Zöllner: Berliner Schulen quantitativ und qualitativ gestärkt
Bildungssenator Prof. Dr. E. Jürgen Zöllner: "Wir beginnen das neue Schuljahr in der Hoffnung, dass die personelle Ausstattung der Berliner Schulen so gut ist, dass sich die Lehrerinnen und Lehrer vom ersten Tag an ihrer anspruchsvollen und wichtigen Aufgabe widmen können. Diese Hoffnung ist mehr als berechtigt: Denn mit vielen neuen jungen Lehrkräften sowie mit transparenteren und faireren Zumessungsregeln haben Senat und Parlament entscheidende Schritte getan, um die Schulen quantitativ und qualitativ zu stärken. Zudem haben wir mit der neuen Lehrkräftefeuerwehr ein zusätzliches Instrument, um auf unvorhergesehene Ereignisse rasch reagieren zu können."
27.08.2008 Berlin Pressemeldung Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung1. Die wichtigsten Nachrichten
1.1. Personelle Verstärkung der Schulen
Mit insgesamt 816 Einstellungen im Jahr 2008 haben wir die Rahmenbedingungen für alle Schulen verbessert, Schülerinnen und Schüler bestmöglich zu fördern. Die personelle Ausstattung der Berliner Schulen war auch schon bisher im deutschlandweiten Vergleich gut. Zum neuen Schuljahr werden die Schulen mit 326 zusätzlichen Lehrkräften und fast 200 zusätzlichen Erzieherstellen noch einmal deutlich gestärkt. Auf Basis der Systematik des Schuljahres 2006/2007 beträgt die Ausstattung im Schuljahr 2008/2009 insgesamt 107 Prozent.
1.2. Transparente und zielgenauere Verteilung von Lehrkräften
Die Regeln zur Verteilung von Lehrkräften in Berlin waren bislang zu kompliziert, zu wenig transparent und deshalb für einige Schulen sehr ungerecht. Mit einem neuen Zumessungsmodell wird das Land für mehr Transparenz, Flexibilität und Gerechtigkeit in den Berliner Schulen sorgen. Zum neuen Schuljahr ändert sich im einzelnen:
- Klassenfaktor sichert Unterricht
Bisher haben die Schulen über feste Schülerfaktoren für jeden Schüler einen festen Satz an Lehrerstunden bekommen. Insbesondere in denjenigen Grundschulen, in denen nur sehr kleine Klassen gebildet werden konnten, führten diese Schülerfaktoren dazu, dass der Pflichtunterricht (Stundentafel plus Förderunterricht) nicht abgedeckt werden konnte.
Zum Schuljahr 2008/2009 wird ein Klassenfaktor eingeführt: Bis zu einer Klassengröße von 24 Schülern erhält jede Klasse so viele Lehrerstunden, dass der Pflichtunterricht und zwei Förderstunden gewährleistet sind. Ab einer Klassenfrequenz von 24 Schülerinnen und Schülern erhält die Klasse für jeden zusätzlichen Schüler eine halbe Lehrerstunde extra.
- Problembezogene, einheitliche Strukturförderung
Den größten Sprachförderbedarf haben Schülerinnen und Schüler, bei denen Migrationsprobleme und Bildungsferne zusammentreffen. Aber auch immer mehr Kinder aus bildungsfernen deutschen Familien haben Sprachprobleme. Bisher standen zur Sprachförderung insgesamt 1087 Lehrerstellen zur Verfügung. Ob 40 Prozent oder 99 Prozent: Jede Schule mit mehr als 40 Prozent Kindern nichtdeutscher Herkunftssprache (ndH) hat einen gleichgroßen Teil von 322 Stellen bekommen - d. h. nur 30 Prozent der Stellen wurden regelgebunden vergeben. Die anderen 765 Stellen wurden von der Schulaufsicht freihändig den Schulen zugewiesen. Die Folge war, dass Schulen mit identischer Schülerstruktur (Migration, soziale Struktur) historisch gewachsen völlig unterschiedliche Ausstattungen bekamen.
Die Neuregelung der Sprach- und Strukturförderung sieht vor:
- Zusätzlich zu Kindern ndH werden nunmehr auch Kinder gefördert, deren Eltern nichts für Lernmittel zuzahlen müssen. Von den insgesamt fast 97 000 "lernmittelbefreiten" Kindern gehen zwei Drittel auf eine Schule mit einem Anteil von mindestens 40 Prozent Kindern mit einer Bildungsbenachteiligung.
- Zur Förderung dieser zusätzlichen Gruppe werden die Mittel um 109 auf insgesamt 1196 Stellen aufgestockt.
- Dreiviertel der Stellen verteilen wir ab dem Schuljahr 2008/2009 über eine problembezogene, berlinweit einheitliche Regel: 892 Stellen erhalten Schulen mit einem mindestens 40prozentigen Anteil an bildungsbenachteiligten Kindern.
- Je höher der Anteil, desto mehr Förderstunden bekommt die Schule.
- Kinder ndH, deren Eltern nichts für Lernmittel zuzahlen können, erhalten die doppelte Förderung.
Profilbildung wird fortgesetzt
Hinzu kommen insgesamt rund 800 Lehrerstellen für die Schulen zur Realisierung ihrer pädagogischen Profile (z. B. Musik, Sport, Sprache). Alle bisherigen Zuweisungen für Profile (rund 450 Stellen) bleiben erhalten. Rund 350 Stellen werden über einen schulartabhängigen Schülerfaktor an die Schulen zur weiteren Profilbildung verteilt.
1.3. Schnelle Hilfe durch Vertretungsfeuerwehr
Besonders wichtig ist, dass wir zum neuen Schuljahr für eine Vertretungsfeuerwehr 140 Lehrkräfte einstellen. Damit können wir schon von Beginn an Lehrkräfte ersetzen, wenn sie z. B. kurzfristig erkranken. Ihre Einsatzschulen werden anhand konkreter Anforderungen der Schulen bestimmt. Wir wollen die Unterrichtsversorgung vom ersten Schultag an sichern. Außerdem binden wir damit viele gute Nachwuchskräfte an die Berliner Schule.
Die dreiprozentigen Personalkostenbudgets (PKB) bleiben den Schulen erhalten. Das PKB-Verfahren ist insgesamt deutlich erleichtert worden.
1.4. Stärkung der gebundenen Ganztagsgrundschulen
Im Schultag der gebundenen Ganztagsgrundschulen wechseln Unterricht und Betreuung im Rhythmus. Um die Chancen dieser Rhythmisierung auszuschöpfen, müssen Lehrkräfte und Erzieher sehr eng zusammenarbeiten. Um diese Zusammenarbeit zu verbessern, erhält jede Klasse an einer gebundenen Ganztagsgrundschule zusätzliche Erzieherstunden: In der flexiblen Schulanfangsphase jeweils eine Dreiviertelstelle und in den anderen Klassen jeweils eine halbe Stelle. Dafür werden Mittel im Umfang von insgesamt 70 Vollzeiterziehern zur Verfügung gestellt.
1.5. In 70% der Grundschulen lernen Kinder jahrgangsübergreifend
265 (70%) der 379 öffentlichen Grundschuleinrichtungen (davon zehn Sonderschulen und zwei Grundstufen an Gesamtschu¬len) werden in der Schulanfangsphase die Jahrgänge mischen. Wir halten an dem Ziel fest, sobald wie möglich an allen Berliner Grundschulen jahrgangsgemischte Lerngruppen einzuführen. Dafür müssen die personellen und räumlichen Voraussetzungen stimmen. Um eine gute Ausstattung mit Lehrerinnen und Erzieherinnen zu gewährleisten, erhält jede jahrgangsgemischte Klasse in der Schulanfangsphase im Schuljahr 2008/2009
- zwei zusätzliche Lehrerstunden (pro Woche), an deren Stelle die Schule auch Mittel für drei Erzieherwochenstunden oder Pro¬jektmittel in Höhe von 3.200 Euro in Anspruch nehmen kann, sowie außerdem
- Mittel in Höhe von vier Erzieherwochenstunden.
- Insgesamt stehen Mittel in Höhe von umgerechnet 120 Vollzeiterziehern zusätzlich zur Verfügung.
Trotzdem gibt es Schulen, die auf das jahrgangsübergreifende Lernen noch nicht ausreichend vorbereitet sind, weil z. B. noch Lehrer fortgebildet oder Räume umgebaut werden müssen. Mit diesen Schulen wird die Schulaufsicht im Laufe der nächsten Monate konkret vereinbaren, wie und wann sie die Jahrgangsmischung einführen und was dafür noch getan werden muss.
1.6. Vorschulische Sprachförderung verdoppelt
Ab September 2008 beginnt eine einjährige verbindliche Sprachförderung aller Kinder, die ein Jahr vor ihrer Einschulung noch nicht ausreichend deutsch sprechen können. Damit ist der Umfang der vorschulischen Sprachförderung (vorher: sechs Monate) "verdoppelt" worden.
1.7. 11 Gemeinschaftsschulen starten
Im Schuljahr 2008/2009 starten elf Schulen und Schulverbünde in die Pilotphase der Gemeinschaftsschule. Durch die gemeinsame Unterrichtung aller Kinder, unabhängig von ihren persönlichen und sozialen Voraussetzungen, sollen für alle Kinder bessere Lernchancen geschaffen werden. Die Schulen sind durch das Qualifizierungsprogramm im letzten halben Jahr auf die Arbeit als Gemeinschaftsschule vorbereitet worden.
1.8. Früherkennung von Kindern mit sozialpädagogischem Förderbedarf
Seit dem Schuljahr 2005/2006 beginnen alle Kinder in dem Jahr die Schule, in dem sie sechs Jahre alt werden. Die bisherigen Erfahrungen bestätigen den integrativen Ansatz, Kinder mit und ohne sonderpädagogischem Förderbedarf gemeinsam zu unterrichten und zu fördern.
Die Schulen haben aber auch die Erfahrungen gemacht, dass sich die Startchancen von Kindern mit erheblichem kognitiven Entwicklungsrückstand oder gravierenden Auffälligkeiten in der emotionalen und sozialen Entwicklung z. B. durch ein zusätzliches Jahr sozialpädagogischer Förderung in einer Kita deutlich verbessern lassen. Um die individuellen Lernchancen dieser Kinder durch eine kontinuierliche Förderung in einer Kita zu verbessern, kann die regionale Schulaufsicht nach einer Einzelfallprüfung diese Kinder von der Schulbesuchspflicht für ein Jahr befreien. Die Schulärzte können beratend hinzugezogen werden.
Mit dem neuen Schuljahr kann der Lern- oder emotional-soziale Förderbedarf eines Kindes schon vor oder unmittelbar nach der Einschulung festgestellt werden. Diese Kinder können dann im gemeinsamen Unterricht (mit einer zusätzlichen Unterstützung von ca. 2,5 Lehrerstunden pro Woche), in temporären Lerngruppen an einer Grundschule oder einem sonderpädagogischen Förderzentrum gefördert werden. Für die Zeit der Förderung an einem sonderpädagogischen Förderzentrum bleiben sie Schülerinnen und Schüler ihrer Grundschule.
1.9. Förderung von Schulessen an allen Berliner Grundschulen
Ab dem Schuljahr 2008/2009 bezuschusst das Land Berlin das Schulessen an den 64 gebundenen Ganztagsgrundschulen. Davon profitieren rund 19 000 Schülerinnen und Schüler. Bereits seit 2005/2006 bezuschusst das Land das Mittagessen der 55 000 Schülerinnen und Schüler an den 315 offenen Ganztagsgrundschulen, die nach 13:30 Uhr in den Hort gehen.
Das Land hat den Bezirken im Doppelhaushalt 2008/2009 3,8 Millionen Euro jährlich für die Essenszuschüsse zur Verfügung gestellt. Das entspricht einem Zuschuss von 17 Euro pro Kind und Monat. Sollte wegen einer besonderen zeitlich begrenzten Notlage eine Familie den Eigenbetrag von rund 23 Euro nicht selbst finanzieren können, kann der Schulleiter aus den Mitteln des Härtefallfonds Schulessen die Kosten an den Caterer überweisen. Für diesen Härtefallfonds stehen im Doppelhaushalt 2008/2009 jährlich 413.000 Euro zur Verfügung.
1.10. Neue Jugendsozialarbeitsprojekte an allen Grund- und beruflichen Schulen
Das Programm Jugendsozialarbeit an Haupt- und Sonderschulen wird ab dem Jahr 2009 schrittweise auf alle Grund- und beruflichen Schulen ausgeweitet. Ziel ist der Aufbau von verbindlichen Kooperationen zwischen Schulen und freien Trägern der Jugendhilfe. Dafür stehen für das Jahr 2009 für die Grundschulen 1,2 Millionen Euro und für die beruflichen Schulen 286.000 Euro zur Verfügung. Das Konzept und die Kriterien für die neuen Programme werden zur Zeit erarbeitet.
