Verständigung über die Strategie für Lebenslanges Lernen

Die Befähigung zum Lebenslangen Lernen wird zukünftig immer stärker der Schlüssel für den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Erfolg sein. Lebenslanges Lernen muss deshalb zu einer Selbstverständlichkeit in allen Bildungsbereichen (Kindergarten, Schule, berufliche Bildung, Hochschule, Weiterbildung) werden.

05.07.2004 Pressemeldung Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung (BLK) (bis 31.12.2007)

Heute haben sich Bund und Länder in dieser für die Zukunft unseres Bildungssystem zentralen Frage auf eine gemeinsame Strategie verständigt.

Diese zeigt die Voraussetzungen für ein erfolgreiches Lebenslanges Lernen von der Förderung unserer Kinder bis einschließlich der Zeit des Ruhestandes auf. Sie stellt dar, wie das Lernen aller Bürgerinnen und Bürger in allen Lebensphasen und Lebensbereichen, an verschiedenen Lernorten und in vielfältigen Lernformen angeregt und unterstützt werden kann. Das Strategiepapier beinhaltet sowohl eine Sachstandsbeschreibung des bisherigen Entwicklungsstandes als auch realistische und auf Nachhaltigkeit angelegte Perspektiven für die Förderung Lebenslangen Lernens in Deutschland.

Das gemeinsame Strategiepapier ist in seiner Bedeutung gerade auch für den internationalen Kontext, insbesondere gegenüber EU und OECD, von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Es eröffnet sich die Chance, Pflöcke bei der Definition des Lebenslangen Lernens auch über den nationalen Bereich hinaus einzuschlagen. Deutschland dokumentiert seine Bereitschaft und Fähigkeit, das Bildungssystem zukunftsfähig zu gestalten und seinen Beitrag dafür zu leisten, dass Europa zu einer der wettbewerbsfähigsten Wissensgesellschaften der Welt wird.

Als Anlagen zum Strategiepapier werden eine Zusammenfassung, ein Bericht über die Ergebnisse einer Umfrage bei Bund und Ländern über Aktivitäten zur Förderung des Lebenslangen Lernens und einer Auflistung von good-practice-Beispielen zur Verfügung gestellt.

Die Kurzfassung des Strategiepapiers ist dieser Pressemitteilung beigefügt.

Die Papiere werden in Kürze als Heft der BLK-Materialien zur Bildungsplanung und zur Forschungsförderung veröffentlicht und sind dann unter www.blk-bonn.de im Internet abrufbar.

"Druckversion (PDF-Datei): pm23_04.pdf"

Strategie für Lebenslanges Lernen in der Bundesrepublik Deutschland

- Kurzfassung -

zum gleichnamigen Bericht der
Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung (BLK)

Ziel der Strategie "Lebenslangen Lernens" ist es darzustellen, wie das Lernen aller Bürgerinnen und Bürger in allen Lebensphasen und Lebensbereichen, an verschiedenen Lernorten und in vielfältigen Lernformen angeregt und unterstützt werden kann. Lebenslanges Lernen bezieht alles formale, nicht-formale und informelle Lernen ein. Dabei wird "Lernen" verstanden als konstruktives Verarbeiten von Informationen und Erfahrungen zu Kenntnissen, Einsichten und Kompetenzen.

Auf der Grundlage der verfassungsrechtlichen Rahmenbedingungen ist eine Strategie für Lebenslanges Lernen in der Bundesrepublik Deutschland nicht im Sinne einer "nationalen kohärenten Strategie" darstellbar, wohl aber als gemeinsam vereinbarte Strategie für Lebenslanges Lernen, die Aspekte und Zusammenhänge aufzeigt, bei denen unbeschadet der jeweiligen Zuständigkeiten weitgehend Konsens innerhalb der Länder und zwischen Bund und Ländern besteht.

Die Strategie orientiert sich sowohl an den Lebensphasen des Menschen von der frühen Kindheit bis ins hohe Alter, als auch an wesentlichen Elementen für Lebenslanges Lernen, die damit Entwicklungsschwerpunkte darstellen.

Innerhalb dieses Gerüstes werden realistische und auf Nachhaltigkeit gerichtete Perspektiven entwickelt, die auf den vorhandenen Bildungsstrukturen, Aktivitäten und Erfahrungen aufbauen und einen strukturierten Rahmen Lebenslangen Lernens abstecken, der flexibel und offen für die notwendige kontinuierliche Weiterentwicklung ist.

Entwicklungsschwerpunkte dieser Strategie sind:

  • Einbeziehung informellen Lernens
  • Selbststeuerung
  • Kompetenzentwicklung
  • Vernetzung
  • Modularisierung
  • Lernberatung
  • Neue Lernkultur/ Popularisierung des Lernens
  • Chancengerechter Zugang.

Unter den Lebensphasen Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene, Erwachsene und Ältere wird dargestellt, in welcher Weise dort diese Entwicklungsschwerpunkte relevant und damit Teil einer Strategie Lebenslangen Lernens sind.

Durch die Verknüpfung der Lebensphasen und Entwicklungsschwerpunkte wird gleichzeitig einer Versäulung der Bildungsbereiche entgegengewirkt.

