Freie Wohlfahrtspflege stellt Ansätze und Überlegungen zur Fachkräftesituation vor
08.03.2011 Artikel
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Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (BAGFW), der Zusammenschluss aller Wohlfahrtsverbände auf Bundesebene, hat heute (8.3.2011) seine "Ansätze und Überlegungen zum Umgang mit der Fachkräftesituation in Kindertageseinrichtungen" vorgestellt.
Es wird darin davon ausgegangen, dass der Förderung von Kindern in Tageseinrichtungen u.a. auch mit dem Rechtsanspruch für Kinder ab dem ersten Lebensjahr ab dem Jahr 2013 zu Recht eine größere Bedeutung beigemessen wird. Vor dem Hintergrund des erforderlichen Ausbaus erhalte die Frage nach dem zusätzlichen Bedarf an Fachkräften Bedeutung. Es wird unterstellt, dass mit dem Rückgang der Kinderzahl der Fachkräftebedarf zu decken sei. Faktisch werde jedoch in den Einrichtungen ein Mangel deutlich.
Die Freie Wohlfahrtspflege wolle daher mit ihren Empfehlungen dazu beitragen, auf erforderliche Strategien der Personalförderung, der Personalbindung und der Personalgewinnung hinzuweisen. Um zukünftig ausreichende Fachkräfte zu gewinnen, dürfte auf keinen Fall die Qualität der Betreuungsangebote gemindert werden.
In der Zusammenstellung wird u.a. auf ungünstige Bedingungen, wie zunehmende Teilzeittätigkeit und Befristungen hingewiesen. Es wird betont: "Alleine mit einer Anhebung der Beschäftigungszeiten in Westdeutschland auf das Niveau von 1998 ließe sich der Fehlbedarf an Fachkräften um rund 2.400 pro Jahr reduzieren."
Im Zusammenhang mit der fatalen Wirkung von befristeten Verträgen wird festgestellt, dass "befristete Vertragsverhältnisse oder Teilzeitverträge am Beginn des Berufslebens ... das Risiko, dass ich diese Fachkräfte beruflich neu orientieren und so dem System der Kindertagesbetreuung verloren gehen (erhöht)."
Auf die notwendige Erhöhung der Anerkennung, die sich auch in einer angemessenen Vergütung ausdrücken muss, wird hingewiesen. Die Forderung nach einem verstärkten Einsatz von Fachkräften mit Migrationshintergrund sei erforderlich, um die interkulturelle Kompetenz zu fördern.
Die Gesundheitsförderung sei intensiver in den Blick zu nehmen und insgesamt die "Arbeitssituation und die Arbeitsbedingungen so zu gestalten, dass diese die Attraktivität des Arbeitsplatzes fördert. ... Die hier vorgelegten Empfehlungen werden aber nur dann ihren Zweck erfüllen, wenn es Politik und Verbänden gelingt, die Qualität der Kindertageseinrichtungen durch verbesserte Rahmenbedingungen langfristig zu sichern."
Anmerkungen:
Es ist begrüßenswert, dass sich die Freie Wohlfahrtspflege auf Bundesebene für die Belange der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Tageseinrichtungen einsetzt, zumal sie oder die bei ihnen angeschlossenen Träger den Großteil der Arbeitsplätze in diesem Bereich anbieten.
Es ist jedoch beachtenswert und bedauerlich, dass sich die BAGFW nicht gleich zu Beginn offensiv für Verbesserungen der Rahmenbedingungen, z.B. in Bezug auf eine Verringerung der Gruppenstärke und Verbesserung des Kinder-Mitarbeiterinnen-Verhältnisses ausspricht, zumal sich aus einer solchen Forderung auch ein zusätzlicher Bedarf für weitere Fachkräfte ergeben würde. Insofern erscheint die Position, dass Absenkungen der Qualifikationsabschlüsse, Verschlechterungen der Rahmenbedingungen und Erhöhungen des Fachkraft-Kind-Schlüssels nicht akzeptabel sind, als sehr zurückhaltend.
Fachlich geht die Darstellung des Aufgabenzusammenhangs von Tageseinrichtungen von einer unzutreffenden Aufgliederung aus, in dem der untrennbare Aufgabenbereich der "Förderung" von Kinder in "Erziehungs-, Bildungs- und Betreuungsangebote" aufgeteilt wird.
Mit dem Hinweis u.a. auf die notwendige Einbeziehung von Fachkräften mit Migrationshintergrund wird in zutreffender Weise nicht nur die "interkulturelle Kompetenz" der Fachkräfte selbst, sondern vor allem auch deutlich, dass die Freie Wohlfahrtspflege der Muttersprache der Kinder Bedeutung beigemisst. Damit wird den aktuellen Forderungen einiger deutscher Politiker nach der Rede des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan über die Bedeutung der Muttersprache Türkisch, nach der in Deutschland die Muttersprache grundsätzlich Deutsch sein muss/soll, ein passender Riegel vorgeschoben.
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