2. Die wichtigsten Zahlen, Daten und Fakten
2.1. Schüler
Die Bildungsverwaltung muss die Anzahl von Schülerinnen und Schülern im Schuljahr 2008/2009 derzeit prognostizieren. Auf Basis der Meldedaten konnten wir mit diesem Prognoseverfahren in den vergangenen Jahren die gesamte Schüleranzahl in Berlin punktgenau schätzen. Zur optimalen Verteilung von Lehrkräften ist es jedoch notwendig, die tatsächliche Schüleranzahl an jeder einzelnen Berliner Schule zu kennen. Auf Grund z. B. von Doppelanmeldungen gaben die Schulen jedoch in den letzten Jahren jeweils zwei Prozent Schüler zuviel an. Das entspräche in diesem Schuljahr 6000 Schülerinnen und Schüler und umgerechnet 400 Klassen zuviel. Diese durchschnittlich kleinen – aber in Einzelschulen erheblichen – Abweichungen sollen ab dem kommendem Schuljahr durch eine neue integrierte Schülerdatenbank deutlich verringert werden.
Wir prognostizieren für das Schuljahr 2008/2009 an den öffentlichen allgemein bildenden Schulen 299 708 Schülerinnen und Schüler. Das sind 5572 (oder -1,8%) weniger als im Schuljahr 2007/2008 (305 280). Darunter sind rund 24 500 Schulanfänger.
An allen öffentlichen und privaten allgemein bildenden Schulen dürften insgesamt 323 912 Schülerinnen und Schüler starten. Im Vorjahr waren es noch 328 380.
2.2. Lehrer
- Einstellungen
Insgesamt werden an den öffentlichen allgemein bildenden Schulen im Schuljahr 2008/2009 rund 29 500 Lehrerinnen und Lehrer unterrichten.
Im Jahr 2008 werden insgesamt ca. 760 Lehrer ausscheiden (ca. drei Prozent des Lehrkräftebestands). Bei einem Schülerrückgang von fast zwei Prozent können wir schon mit 350 Einstellungen den Status Quo der Lehrkräfteausstattung sichern. Insgesamt hat aber das Land 676 Einstellungen sowie weitere 140 Neueinstellungen für die Vertretungsfeuerwehr vorgenommen - zusammen 816. Mit den 326 zusätzlichen Einstellungen haben wir die ohnehin gute Lehrkräfteausstattung der Berliner Schulen noch einmal deutlich verbessert. Diese "demographische Rendite" kommt unmittelbar der Qualitätsverbesserung in den Schulen zugute.
In den ersten Schulwochen werden wir die konkrete Schüleranzahl in jeder einzelnen Schule abfragen. Danach werden wir die Ausstattungen der Einzelschulen veröffentlichen.
- Langzeitkranke Lehrkräfte
Im Juli 2008 waren 1270 Lehrkräfte (4,3 Prozent der gesamten Lehrkräfteausstattung) wegen Langzeiterkrankungen, Schwangerschaften und Mutterschutz länger als drei Monate nicht verfügbar. Diese Lehrkräfte werden den Schulen seit dem Schuljahr 2007/2008 nicht mehr angerechnet. - Umsetzungen
Zum Schuljahr 2008/2009 sind mit Stand 19.08.2008 1396 Lehrkräfte von einer Schule an eine andere umgesetzt worden. Bei rund 800 öffentlichen allgemein bildenden und beruflichen Schulen sind das weniger als zwei Lehrkräfte pro Schule. - Referendare
Zum Schuljahresbeginn gibt es an den öffentlichen Schulen 1700 Referendare. Das sind 200 mehr als in den Vorjahren.
2.3. Schulen
Im Schuljahr 2008/2009 wird es 716 öffentliche allgemein bildende Schulen geben und 103 allgemein bildende Schulen in freier Trägerschaft.
- Neu eröffnet werden zum Schuljahr die 42. und die 43. Grundschule in Pankow.
- Geschlossen werden: Der Hauptschulteil der ehemals verbundenen Albrecht-Haushofer-Oberschule in Reinickendorf, das Gymnasium am Elsengrund in Marzahn-Hellersdorf, die Jean-Paul-Sonderschule in Mitte, die Schwielowsee-Grundschule in Tempelhof-Schöneberg sowie die Leistikow-Hauptschule in Steglitz-Zehlendorf.
- Es fusionieren in Lichtenberg die Fritz-Reuter-Gesamtschule und die Oskar-Schindler- Gesamtschule sowie das Georg-Forster-Gymnasium und das Immanuel-Kant-Gymnasium. In Marzahn fusionieren das Leonard-Bernstein-Gymnasium und das Max-Reinhardt-Gymnasium sowie die Karl-Ferdinand-Braun-Hauptschule und die Felix-Wankel-Hauptschule.
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