Bildung von Anfang an
Die frühe Förderung von Kindern bestimmt die bildungspolitische Diskussion bundesweit, in Rheinland-Pfalz wird mit einem großen Ausbauprogramm für Kindertagesstätten bereits gehandelt.
18.07.2005 Rheinland-Pfalz Pressemeldung Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur, Rheinland-PfalzAuf dem Kongress "Zukunftschance Kinder - Bildung von Anfang an" gaben Ministerpräsident Kurt Beck und Bildungsministerin Doris Ahnen heute in Mainz den offiziellen Startschuss für die mit dem Programm verbundene, breit angelegte Fortbildungsreihe für Erzieherinnen und Erzieher, die das Land mit zwei Millionen Euro unterstützt. Neben einer Reihe von Vorträgen ausgewiesener Expertinnen und Experten bietet der Kongress durch ein "Lernkarussell" mit 15 Stationen sowie ein umfangreiches Exkursionsangebot eine breite Palette von Informationen zur frühen Förderung und Bildung.
"Wir haben es uns zum Ziel gesetzt, mit einer Offensive zum Ausbau des Bildungs- und Betreuungsangebots vor der Schule nicht nur die Chancengleichheit zu verbessern, sondern auch unsere führende Stellung als kinderfreundliches Land weiter zu festigen", unterstrich der Ministerpräsident. Doris Ahnen ergänzte: "Wir wollen alle Kinder in Rheinland-Pfalz mit ihren Stärken und manchmal auch Problemen schon früh besser fördern und damit für wirklich nachhaltige positive Auswirkungen auf den Bildungserfolg sorgen. Das ist das Gebot der Stunde".
Frühe Förderung volkswirtschaftlich und gesellschaftspolitisch geboten
Für viele Fähigkeiten und Fertigkeiten würden bereits im frühen Kindesalter die entscheidenden Grundlagen gelegt, Schwächen ließen sich mit zunehmendem Alter immer schwerer oder nur noch teilweise beheben. Das unterstrich auch der Vorsitzende des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Prof. Dr. Bert Rürup: "Gerade für Kinder, die durch ihren sozialen Hintergrund benachteiligt sind, etwa auf Grund eines niedrigen Bildungsniveaus und Einkommens der Eltern oder eines nicht in der Landessprache verwurzelten Umfelds, ist eine frühzeitige Integration in das Bildungssystem ein viel versprechender Weg." Die frühe Förderung in Kindertagesstätten sei nicht nur gesellschaftspolitisch wünschenswert, sondern auch in der gesamtwirtschaftlichen Rechnung äußerst effizient. Ziel müsse es sein, allen Kindern zumindest im Jahr vor der Einschulung ein Angebot für einen Kindergartenplatz mit einer gezielten Unterstützung zu machen, forderte der "Wirtschaftsweise" und begrüßte ausdrücklich, dass das Land Rheinland-Pfalz mit dem Programm "Zukunftschance Kinder - Bildung von Anfang an" die Kosten für das letzte Kindergartenjahr ab Anfang 2006 übernimmt.
Die Erziehungswissenschaftlerin Dr. Christa Preissing von der Freien Universität Berlin hob besonders hervor, eine zielgerichtete frühe Bildung sei nicht nur für die Entwicklung der individuellen Persönlichkeit der Kinder, sondern auch für den Fortschritt auf gesellschaftlicher Ebene wichtig. Jedes Kind müsse dabei mit allen seinen Besonderheiten schon früh individuell gefördert werden - und zwar sowohl durch die Eltern als auch von Erzieherinnen und Erziehern in Kindertagesstätten und später von Lehrkräften in den Schulen. Die gegenwärtige Gesellschaft brauche mehr forschende, erfinderische und auch querdenkende Problemlöserinnen und Problemlöser. Diese Eigenschaften müssten früh angeregt und entwickelt werden.
Bald Beitragsfreiheit für letztes Kindergartenjahr
Das Kindertagesstättenprogramm "Zukunftschance Kinder - Bildung von Anfang" werde mit aller Kraft im Land vorangetrieben, unterstrichen Beck und Ahnen. In fünf Monaten werde mit Inkrafttreten des Kindertagesstätten-Gesetzes das letzte Kindergartenjahr für alle Eltern beitragsfrei sein. Allein dafür nehme das Land 25 Millionen Euro in die Hand. "Das ist eine spürbare finanzielle Entlastung für die Familien in Rheinland-Pfalz", betonte Ministerpräsident Beck. Mit der Beitragsfreiheit seien aber auch klare Erwartungen verbunden: "Wir wollen, dass möglichst jedes Kind in Rheinland-Pfalz den Kindergarten besucht. Mit rund 93 Prozent haben wir bereits eine hohe Besuchsquote - aber wir wollen alle erreichen", sagte Bildungsministerin Doris Ahnen, die dieses Anliegen vor allem mit der verstärkten Bildungsarbeit, einer gezielten Sprachförderung und intensiveren Schulvorbereitung in den Einrichtungen begründete.
