Inklusion

Regieren an der Realität vorbei

Im Inklusionsprozess übersteigt der Bedarf die tatsächliche Zahl der Förderschullehrer bei weitem. Folge: Die Sonderpädagogen reiben sich auf.

27.05.2016 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung lehrer nrw
  • © www.pixabay.de

Unter den zahlreichen Mängeln, mit denen der Inklusionsprozess in NRW behaftet ist, kristallisiert sich die Rolle der Förderschullehrer zunehmend als eines der gravierendsten Probleme heraus. Der eklatante Mangel an Lehrkräften mit sonderpädagogischem Hintergrund führt dazu, dass Förderschullehrer regelrecht herumgereicht werden. In Personalversammlungen berichten Förderschullehrer, dass sie teilweise an bis zu fünf (!) Regelschulen abgeordnet sind, um dort inklusiv arbeitende Klassen zu unterstützen. „Diese Flickschusterei führt dazu, dass ein qualitativ hochwertiger inklusiver Unterricht vielerorts nicht stattfinden kann. Für die betroffenen Förderschullehrer ist die Situation hochgradig unbefriedigend. Sie haben keine schulische Heimat mehr und gehören zu keinem Kollegium richtig dazu. Gemeinsame Absprachen und ein kontinuierliches Arbeiten zwischen Regel- und Förderschullehrern sind unter diesen Umständen unmöglich“, kritisiert Brigitte Balbach, Vorsitzende von lehrer nrw.

Expertenmeinungen und Umfrageergebnisse, die zum Beispiel den Erhalt der Förderschulen und eine Doppelbesetzung aus Fachlehrer und Sonderpädagoge in allen Inklusions-Klassen fordern, ignoriert Schulministerin Sylvia Löhrmann beharrlich. Dieses Muster zeigt sich übrigens auch in anderen schulpolitischen Themen, jüngst etwa beim Lehrerausbildungsgesetz, das trotz massiver Kritik in einer Expertenanhörung nahezu unverändert durch Schulausschuss und Parlament gepaukt wurde. „Die Ministerin gibt sich gern gesprächs- und verhandlungsbereit, sie ist es aber de facto nicht. So regiert Rot-Grün an der Realität – und damit an Schülern, Eltern und Lehrern – vorbei“, so Balbach.

Ansprechpartner

lehrer nrw

Mehr zum Thema


Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden