Kultusministerin Monika Hohlmeier zum Schuljahresbeginn 2004/05: Weiterentwicklung der Unterrichtsqualität hat Vorrang

"Wir haben alle Vorbereitungen für einen guten Start in das neue Schuljahr getroffen. Die Unterrichtsversorgung ist gesichert. Trotz Sparhaushalts und Arbeitszeiterhöhung stellen wir fast 3.800 Lehrkräfte neu an. Darüber hinaus wird auch in diesem Schuljahr die Weiterentwicklung der Unterrichtsqualität Priorität haben", sagte Kultusministerin Monika Hohlmeier auf der Pressekonferenz zum Schuljahresbeginn in München. Den Lehrkräften dankte sie für die engagierte Unterstützung bei der Vorbereitung des neuen Schuljahres. In den vergangenen Monaten habe sich das öffentliche Interesse stark auf die Einführung des neuen achtjährigen Gymnasiums fokussiert. Die Maßnahmen zur Verbesserung der Unterrichtsqualität konzentrierten sich aber nicht allein auf das Gymnasium, sondern seien auf alle Schularten ausgerichtet. Wesentliches Merkmal sei hier die stärkere individuelle Förderung von Schülerinnen und Schülern, die sich wie ein roter Faden durch die Schularten ziehe.

13.09.2004 Bayern Pressemeldung Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus

In der Grundschule gibt es ab diesem Schuljahr für die Schülerinnen und Schüler der 1. und 2. Klasse ein neues Zeugnis, das nach modernen didaktischen Erkenntnissen konzipiert wurde. Die Reform der Notengebung ziele darauf, Transparenz und Aussagewert der Zeugnisse zu erhöhen, sodass Eltern aussagekräftige Informationen über den Leistungsstand, den Lernfortschritt und den Förderbedarf ihres Kindes erhalten. Die neuen Zeugnisse beinhalten Aussagen zum Sozial-, Lern- und Arbeitsverhalten. Vom Jahreszeugnis der 2. Klasse an werden diese Bereiche mit den Buchstaben A bis D bewertet. Ebenfalls werden vom Ende der 2. Jahrgangsstufe an die Leistungen in den einzelnen Fächern detailliert benotet. Erstmals können die Zeugnisse einen individuellen Förderplan für Schülerinnen und Schüler enthalten. "Mit den neuen Zeugnissen in der Grundschule haben wir die Erkenntnisse aus der internationalen PISA-Studie aufgenommen und umgesetzt. Wir schaffen ein innovatives Bewertungssystem, das die Qualität von Schule und Erziehung steigert", sagte Hohlmeier.

In der Hauptschule wird mit dem neuen Schuljahr ein neuer Lehrplan eingeführt, der einen besonderen Schwerpunkt auf die Praxisorientierung im Unterricht und die Zusammenarbeit mit den Unternehmen setzt. Anlass zu der Überarbeitung war die Einführung des Mittlere-Reife-Zuges an der Hauptschule. Jetzt liegen zwei Einzellehrpläne vor, einer für den Regelbereich und einer mit einem erhöhten Anforderungsniveau für den Mittlere-Reife-Zug. Beide Lehrpläne gehen stärker auf die Lernweisen der Schülerinnen und Schüler ein und gewähren mehr Zeit zum Wiederholen, Üben, Anwenden und Vertiefen. "Das Kernanliegen unseres neuen Hauptschullehrplans ist es, Grundwissen und Kernkompetenzen aufzubauen und zu sichern. So erhalten unsere Schülerinnen und Schüler das Handwerkszeug, über das sie in der Arbeitswelt von heute verfügen müssen", betonte die Ministerin. Die Hauptschule wurde in den vergangenen Jahren durch die Einführung der Mittlere-Reife-Klassen und der Praxisklassen zur Angebotsschule ausgebaut. Mittlerweile besuchen rund 22 Prozent der Hauptschüler die 10. Klasse des M-Zuges. "Wir werden den Weg der Profilierung der Hauptschule weitergehen. Sie ist ein wichtiger Bestandteil des bayerischen Bildungswesens. Knapp 40 Prozent der bayerischen Schüler besuchen die 8. Klasse der Hauptschule", sagte Hohlmeier. Die Hauptschullehrkräfte leisteten hervorragende Arbeit. Leider würde dies in der Öffentlichkeit nicht immer genügend anerkannt.