Fünf Pluspunkte
Mit dem neuen Landesprogramm "Zukunftschance Kinder" würden die Chancen für eine gute Bildung und Betreuung von Kindern im Vorschulalter deutlich weiter entwickelt, so Beck und Ahnen. Mehr Plätze für Kinder unter drei Jahren auch durch neue Angebote zum Kindergartenbesuch ab zwei Jahren, ein Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz für zweijährige Kinder ab 2010, die Beitragsfreiheit für das letzte Kindergartenjahr, bessere Schulvorbereitung und deutliche Ausweitung der Sprachförderung sowie eine verstärkte Kooperation zwischen Kindertagesstätten und Schulen, verbunden mit einer früheren Einschulung ab 2008 - dies seien die fünf Pluspunkte für Kinder und Eltern. Das Land stelle dafür 2006 zusätzlich bis zu 40 Millionen Euro bereit; im Endausbau seien es rund 60 Millionen Euro pro Jahr.
Die Zielstellung des neuen Landesprogramms, die frühe Förderung auszubauen, werde nicht nur von rund 80 Prozent der Bevölkerung im Land unterstützt, wie Umfragen gezeigt hätten, stellten Beck und Ahnen fest. Die bisherigen Reaktionen auf das Programm aber auch die Riesenresonanz auf das Angebot des Kongresses mit mehr als 800 Anmeldungen seien ein deutlicher Beleg dafür, dass vor allem in den Kindertagesstätten, aber auch bei Trägern, Schulen und in der pädagogischen Fachwelt eine hohe Bereitschaft bestehe, das Bildungs- und Förderangebot für Kinder vor dem Schuleintritt weiter zu verbessern.
Neues Fortbildungsprogramm
"Für uns ist das eine eindrucksvolle Bestätigung des eingeschlagenen Weges. Wir werden die Erzieherinnen und Erzieher nach Kräften unterstützen. Ich bin mir sicher, dass die frühkindliche Bildung und Erziehung bei ihnen in guten Händen ist", sagte die Bildungsministerin. Bereits in diesem Jahr habe die Landesregierung zwei Millionen Euro zusätzlich für die Fortbildung von Erzieherinnen und Erzieher zur Verfügung gestellt, obwohl die Erziehungskräfte nicht beim Land angestellt seien. Die neue Schwerpunktsetzung von "Zukunftschance Kinder - Bildung von Anfang an" aber auch die konsequente Umsetzung der Bildungs- und Erziehungsempfehlungen, die 2004 gemeinsam mit den Trägern verbindlich vereinbart wurden, wolle man durch gezielte Fort- und Weiterbildungsangebote unterstützen. Gemeinsam mit den Trägern werde zurzeit ein Fortbildungscurriculum mit Zertifizierung erarbeitet. Die finanziellen Mittel des Landes dienten sowohl der Erweiterung des Angebotes als auch der guten Erreichbarkeit für alle Erzieherinnen und Erzieher.
Die Bildungsministerin kündigte in diesem Zusammenhang an, dass bereits im September eine weitere große Tagung für Erzieherinnen und Erzieher stattfinden werde, die sich dann auf die Arbeit mit Zweijährigen im Kindergarten konzentrieren werde. Erfreulicherweise habe das Land zudem bereits in diesem Jahr eine ganze Reihe von Weiterbildungsträgern unterstützen können, die zusätzliche Fortbildungen zu Themen wie Sprachförderung, Stärkung der diagnostischen Kompetenzen oder zur Zusammenarbeit von Kindergarten und Schule anböten. Angehende Erzieherinnen und Erzieher würden mit den 2004 grundlegend reformierten, neuen Ausbildungskonzepten gut auf die veränderten Aufgaben vorbereitet. Außerdem biete der seit diesem Sommersemester am Standort Remagen der Fachhochschule Koblenz eingerichtete berufsbegleitende Fachhochschul-Fernstudiengang "Bildungs- und Sozialmanagement mit Schwerpunkt frühe Kindheit" aktiven und angehenden Leitungskräften neue Qualifikationschancen.
"Wir haben mit dem Ganztagsschulprogramm bundesweite Maßstäbe gesetzt und wir werden das mit ,Zukunftschance Kinder - Bildung von Anfang an´ ebenfalls tun. Richtige Weichenstellungen, finanzpolitische Schwerpunktsetzung und konsequente Umsetzung von notwendigen bildungspolitischen Reformen - das ist der rheinland-pfälzische Kurs, den wir halten werden", unterstrichen Ministerpräsident Beck und Bildungsministerin Ahnen.
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