Vorläufige Ergebnisse der Sprachstandsfeststellung 2008

Mehr als drei Viertel der 161.000 in zwei Jahren schulpflichtigen Kinder sind in der Sprachkompetenz altersgemäß entwickelt. Rund 36.000 Kinder bedürfen einer zusätzlichen Sprachförderung im Kindergarten, damit sie ihre Sprachkenntnisse verbessern bzw. mögliche Entwicklungsverzögerungen wettmachen können. Das ist das vorläufige Ergebnis des landesweiten Sprachtests "Delfin 4" für Kinder im Alter von vier Jahren, der in diesem Frühjahr zum zweiten Mal durchgeführt wurde. "Wir sorgen dafür, dass Kinder mit einer nicht altersgemäßen Sprachentwicklung bessere Bildungschancen erhalten, wenn sie in zwei Jahren in die Schule kommen", sagte heute (7. August 2008) Schulministerin Barbara Sommer.

07.08.2008 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen

Nordrhein-Westfalen ist das einzige Land, das alle Kinder bereits zwei Jahre vor der Einschulung daraufhin überprüft, ob ihre Sprachentwicklung altersgemäß ist und ob sie die deutsche Sprache hinreichend beherrschen. Stellt sich dabei bei einem Kind ein zusätzlicher Sprachförderbedarf heraus, wird es zwei Jahre vor der Einschulung durch zusätzliche Förderangebote in Kindertageseinrichtungen in seiner Sprachkompetenz und der Beherrschung der deutschen Sprache unterstützt. Die Landesregierung stellt dafür 340 Euro pro Kind pro Jahr bereit. In diesem Kindergartenjahr sind dies insgesamt 28 Millionen Euro.

Mit dem zum 1.8.2008 in Kraft getretenen neuen Kinderbildungsgesetz hat die Landesregierung die Sprachförderung in Kindertageseinrichtungen als Bildungsauftrag gesondert verankert und die Finanzierung der zusätzlichen Sprachförderangebote erstmals auch gesetzlich geregelt. "Wir haben hier klare Regelungen geschaffen. Die frühe Förderung unserer Kinder ist auch eine Investition in die Zukunft unseres Landes", so Minister Armin Laschet.

Den Eltern von Kindern, bei denen Sprachförderbedarf festgestellt wurde und die bis jetzt noch keinen Kindergarten besuchen, wird geraten, ihr Kind in einer Tageseinrichtung für Kinder anzumelden. Viele Eltern haben dies bereits getan. Dies ist auch ein Grund dafür, warum in diesem Jahr mehr Kinder in diesem Alter eine Tageseinrichtung besuchen als in den vergangenen Jahren und dort eine qualifizierte Sprachförderung erhalten.

Erzieherinnen und Erzieher, die vor allem erstmalig Kinder mit zusätzlichem Sprachförderbedarf in der eigenen Einrichtung zu fördern haben, konnten an Fortbildungsangeboten teilnehmen, die im Auftrag des Kinder- und Jugendministeriums in den letzten Monaten durchgeführt wurden. Mehr als 3.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben diese Angebote genutzt.

Die Sprachförderung ist auch zentrales Thema eines Weiterbildungsangebotes, das die Berufskollegs für berufstätige Erzieherinnen und Erzieher zum neuen Schuljahr anbieten. Der 600 Unterrichtsstunden umfassende, modular aufgebaute Aufbaubildungsgang nimmt Bezug auf den "Delfin 4"-Test und stellt den Zusammenhang zur aktuellen Entwicklung der Sprachdiagnostik und Sprachförderung her. Hiermit wird ein wichtiger Beitrag zur Professionalisierung der Sprachförderung durch die Erzieherinnen und Erzieher geleistet.

Laschet: "Mir ist es wichtig, dass wir auch die Ausbildung unserer Fachkräfte immer weiter den Anforderungen der Praxis anpassen. Nur so kann eine optimale Förderung unserer Kinder erreicht werden. Ich freue mich, dass auch die Zusammenarbeit zwischen den Kindertageseinrichtungen und den Grundschulen deutlich besser geworden ist. Beide Seiten haben hieran einen erheblichen Anteil."

Nach dem ersten Durchgang des landesweiten Sprachtests im vergangenen Jahr wurde das zweistufige Verfahren der Sprachstandsfeststellung aufgrund der gemachten Erfahrungen mit allen Beteiligten überarbeitet. Die Veränderungen bezogen sich vor allem auf das Instrument und eine effizientere Handhabung. Auch wurde die Rolle der Erzieherinnen gestärkt.

Deshalb konnte in diesem Jahr – anders als in 2007 – bereits in der ersten Stufe des Sprachstandstests festgestellt werden, dass Kinder eine zusätzliche pädagogische Sprachförderung benötigen, wenn das Testergebnis entsprechend war und die Erzieherinnen und Erzieher diese Einschätzung teilten. Diese Kinder mussten nicht erneut mit dem aufwändigeren Einzeltest der zweiten Stufe überprüft werden. So konnte der Aufwand für die zweite Stufe deutlich reduziert werden. Im vergangenen Jahr war nach Abschluss des Verfahrens bei rund 30.500 von 178.000 Kindern ein zusätzlicher Sprachförderbedarf festgestellt worden. Die Veränderungen sind bei den Beteiligten auf große Akzeptanz gestoßen.

Das führte dazu, dass die Sprachstandsfeststellung in diesem Jahr deutlich ruhiger, unaufgeregter und routinierter ablief. Gleichwohl werden die Erfahrungen, die bei diesem Durchgang gemacht werden, ausgewertet, sodass im nächsten Jahr bei Bedarf Anpassungen vorgenommen werden können.


Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden