Reformzug nimmt Fahrt auf

Der zweite internationale PISA-Test hat die öffentliche Diskussion über die Mängel des deutschen Bildungswesens neu entfacht. Dennoch: Die Reform des Bildungswesens ist nicht nur eingeleitet, sondern der Reformzug hat jetzt auch Fahrt aufgenommen. Dass sich die Reformen auf die 2003 durchgeführte PISA-II-Studie noch nicht ausgewirkt haben, überrascht nicht.

09.12.2004 Pressemeldung Didacta Verband e.V. / Verband der Bildungswirtschaft

Der Schock über die schlechten Ergebnisse deutscher Schüler bei der Veröffentlichung der ersten PISA-Ergebnisse 2001/2002 saß aber tief und hat viel bewegt - in der Bildungspolitik, in den pädagogischen Instituten und in der Forschung. In fast allen Bundesländern sind mittlerweile umfassende Bildungsreformen eingeleitet. Mit neuen länderübergreifend verabschiedeten nationalen Bildungsstandards sollen die Ziele von Schule und Ausbildung besser und schärfer definiert und kontrolliert werden. Mit neuen Bildungsplänen wie Lehrplanreformen wurden die Unterrichtsvorgaben nach Auswertung und Kritik der PISA-Ergebnisse neu gefasst. Mit auf diese neuen Vorgaben zugeschnittenen Schulbücher und Bildungsmedien werden die Reformen nun in den Unterricht getragen: Schule in Deutschland wird gerade umfassend modernisiert und professionalisiert.

Fit für die globale Wissensgesellschaft

Nicht umsonst findet vom 28.2. bis 4.3. fünf Tage lang die didacta 2005 gerade in Stuttgart und gerade in Süddeutschland statt: Die Bundesländer Baden-Württemberg, Bayern und Hessen und auch das sozialdemokratisch regierte Rheinland-Pfalz gehören bundesweit zu den Schrittmachern bei den angelaufenen Bildungsreformen. Ihre kraftvolle Umsetzung hat in verschiedenen Bereichen begonnen: Schule soll schülergerechter, praxisnäher und schneller werden. Nicht mehr neun, sondern acht Jahre sollen fürs Abitur reichen; dabei soll die Grundschule stärker als bisher zum Lernerfolg beitragen - durch frühes Fremdsprachenlernen und eine bedarfsgerecht einsetzende Lese- und Lernförderung bei Lernschwächen. Neue Fächer und Fächerverbünde werden geschaffen, um die Vermittlung gerade auch der naturwissenschaftlich-mathematischen Fächer zu verbessern.

Dazu erhalten die Schulen mehr Freiheiten bei der Wahl des pädagogischen Weges, bei der Profilbildung, der Schulentwicklung und sogar der Stundeneinteilung. Dafür müssen sie aber in Kauf nehmen, durch landesweite zentrale Prüfungen, Vergleichs- und Diagnosearbeiten stärker bei der Zielerfüllung überprüft zu werden. Erhalt und Steigerung der Bildungsqualität heißt die Devise.

Schule zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Die eingeleitete Reform des deutschen Schulsystems ist anspruchsvoll und setzt einen langen Atem und viel Engagement bei allen Beteiligten voraus. Hier setzt die europaweit größte Bildungsmesse, die didacta 2005, in Stuttgart bewusst als Kommunikationsplattform an. Allein der Kongressbereich der Messe bietet mit mehreren Hunderten von Vorträgen, Seminaren, Podiumsdiskussionen und Demonstrationen viele Gelegenheiten zum kennen lernen neuer Unterrichtsmethoden, neuer Ideen, Modelle und Projekte. Die erwartet über 70.000 Fachbesucher denken praktisch und wollen von ihrem Messebesuch Tipps und Anregungen für den Unterricht und neue, auf die Reformen zugeschnittene Schulbücher und Bildungsmedien kennen lernen, über Reform begleitende Förder- und Sonderprogramme besser informiert werden und nicht zuletzt den Gedankenaustausch mit den Kollegen pflegen. Dabei steht nicht nur die fachliche Weiterbildung im Vordergrund: Schule ist heute immer mehr auch ein sozialer Brennpunkt, der von den Pädagogen vielfältige sozialpädagogische und psychologische Fähigkeiten und Kenntnisse verlangt - Fähigkeiten, die die Pädagogen im Studium nicht gelernt haben. Auf der didacta gibt es dazu z.B. eine Sonderschau zur "Mediation in pädagogischen Handlungsfeldern", die über Methoden der Streitschlichtung informiert und so zur pädagogischen Alltagsbewältigung beitragen kann. Viele Beispiele mehr sind im Rahmenprogramm zu finden.

Gut fördern, heißt individuell fördern

Eine gute Schule ist eine Schule, die individuell fördern kann. Die PISA-Studien haben hier eklatante Schwächen offen gelegt. Auf der didacta wird gezeigt, dass individuell in beide Richtungen gefördert werden muss: nicht nur die lernschwachen Schüler brauchen besondere Aufmerksamkeit, sondern auch die sog. hochbegabten Schüler. Auf der didacta zeigt die Sonderschau "Leistungsstarke Schulen - leistungsfähige Schülerinnen und Schüler", wie eine moderne Schulen mit Begabungen schülergerecht umgeht. In einem gleich zweitägigen Symposion (2. und 3. März) im Kongressbereich der Messe wird dagegen das heiße Eisen des "Lernens in heterogenen Lerngruppen" mit gleich neun ausgewiesenen Experten angepackt. Lange Zeit glaubte man in Deutschland aufgrund des gegliederten Schulwesens kein Problem mit Heterogenität zu haben: PISA hat auch hier für ein Umdenken gesorgt. Auf der didacta werden den Lehrern in dem Symposion aktuelle Methoden vorgestellt und Modellprojekte diskutiert. Unter dem Motto "Kinder & Stärken" veranstaltet der Verband Sonderpädagogik e.V. gemeinsam mit dem VdS Bildungsmedien e.V. eine Sonderschau, in der gezeigt wird, wie von der Vorschule bis hin zur Berufseingliederung die natürlichen Stärken von Kindern im Lernprozess gefördert werden können. Dies sind nur einige Beispiele für die vielen Veranstaltungen im Rahmenprogramm, die mit neuen Konzepten und guten Ideen Schule effektiver und freundlicher gestalten wollen.

Weitere Informationen zur "didacta" 2005 in Stuttgart sowie das Rahmenprogramm finden Sie unter: www.didacta-stuttgart.de.

Ansprechpartner

Ansprechpartner Didacta Verband e.V.
Thorsten Timmerarens
Telefon: +49 6151 3521513
E-Mail: timmerarens@didacta.de
Web: www.didacta.de


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