Gastbeitrag

Das Konzept muss stimmen

Die digitale Ausstattung an Schulen ist in Deutschland noch lange nicht ­ausreichend. Mit fünf Milliarden Euro will Bildungsministerin Johanna Wanka das nun ändern. Aber: Ohne schlüssiges Konzept der Länder kein Geld vom Bund. Ein Interview von Tina Sprung

20.03.2017 Bundesweit Artikel didactaDIGITAL - Aktuelles rund ums Lehren & Lernen mit neuen Technologien
  • © Bundesregierung/Steffen Kugler Prof. Dr. Johanna Wanka (CDU), ­Bundesministerin für Bildung und Forschung, kündigte im Oktober den „DigitalPakt#D“ an. Mit dem Pakt will sie die Schulen bei der digitalen Bildung finanziell unterstützen.

didacta digital: Fünf Milliarden Euro will der Bund in den nächsten fünf Jahren in die Digitalisierung der Schulen investieren. Nach welchen Kriterien verteilen Sie das Geld an Schulen?

Johanna Wanka: Wir sind noch im Januar in die Gespräche mit den Ländern eingestiegen und wollen eine entsprechende Bund-Länder-Vereinbarung erarbeiten. Dabei wird auch die Frage der Kriterien für die Verteilung der Mittel aufgerufen. Dem kann ich natürlich nicht vorweggreifen. Aber für den Bund ist klar, dass es kein Geld ohne schlüssiges Konzept geben kann. Wir verfolgen daher mit dem „DigitalPakt#D“ einen strategischen Ansatz: Es geht nicht darum, Schulen mit digitalen Endgeräten zu überschwemmen. Wir wollen keine Investitionsruinen, die immer dann entstehen, wenn Ausstattung, Konzept und Lernkultur nicht zueinander passen. Es geht mir um nachhaltige und strukturbildende Maßnahmen, digitale Technik als Teil pädagogischen Handelns.

Was versprechen Sie sich von dem Digitalpakt „DigitalPakt#D“?

Die Bildungspolitik steht vor der Aufgabe, den Menschen das ­Rüstzeug für das Handeln in der digital geprägten Welt mitzugeben und sie auf die Anforderungen der Arbeitswelt gut vorzubereiten. Dazu bedarf es einer digitalen Bildung. Das bedeutet einerseits digitale Kompetenzen zu vermitteln, also der Fähigkeit zur fachkundigen und verantwortungsvollen Nutzung digitaler Medien. Zum anderen beinhaltet digitale Bildung das Lernen mit digitalen Medien. Die Schule ist dafür zentral, weil hier die Grundlagen für die ganze Bildungskarriere gelegt werden. Deshalb müssen die Schulen deutschlandweit schnell in die Lage versetzt werden, digitale Bildung zu vermitteln. Mit dem „DigitalPakt#D“ könnten Bund und Länder dies mit vereinten Kräften tun.

Was bringt es, wenn Schulen mit Whiteboards und Laptops ausgestattet sind, die Lehrkräfte die Medien aber nicht nutzen ­(können)?

Technik und Ausstattung sind kein Selbstzweck, es gilt das Primat der Pädagogik. Beides muss aber zusammengedacht werden. Mit meinem Vorschlag des „DigitalPakt#D“ werden wir das auch so angehen: Der Bund fördert die Ausstattung mit digitaler Infra­struktur und im Gegenzug verpflichten sich die Länder, digitale Bildung zu realisieren, also die entsprechenden päda­gogischen Konzepte umzusetzen und insbesondere auch die Lehrerbildung anzupassen. Alle Experten sind sich einig, dass gut ausgebildete und digital kompetente Lehrerinnen und Lehrer das A und O für gute digitale Bildung in der Schule sind. Deshalb finde ich es auch so wichtig, dass Bund und Länder bei diesem entscheidenden Thema Hand in Hand arbeiten. Und aus diesem Grund ist die Anpassung der Lehreraus- und -fortbildung eines der Kernelemente unseres Paktes.

Wie kann das Bildungsministerium sicherstellen, dass das gelingt?

Die Grundidee des „DigitalPakt#D“ ist es, dass Bund und Länder gemeinsam an einem Strang ziehen, damit in den Schulen gute digitale Bildung stattfinden kann. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir das zügig vereinbaren werden: Die Länder haben genauso wie der Bund ein Interesse, die Schulen fit für das digitale Zeitalter zu machen. Und sie haben sich mit ihrer Strategie „Bildung in der digitalen Welt“ explizit zum Ziel gesetzt, digitale Bildung in der Schule zu realisieren, inklusive der Lehrerausbildung und der pädagogischen Konzepte.

 

Die Kultusministerkonferenz hat in ihrem Strategiepapier ­„Bildung in der digitalen Welt“ fünf Handlungsfelder festgelegt:

  1. Die Länder verankern in den Bildungsplänen die digitale Medienkompetenz als ­Bildungsziel.
  2. Bund und Länder bauen gemeinsam eine digitale ­Infrastruktur auf.
  3. Die Länder sollen genügend Aus- und Fortbildungsprogramme für Lehrkräfte erarbeiten. Die rechtlichen Fragen klären Bund und ­Länder gemeinsam.
  4. Die Länder arbeiten mit Software-Entwicklern und Schulbuchverlagen für geeignete Lernprogramme besser ­zusammen.
  5. Schulverwaltungssoftware und Lernplattformen sollen besser miteinander verbunden ­werden.

 

Dieser Beitrag wurde zuerst veröffentlicht in:

didactaDIGITAL – Aktuelles rund ums Lehren & Lernen mit neuen Technologien, Ausgabe 1/2017  www.didacta-magazin.de


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