Die sechsstufige Realschule bleibt ein Erfolgsmodell. Allein in diesem Schuljahr verzeichnet sie einen Schülerzuwachs von über fünf Prozent. Durch große Anstrengungen konnten die Klassenstärken im Vergleich zum Vorjahr fast stabil gehalten werden. "Der Boom der sechsstufigen Realschule stellt eine große Herausforderung dar", sagte Hohlmeier. Umso beeindruckender seien der große Einsatz der Realschullehrkräfte und die vielfältigen Maßnahmen zur weiteren Qualitätssteigerung, wie beispielsweise die Stärkung des Fremdsprachenunterrichts oder der gezielte Förderunterricht für Schülerinnen und Schüler, deren Vorrücken gefährdet sei.

"Allen Unkenrufen zum Trotz starten wir in ein gut vorbereitetes neues achtjähriges Gymnasium. Das achtjährige Gymnasium trifft auf eine außergewöhnlich hohe Akzeptanz bei den Eltern", sagte Hohlmeier. Allein für die Jahrgangsstufe 5 hätten sich 1000 Schüler mehr angemeldet als ursprünglich prognostiziert. Der Mehrbedarf an Lehrkräften konnte am neuen Gymnasium durch Kapazitätsgewinne aus der Erhöhung der Unterrichtspflichtzeit, Neueinstellungen sowie durch Umschichtung von Personalmitteln aufgefangen werden. Zudem stehen durch den Kabinettsbeschluss vom 3. August 2004 zusätzlich vier Millionen Euro für die Vergabe von Aushilfsverträgen zur Verfügung. "Damit sind die Gymnasien trotz des unerwartet hohen Schüleranstiegs für das Schuljahr gut gerüstet. Der Pflichtunterricht steht", so Hohlmeier. An einigen Schulen werde die eine oder andere Wahlunterrichtsstunde wegfallen.

Das Kernstück des neuen achtjährigen Gymnasiums sind die Intensivierungsstunden. In einem mit Hilfe von Lehrern, Eltern und Schülern erstellten Leitfaden, den die Schulen bereits im Juli erhielten, wurden den Schulen verschiedene Modelle für die Ausgestaltung der Intensivierungsstunden vorgestellt. Rückmeldungen von Gymnasien beim Kultusministerium haben ergeben, dass die Intensivierungsstunden überwiegend in den Fächern Deutsch, Mathematik und Fremdsprachen gehalten werden. Die Schulbücher liegen bis auf Natur und Technik und Evangelische Religionslehre für die 6. Jahrgangsstufe vor.

In punkto Mittagsversorgung haben die Gymnasien ganz unterschiedliche, interessante Modelle entwickelt. So organisiert beispielsweise der Förderverein des Gymnasiums Vaterstetten die Mittagsverpflegung in Zusammenarbeit mit dem "Verein Regenbogen". Die Mahlzeiten werden angeliefert und kosten vier Euro. Von 166 Schülerinnen und Schülern haben sich bereits 122 für die Mittagsbetreuung angemeldet. Das Simpert-Krämer-Gymnasium Krumbach arbeitet mit dem örtlichen Krankenhaus zusammen, dessen Kantine das Essen in die Schule liefert. Der Preis liegt bei zwei bis drei Euro.

Bereits für 70 Gymnasien wurden Anträge auf Investitionskostenförderung gestellt und bewilligt. Insgesamt werden rund 45 Millionen Euro für den Ausbau von Ganztagesangeboten und für die mit der Einführung des achtjährigen Gymnasiums verbundenen infrastrukturellen Maßnahmen bereitgestellt. "Durch die Einführung des neuen achtjährigen Gymnasiums hat der Ausbau der Mittagsversorgung an den Schulen einen Schub erhalten. Hier wurden ideenreiche und pragmatische Konzepte von den Schulen entwickelt", sagte die Ministerin.

