Berlin reformiert konsequent: Ermäßigungen für Schulleiter, mehr Deutsch in der Grundschule und noch mehr Ganztagsschulen
08.05.2006 Berlin Pressemeldung Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung
1. Weniger Unterrichtsverpflichtung für Schulleiter, mehr Zeit für das Management einer Schule
Berlins Schulleiter erhalten ab dem kommenden Schuljahr mehr Spielraum zur Umsetzung der weit reichenden Reformen des Berliner Schulgesetzes. So sinkt die Unterrichtsverpflichtung von Schulleitern auf maximal zehn Stunden pro Woche. Dazu treten je nach Größe der Schule weitere Ermäßigungen.
So reduziert sich die Unterrichtsverpflichtung für Schulleiter insgesamt um bis zu sechs Stunden pro Woche.
Dies sieht der Entwurf der so genannten Organisationsrichtlinien vor, in dem die Bildungsverwaltung die Eckdaten des neuen Schuljahres festschreibt. Die Organisationsrichtlinien sind in dieser Form bereits von der Finanzverwaltung gebilligt worden. Zur Finanzierung wurden teils Stellen genutzt, die im Rahmen des Reformprozessen ausgelaufen wären.
Bildungssenator Klaus Böger zu den Ermäßigungen für die Schulleiter: "Schulleiter sind die Garanten für die neue Eigenverantwortung der Schulen, die sich ei-gene Profile und Programme geben und sich nach ihrem Umfeld öffnen. Sie haben neue verantwortungsvolle Aufgaben erhalten, gerade in der Personalführung. Die Neuerung für die Schulleiter würdigt trotz der bekanntermaßen angespannten Haushaltslage deren zentrale Bedeutung im Reformprozess."
Die Zahl der Stunden, die ein Schulleiter zu unterrichten hat, hängt von der Größe des Lehrerkollegiums ab. So hat Leiterin oder der Leiter ein Gymnasiums mit 31-60 Kollegen künftig statt 12 Stunden noch neun Stunden zu unterrichten. Eine Grundschulleiterin mit gleicher Kollegiumsgröße unterrichtet ebenfalls neun Stunden wöchentlich (=2,5 Stunden weniger).
2. Integration durch Bildung! Mehr Sprachförderung für Kinder nichtdeutscher
Herkunftssprache An Berlins Grundschulen werden künftig Schülerinnen und Schüler in Klassen mit einem hohen Anteil von Kindern nicht deutscher Herkunftssprache (ndH) noch stärker gefördert.
Sprechen auch in einer zweiten Klasse mehr als 40 Prozent der Kinder nicht Deutsch als Muttersprache, sinkt die geplante Klassengröße auf nur 20 Schüler – statt regulär 24. Diese Regelung galt bislang nur für die erste Jahrgangsstufe. Zusätzlich erhalten diese Kinder eine weitere Stunde Deutsch-Unterricht.
Bildungssenator Klaus Böger: "Schulen fördern die Integration, auch wenn sie diese Aufgabe allein nicht erfüllen können. Neben der frühen Förderung in den Kitas, den Sprachtests und der Sprachförderung setzen wir auf die Stärke unserer Grundschulen. Wir grenzen anders als andere Bundesländern kein Kind mit schlechten Deutschkenntnissen aus, sondern fördern es intensiv im Jahrgangsverband."
3. Mehr Unterricht und neue Freiräume
Die Zahl der Unterrichtsstunden nimmt auch in höheren Klassen zu. Zwar verkürzt Berlin die Zeit bis zum Abitur auf zwölf Schuljahre, lässt aber dadurch keinen Unterricht wegfallen. So wird der Unterricht in Jahrgangsstufe 7 an Realschulen, Gymnasien, Gesamtschulen auf 33 bis 34 Wochenstunden aufgestockt (zuvor: 29-30 Wochenstunden). Das neue Fach Ethik, das an allen Schulformen unterricht wird, schlägt dabei mit zwei Stunden zu Buche.
Bildungssenator Klaus Böger: "Eltern und ihre Kinder sollten die zusätzlichen Stunden nicht als Belastung, sondern als zusätzliche Chancen erkennen. Schulen können einen Teil der Stunden frei Fächern zuordnen, um zielgerichtet Schwerpunkte zu setzen – z.B. in Deutsch, Geschichte oder auch Musik. Damit können Schulen individueller Interessen wecken und fördern."
4. Berlin macht konsequent ganztags Schule!
Berlin baut sein ohnehin schon im deutschlandweiten Vergleich hervorragendes Ganztagsschulsystem weiter aus. Mit dem kommenden Schuljahr werden sechs weitere Gesamtschulen zu Ganztagsschulen mit verbindlichen Unterrichtseinheiten bis 16 Uhr. Damit sind alle Gesamtschulen Ganztagsschulen.
Bildungssenator Klaus Böger: "Schule ist ein Ort der Integration, die weit über den eigentlichen Unterricht hinausgeht. Zeit in der Schule ist wertvolle Zeit. Auch diese Verbesserung hilft Eltern Familie und Beruf besser miteinander zu verbinden."
Weitere Einzelheiten wird Senator Böger Schulleitungen und Schulleitungsverbänden am kommenden Mittwoch auf einer Sitzung mitteilen.
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