In der "Kindheit" werden die Weichen für chancengerechten Zugang zu Bildung und damit für Lebenschancen gestellt. Hier werden die Grundlagen für Lebenslanges Lernen gelegt. Lernmotivation und Lernfähigkeit werden geweckt und gefördert, die Fähigkeiten des Kindes gestärkt und die Entwicklung zur eigenständigen Persönlichkeit unterstützt. Zielgruppe sind nicht nur die Kinder, sondern auch die Eltern, andere Bezugspersonen sowie das pädagogische Personal in Kindertageseinrichtungen und Grundschulen. Wesentlich sind in dieser Lebensphase z.B. Umfang und Qualität informellen Lernens, die Kompetenzentwicklung auf der Grundlage neuer Erziehungs- und Bildungspläne, die Vernetzung (Kindergärten, Schulen, Eltern, Einrichtung der Jugendhilfe und Jugendarbeit), die Lernberatung vor allem der Eltern.

Bei "Jugendlichen" überwiegen schulisch strukturierte Lernprozesse. Fremdorganisierte Lernangebote und die Pflicht zum Lernen prägen deren Lebensabschnitt. Besonders wichtig ist Kompetenzentwicklung, d.h. dass die Schule über Fachkompetenz hinaus Basiskompetenzen wie Lern-, Handlungs-, Sozialkompetenz, personale Kompetenzen und Teamfähigkeit vermittelt. Leistungsanforderungen und Abschlüsse werden z.B. durch Bildungsstandards vergleichbar gemacht. Wesentlich ist auch die Fähigkeit, selbstorganisiertes Lernen zu vermitteln und selbständiges Lernen einzuüben (Selbststeuerung). Zu nennen sind außerdem die Lernberatung als Hilfe bei Lernproblemen und zur Orientierung für die Schule und Berufslaufbahn sowie die Entwicklung einer neuen Lernkultur, die den Schulen einen größeren Raum für eigene Entscheidungen und zur Profilbildung gibt. Durch eine Vielzahl von Fördermaßnahmen wird chancengerechter Zugang gewährleistet.

Wesentlich in der Lebensphase "Junger Erwachsene", die mit dem Eintritt in die Arbeitswelt einschließlich der beruflichen Erstausbildung beginnt und mit der Aufnahme einer geregelten Berufstätigkeit endet, sind insbesondere die Einbeziehung informellen Lernens, die Selbststeuerung, die Kompetenzentwicklung (soziale, berufliche, kulturelle und persönliche) und die Dokumentation informell erworbener Kompetenzen. Die Vernetzung erfolgt vor allem zwischen Schulen, Betrieben, Hochschulen, Verbänden, Arbeitsvermittlung und Weiterbildungseinrichtungen. Durch Modularisierung des Angebots wird eine zielgerichtet Erweiterung der individuellen Fertigkeiten ermöglicht und der chancengerechte Zugang verbessert. Die Lernberatung spielt in Form von Ausbildungs-, Studien- und Weiterbildungsberatung eine wichtige Rolle. Die Neue Lernkultur ist hier geprägt durch Praxisnähe und Transferorientierung. Wichtig ist, dass junge Erwachsene den Übergang ins Erwerbsleben nicht als Abschluss des Lernens, sondern als Zwischenstation begreifen.

Die zunehmend von Veränderungen und teilweise von Brüchen bestimmte Lebensphase von "Erwachsenen" macht die Notwendigkeit Lebenslangen Lernens besonders deutlich. Sie sind durch die intensive Einbindung in Beruf und Familie in hohem Maße zeitlich beansprucht. Daher sind hier vor allem selbststrukturierbare Angebote (Selbststeuerung) bedeutsam. Die in Familie, im Prozess der Arbeit und in der Freizeit durch informelles Lernen erworbenen Qualifikationen werden durch Dokumentation und Anerkennung verwertbar. Modularisierung ermöglicht den schrittweisen Aufbau individueller Kompetenzprofile. Kompetenzentwicklung in personaler, sozialer und beruflicher Hinsicht können mit Hilfe der Angebote der allgemeinen, beruflichen und politischen Weiterbildung kann weiter entwickelt werden.

Die Lebensphase "Ältere" umfasst Erwachsene, die sich in der Regel in einem Alter nur noch wenige Jahre vor oder bereits im Ruhestand befinden. Die Bedeutung formalen Lernens nimmt ab; die Lernenden haben eine größere Freiheit, selbst zu bestimmen, ob, wie und wofür sie lernen (Selbststeuerung). Der Erwerb oder der Erhalt von Selbstständigkeit und Selbstbestimmung auch im höheren Lebensalter ist eine wesentliche Zielsetzung Lebenslangen Lernens in dieser Lebensphase. Bei der Kompetenzentwicklung kommt es weniger auf die Neuentwicklung von Fertigkeiten und Fähigkeiten an, sondern mehr auf den Erhalt vorhandener. Das Lernen Älterer übernimmt auch kompensatorische Funktionen, insbesondere für die späte Berufs- bzw. Arbeitsphase, den Ausstieg aus dem Arbeitsleben und den Ausgleich von Defiziten. Gleichzeitig erwerben Ältere neue Kompetenzen, um Erfahrungen und Wissen weiterzugeben oder um ehrenamtliche Funktionen ausüben zu können. Der Abbau alterspezifischer Barrieren in vorhandenen Bildungsangeboten ist Voraussetzung für einen chancengerechten Zugang zum Lebenslangen Lernen auch für Ältere.

Es bleibt die Aufgabe der zuständigen Akteure in den Ländern und im Bund, den Rahmen, der mit diesem Strategiepapier abgesteckt ist, je nach ihren bildungspolitischen Schwerpunktsetzungen auszufüllen. Die Verabschiedung des Berichts in der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung zeigt, dass die Verantwortlichen bereit sind, die Weiterentwicklung des Bildungswesens in der Bundesrepublik Deutschland offensiv zu betreiben.


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