Den Startschuss für ein neues Angebot zur weiteren Profilbildung für Gymnasien gibt die Stiftung Bildungspakt Bayern mit Beginn dieses Schuljahres. Mit den so genannten "Centers of Excellence" will die Stiftung ausgezeichnete methodisch-didaktische Konzepte und Leistungen am Gymnasium fördern. "Wir haben zahlreiche Gymnasien, die in der Qualitätsentwicklung in verschiedenen Fachbereichen sehr weit sind. Wir wollen sie in Zukunft stärkerunterstützen und langfristig ein Netzwerk zwischen Schulen aufbauen. Wir schaffen damit eine nachhaltige Qualitätssteigerung, von der letztlich viele Gymnasien profitieren können", betonte Hohlmeier.

Stephan Götzl, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft betonte, dass die Wirtschaft hinter dem Konzept stehe und Hilfestellung leiste. "Die Centers of Excellence sind ein wichtiger neuer Ansatz, um die Qualität des neuen bayerischen Gymnasiums weiter zu steigern. Einzelne exzellente Gymnasien sollen quasi als wegweisende Leuchttürme für die anderen dienen. Wir stehen damit am Anfang eines wichtigen und kontinuierlichen Verbesserungsprozesses von Schule und Hochschule mit dem Ziel, Spitzenleistungen auf breiter Front zu fördern", sagte Götzl.

Die Gymnasien können sich mit Beginn des Schuljahres bewerben. Ein Expertenrat aus Mitgliedern des Kultusministeriums und der Stiftung wählt dann die Schulen aus. Mit Unterstützung von externen Partnern wird ein Konzept entwickelt, wie die bereits vorhandene Kompetenz weiter gesteigert werden kann. Im darauf folgenden Schuljahr kann dann der Titel "Center of Excellence" auf Zeit verliehen werden.

"Hier geht es nicht darum, den Schulen lediglich ein Etikett zu verpassen. Vielmehr wollen wir Schulen, die bereits ein gutes Stück auf dem Weg zu exzellenter Qualität zurückgelegt haben, wirkungsvoll unterstützen", betonte Regina Pötke, Geschäftsführerin der Stiftung Bildungspakt Bayern. Die Schulen könnten insbesondere die Kompetenz der Stiftungspartner aus der Wirtschaft nützen. Darüber hinaus stelle die Stiftung im ersten Jahr 200.000 Euro zur Verfügung. "Durch das Projekt ´Center of Excellence' eröffnen sich Chancen für die Gymnasien. Die enge Kooperation mit Hochschulen oder Forschungsinstituten macht den Weg frei für neue Unterrichtsmodelle", sagte Pötke. So könnten beispielsweise externe Experten für ihren Fachbereich in der Oberstufe unterrichten oder Schüler in Universitätslabors experimentieren.

Die Ausschreibungsunterlagen werden von der Stiftung Bildungspakt Bayern an alle Gymnasien geschickt. Um den Titel "Center of Excellence" können sich Gymnasien bewerben, die drei maßgebliche Kriterien erfüllen. Erstens entwickeln die Schulen neue Wege des Lernens und Lehrens, zweitens arbeiten sie kontinuierlich mit externen Partnern zusammen und drittens sind sie bereit, ihre Modelle in einem Netzwerk mit anderen Schulen weiterzuentwickeln.

Interessierte Schulen können sich für folgende fünf Fachbereiche an der Ausschreibung beteiligen:

  • sprachlich,
  • mathematisch-naturwissenschaftlich,
  • wirtschaftswissenschaftlich,
  • gesellschaftswissenschaftlich oder
  • musisch-künstlerisch.

Der Bewerbungsschluss ist Mitte Oktober.

Hinweis:

Folgende PDF-Dateien liefern Ihnen weiteres Informations- und Zahlenmaterial zum Schuljahresbeginn:

Neues im Schuljahr 2004/05
Die wichtigsten Zahlen im Schuljahr 2004/05


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