bei den Forschungsausgaben", unterstrich Beckstein. Der Bund müsse sich auf die Bereiche konzentrieren, in denen er über eigene Kompetenzen verfüge. Das heiße nicht, dass sich die Länder mit dem Geld des Bundes ihre Kompetenzen abkaufen lassen. "Bayern legt mit seinen Entscheidungen zur Bildungspolitik die Messlatte für den nationalen Bildungsgipfel bewusst hoch. Wir brauchen überall in Deutschland höchstes Niveau bei der Bildung", ergänzte der Ministerpräsident.

Kultusminister Schneider betonte: "Die Bildungspolitik - von der Kinderkrippe über das Schulwesen bis zum Hochschulwesen - steht im Zentrum der Regierungspolitik der Staatsregierung." Deshalb habe die Staatsregierung allein für das neue Schuljahr 2008/2009 insgesamt 2.245 zusätzliche Lehrerstellen bereit gestellt. Als vorrangiges Ziel nannte Siegfried Schneider den Ausbau der individuellen Förderung aller Schülerinnen und Schüler - unabhängig von ihren Begabungen. Vorrangige Mittel dazu seien:

  • der Abbau der Höchstgrenzen für Schülerinnen und Schüler pro Klasse auf 25 in der Grundschule und auf 30 an weiterführenden Schulen in den kommenden fünf Jahren. Der Einstieg sei geleistet, die Obergrenze der Schülerzahl werde seit 2006 in jedem Jahr ein Stück weit reduziert. Dies ist jedoch nur im Rahmen der vorhandenen Lehrkräfte möglich. Die durchschnittliche Schülerzahl liegt allerdings mit 21 an Hauptschulen, 22,9 an Grundschulen sowie rund 28 an Realschulen und Gymnasien merklich niedriger als die Obergrenze.

  • der rasche Ausbau der Ganztagsschulen. Im Schuljahr 2008/2009 gebe es an über 330 Hauptschulstandorten, 30 Förderzentren, 40 Grundschulen, 10 Realschulen und 12 Gymnasien Ganztagsklassen. Minister Schneider: "Ich konnte bei den Hauptschulen alle Anträge auf Ganztagsklassen genehmigen, ebenso die auf Ausbau offener Ganztagsangebote." Letztere wird es im kommenden Schuljahr an mehr als 900 Schulen geben. In der kommenden Legislaturperiode werde Bayern an rund einem Viertel der Grundschulen Ganztagsklassen einrichten. An jeder Realschule und jedem Gymnasium sollen bis 2013 Ganztagsklassen realisiert werden können.

  • erweiterte Anstrengungen, um Kindern mit Migrationshintergrund bessere Startbedingungen in die deutsche Gesellschaft, auf den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt zu geben. Die Anzahl der Stunden, in den Kinder aus Migrantenfamilien im Kindergarten in Vorkursen Deutsch lernen, wird von bisher 160 auf 240 ausgeweitet. "So können alle Kinder in der Grundschule mit einer vergleichbaren sprachlichen Basis starten und haben damit einen höheren Lernerfolg", so Minister Schneider.
  • die Eröffnung eines Staatsinstituts in Freising, an dem Förderlehrer ausgebildet werden. Diese unterstützen vor allem Kinder an Grundschulen in Kleingruppen, sich die erforderlichen Kompetenzen in Deutsch und Mathematik anzueignen.

Klares Bekenntnis zu gegliedertem Schulwesen

An dem gegliederten Schulwesen werde Bayern nicht rütteln, so Siegfried Schneider. "Wir dürfen nicht auf Systeme schauen, in denen Kinder und Jugendliche schlechter ausgebildet werden", warnte er davor, eine Einheitsschule oder ein zweigliedriges Schulsystem an die Stelle des sehr leistungsfähigen gegliederten bayerischen Schulwesens zu setzen. "Wir müssen die Säulen Haupt- und Realschule sowie Gymnasium stärken", so der Minister. Die Hauptschule entwickelt er zu einer stark berufsorientierten weiterführenden Schule mit mehr individueller Förderung und einem erhöhten Praxisbezug. Dieser Ansatz werde von der Wirtschaft im Freistaat ebenso unterstützt wie auch von der Mehrheit der Bürger, wie eine FORSA-Umfrage ergeben hatte.

Berufliche Oberschule eröffnet bayernweit zweiten Weg zum Abitur

Die Durchlässigkeit des Schulwesens baut die bayerische Staatsregierung weiter aus. So eröffnet Kultusminister Siegfried Schneider flächendeckend mit dem Ausbau der Beruflichen Oberschule den Schülern die Möglichkeit zu einem zweiten gleichwertigen Weg zum Abitur. Außerdem biete Bayern den Schülerinnen und Schülern zusätzliche Möglichkeiten, parallel zur Berufsausbildung die Hochschulreife zu erlangen, etwa durch den Modellversuch "Berufsschule plus". Mit dem elektronischen Bildungswegeplaner können sich Schüler über Anschlussqualifikationen informieren.

Kultusminister Schneider würdigte das Engagement der Lehrkräfte, gemeinsam mit den Eltern die Persönlichkeit der Kinder und Jugendlichen zu bilden, Werte zu vermitteln und ihnen einen intensiven Bezug zu ihrer Heimat zu geben. Die Lehrkräfte kämen damit dem Verfassungsauftrag nach, "nicht nur Wissen und Können zu vermitteln, sondern auch Herz und Charakter zu bilden". Viele Schülerinnen und Schüler engagierten sich für die Demokratie und gegen extremistische Kräfte rechter und linker Herkunft. Das Kreuz hat nach wie vor seinen festen Platz in Bayerns Schulen.

Unterricht im Schuljahr 2008/2009 sicher gestellt

Der Freistaat stellt zum neuen Schuljahr rund 1000 Lehrkräfte an Grundschulen, 373 an Hauptschulen, über 410 an Förderschulen, mehr als 700 an Realschulen, über 760 an Gymnasien und über 380 an Beruflichen Schulen ein. Damit ist der Unterricht im Schuljahr 2008/2009 gesichert. Eine Reform des Dienstrechts ermöglicht es, dass künftig Grund-, Haupt- und Realschullehrkräfte aufgrund eines außergewöhnlichen Engagements auch ohne besondere Funktionsstelle befördert werden können.


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