Ahnen: Ziel aller Reformen bleibt: Leistungsverbesserungen erzielen und Chancengleichheit erhöhen

Die detaillierte Auswertung der PISA 2003-Ergänzungsstudie (PISA-E), die heute in Berlin vorgestellt wurde, bestätige noch einmal die bereits bei der Vorinformation im Juli des Jahres für Rheinland-Pfalz berichteten Ergebnisse, erklärte Bildungsministerin Doris Ahnen heute in Mainz: "Rheinland-Pfalz liegt in allen untersuchten Kompetenzbereichen im OECD-Durchschnitt". Beim bundesweiten Vergleich der Gymnasien, der jetzt in der Studie ergänzend berichtet wird, erreiche Rheinland-Pfalz gute bis mittlere Platzierungen. Die Gymnasien sind die einzige Schulart, die wegen der verhältnismäßig ähnlichen Beteiligungsquoten länderübergreifend verglichen werden.

03.11.2005 Rheinland-Pfalz Pressemeldung Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur, Rheinland-Pfalz

Die rheinland-pfälzischen Gymnasiastinnen und Gymnasiasten erreichten bei der erstmals erhobenen fächerübergreifenden Problemlöse-Kompetenz mit 592 Punkten und bei der Lesekompetenz mit 580 Punkten jeweils den fünfthöchsten Wert, bei der mathematischen Kompetenz mit 586 Punkten den achthöchsten Wert und mit 591 Punkten bei der naturwissenschaftlichen Kompetenz den neunthöchsten Wert, erklärte Doris Ahnen. Dabei seien in den mathematischen Teilkompetenzen "Veränderungen und Beziehungen" und "Raum und Form" signifikante Zuwächse gegenüber PISA 2000 zu verzeichnen.

Neben dem Gymnasialvergleich liefere PISA-E auch ausführliche Daten und Erkenntnisse zur Computernutzung in den Schulen sowie zur sozialen Herkunft und zum Migrationshintergrund der Schülerinnen und Schüler. So habe die Studie unter dem Aspekt der Chancengleichheit untersucht, ob Schülerinnen und Schüler, welche im häuslichen Umfeld nur erschwert Zugang zu neuen Medien bekommen, durch einen schulischen Computereinsatz beim Erwerb computerbezogener Kenntnisse genauso stark profitieren könnten wie Jugendliche mit guten Zugangsbedingungen. Auch wenn in Rheinland-Pfalz nach Schülerangaben der Computer im Unterricht im Ländervergleich seltener eingesetzt werde, betone die Studie, dass es hier mit am besten gelingt, dass beide Gruppen bedeutsam vom schulischen Computereinsatz profitierten.

Bezüglich des Zusammenhangs zwischen sozialer Herkunft und Kompetenzerwerb bei den Schülerinnen und Schülern könne festgestellt werden, dass dieser in Rheinland-Pfalz nicht so stark ausgeprägt sei wie in manch anderen Ländern. Allerdings seien die Chancen für einen Besuch des Gymnasiums nach wie vor in hohem Maße ungleich verteilt, sagte Ahnen. Die große Herausforderung bleibe, Leistungsverbesserungen zu erreichen und gleichzeitig die Chancengleichheit zu erhöhen.

Nach der PISA-Studie betrage der Anteil von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund in Rheinland-Pfalz 23,4 % und liege damit leicht über dem Bundesdurchschnitt. Für alle Länder gelte, dass Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund im Durchschnitt niedrigere Kompetenzwerte erreichten. In Rheinland-Pfalz sei der Abstand allerdings geringer als in den meisten anderen Ländern; beim Lesen und in den Naturwissenschaften sogar am geringsten.

Offensichtlich zeige die gezielte Förderung hier Wirkung. Sie müsse aber noch deutlich verstärkt werden, vor allem für Kinder und Jugendliche, deren Alltagssprache nicht Deutsch sei. Positiv zu bewerten sei auch, dass der für die Mehrzahl der Länder festgestellte teilweise große Kompetenzunterschied von Schülerinnen und Schülern der so genannten "Ersten Generation" und der "Zugewanderten" für Rheinland-Pfalz nicht zutreffe.

Bei der landesinternen Betrachtung der bei PISA erfassten Kompetenzen über die Schularten hinweg habe sich für Rheinland-Pfalz das erwartbare Bild ergeben. Die Gymnasien erzielten im Schnitt höhere Werte als die Realschulen (Differenz 72 bis 59 Punkte), die Realschulen höhere als die Regionalen Schulen / Dualen Oberschulen (82 bis 72 Punkte) und die Regionalen Schulen / Dualen Oberschulen höhere als die Hauptschulen (28 bis 15 Punkte). "Erfreulich ist dabei, dass auch die Hauptschulen Leistungsstärken aufweisen", stellte die Bildungsministerin fest. So erziele die Spitzengruppe der Schülerinnen und Schüler an Hauptschulen durchaus Ergebnisse, die in den gymnasialen Bereich hineinreichten. "Das zeigt, wie wichtig es ist, die Durchlässigkeit des Schulsystem zu erhalten und auszubauen und insbesondere den Übergang in die gymnasiale Oberstufe für Schülerinnen und Schüler der 10. Klassen von Hauptschulen, Realschulen, Regionalen und Dualen Oberschulen offen zu gestalten", erklärte Ahnen. So stammten nach der amtlichen Statistik mehr als zehn Prozent der Elftklässlerinnen und Elftklässler in der gymnasialen Oberstufe aus den oben genannten Schularten. Damit werde auch ein Beitrag geleistet, den Zusammenhang von sozialer Herkunft und Bildungsbeteiligung zu mindern. Dennoch sei es dringend notwendig, dass diese Schere in den nächsten Jahren weiter geschlossen werde.

"Schon bei der Vorstellung der zentralen Ergebnisse des PISA-Ländervergleiches im Juli dieses Jahres ist deutlich geworden, Reformen müssen konsequent angegangen werden, aber sie brauchen auch Zeit, um ihre volle Wirkung zu entfalten", sagte Doris Ahnen. Rheinland-Pfalz liege als eines von sieben Bundesländern in allen Kompetenz¬bereichen mindestens im OECD-Durchschnitt. Auch im länderübergreifenden Gymnasialvergleich schneide Rheinland-Pfalz insgesamt gut ab. In allen Schularten gebe es Leistungsspitzen, die es auszubauen gelte. Gleichzeitig müssten vor allem Kinder, die von ihrem sozioökonomischen Hintergrund her benachteiligt sind, noch besser gefördert werden. "Damit können wir nicht früh genug anfangen. Neben der konsequenten Qualitätsentwicklung an allen Schulen, der Umsetzung der Bildungsstandards und dem Ausbau der Ganztagsschulen gehen wir mit dem Kindertagesstättenprogramm "Zukunftschance Kinder – Bildung von Anfang an" einen entscheidenden Schritt, um das Bildungssystem und die Chancengleichheit nach vorne zu bringen", betonte Bildungsministerin Ahnen.


Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden