GEW fordert unabhängige Bildungsberichterstattung und Qualitätsagentur - Konzertierte Aktion statt föderaler Kleinstaaterei

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat Kultusminister und bildungspolitische Entscheidungsträger aufgefordert, endlich gemeinsam und koordiniert vorzugehen. Bisher hätten die Kultusminister die nach der Schulleistungsstudie PISA notwendigen Reformschritte nicht konsequent genug eingeleitet. Grundlegende strukturelle Veränderungen seien nicht angepackt worden. "Wir brauchen eine unabhängige Bildungsberichterstattung und eine unabhängige Qualitätsagentur. Anstatt des politischen Streits über die richtige Reform muss wissenschaftlicher Sachverstand gesetzt werden", verlangte GEW-Vorsitzende Eva-Maria Stange in einer ersten Reaktion auf die heute in Berlin vorgestellten Ergebnisse der OECD-Studie "Bildung auf einen Blick". "Maßnahmen der Kultusminister wie Bildungsstandards, Ganztagsschulen oder Sprachkurse zeugen von hektischer Betriebsamkeit. Die Umsetzung ist aber beliebig und wird nach politischem Standpunkt ausgelegt. Es fehlt ein gemeinsames Konzept zwischen Bund und Ländern, wo das Bildungssystem in zehn Jahren stehen soll.

14.09.2004 Pressemeldung Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft

"Die neue OECD-Studie zeigt: Deutschland bildet zu wenige Akademiker aus, zu viele junge Menschen bleiben auf der Strecke. Daran hat sich seit PISA nichts geändert", sagte Stange. Im OECD-Schnitt erreichten 32 Prozent eines Jahrgangs den Hochschulabschluss. Die Quote in der Bundesrepublik liege dagegen unverändert bei lediglich 19 Prozent. Wenn Deutschland international nicht noch weiter ins Hintertreffen geraten wolle, hilft nur eine konzertierte Aktion. "Die föderale Kleinstaaterei der Länder beschleunigt den weiteren Abstieg Deutschlands", betonte die GEW-Chefin. In der aktuellen Debatte in der Föderalismuskommission reklamierten die Länder noch mehr Zuständigkeiten für sich.

"Bildung muss im Kindergarten beginnen. In KiTa und Grundschule werden die Weichen für eine erfolgreiche Bildungslaufbahn gestellt und Lebenschancen verteilt", sagte Stange. Es sei ein "Skandal", dass in Deutschland in diesen Bildungsbereich am wenigsten Geld investiert wird. Die Größe der Lerngruppen schlösse eine individuelle Förderung fast aus. Hier liege die Wurzel für das schlechte Abschneiden der 15-Jährigen bei PISA. Im internationalen Vergleich lägen die Ausgaben für KiTa-Kinder und Grundschüler seit Jahren unter dem Schnitt.

"Besonders Kinder, die aus bildungsfernen Elternhäusern oder Migrantenfamilien kommen, werden nicht früh genug gefördert. Die Auslese im Schulsystem verstärkt die sozialen Nachteile. Der Weg ist die Bildungssackgasse ist vorgezeichnet", stellte die Gewerkschafterin fest. "So verschleudert die Gesellschaft ungeheure Potenziale." Die GEW-Chefin kritisierte scharf, dass die Lehrkräfte insbesondere in der Sekundarstufe I gezwungen würden, die Schüler ständig in die angeblich "richtige" Klasse oder Schulform einzusortieren. Der Rückgang der Zahl der Kinder in KiTas und Grundschulen müsse zur Qualitätsverbesserung genutzt werden. "Endlich bietet sich die Chance, die Mädchen und Jungen besser individuell zu fördern. Deshalb müssen wir verhindern, dass die Sparkommissare in den Finanzministerien und Kommunen Taktgeber für die Bildungspolitik werden. Nur so findet Deutschland wieder Anschluss an die internationale Entwicklung", sagte Stange.

Info: Andreas Schleicher, Koordinator für Bildung bei der OECD, Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) und Brandenburgs Kultusminister Steffen Reiche (SPD) haben heute den neuen OECD-Bericht "Bildung auf einen Blick" vorgestellt, der der deutschen Bildungspolitik ein schlechtes Zeugnis ausstellt. Die Studie erscheint jährlich und vergleicht die Bildungsentwicklung in den OECD-Ländern.


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