Schuljahr 2005/06 im Zeichen der Qualitätsentwicklung an brandenburgischen Schulen: Visitationsteams starten, Lernstandsanalysen in der 1. Jahrgangsstufe, jede fünfte Schule im Land mit Ganztagsangebote

"Unser Ziel bleibt weiter, die Qualitätsentwicklung an unseren Schulen voranzutreiben", sagt Bildungsminister Rupprecht. "Wir haben in den vergangenen Jahren erhebliche Fortschritte in der Steigerung der Qualität des Bildungswesens im Land Brandenburg erreicht. Zentrale Prüfungen wurden eingeführt, Rahmenlehrpläne mit mehr Verbindlichkeit entwickelt und flächendeckend Schulen mit Computern ausgestattet. Vergleichsarbeiten in der 2. und 4. Klasse belegen, dass unsere Grundschüler mit Kindern in Bayern oder NRW gleichauf sind. In PISA holen wir auf. Durch das Zentralabitur braucht keiner mehr an der Qualität des brandenburgischen Abiturs zu zweifeln."

03.08.2005 Brandenburg Pressemeldung Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg

Die Neuerungen im Einzelnen:

Frühere Einschulung

Erstmalig beginnt in diesem Jahr für brandenburgische Kinder, die bis zum 30. September das sechste Lebensjahr vollenden, am 1. August die Schulpflicht. Bislang wurden alle Kinder schulpflichtig, die bis zum 1. Juli eines Jahres das sechste Lebensjahr vollendeten. Die Eltern wurden über die Änderungen zum Einschulungsstichtag informiert. Ihnen wurden insbesondere die Gründe und Vorteile eines früheren Einschulungsalters erläutert, zudem wie sich Grundschulen darauf einstellen. Etwa 21.500 künftige brandenburgische Erstklässler starten, im Vorjahr waren es 18.610. Durch eine frühere Einschulung ergeben sich keine Nachteile für die Schülerinnen und Schüler. Auch in anderen europäischen Ländern werden frühere Einschulungen praktiziert.

Um die Kinder noch optimaler fördern zu können, bieten über 100 Grundschulen des Landes Brandenburg die flexible Eingangsphase (FLEX) an. Besonderheiten der FLEX sind die zielgruppenspezifische Förderung, die Jahrgangsmischung und die individuelle Verweildauer von ein bis zu drei Jahren - je nach Leistungsentwicklung des Kindes. Vor dem Hintergrund der früheren Einschulung ist die weitere Ausweitung von FLEX geplant.

Individuelle Lernstandsanalysen 1. Klasse

Ein gelungenes Projekt Berlin-Brandenburgischer Zusammenarbeit und ein weiterer Baustein der Angleichung unserer Bildungssysteme sind die "individuellen Lernstandsanalysen". Erstmals werden Schülerinnen und Schüler der 1. Klassen Schularbeitshefte zur "individuellen Lernstandsanalyse" erhalten. Berlin verteilt dieses Material ebenfalls an seine Lernanfänger in der 1. Klasse. Mit dem Schuljahr 2005/2006 wird die Einführung der Lernstandsanalysen sowie individueller Lernpläne in der Jahrgangsstufe 1 für alle Schulen verbindlich. Es soll mit einem einheitlichen Test festgestellt werden, welche Vorkenntnisse die Kinder mitbringen. In einem individuellen Lernplan, der in der Klassenkonferenz abgestimmt wird, sollen zu einzelnen Grundfertigkeiten im Bereich Sprache und Schriftsprache, mündliches Sprachhandeln und Mathematik die Lernziele und entsprechende pädagogische Angebote vermerkt werden. Mit diesem Mittel wollen wir die individuellen Stärken und Schwächen von Kindern zum sehr wichtigen Zeitpunkt der Einschulung herausfinden, damit sehr frühzeitig gezielt mit pädagogischen Angeboten reagiert werden kann.

Start Oberschule

Die tiefgreifendste Schulstrukturänderung in Brandenburg seit 15 Jahren hat seinen erfolgreichen Start bereits hinter sich. Der Konsens in der Koalition über die Notwendigkeit der Oberschule hat zum Gelingen der raschen Einführung beigetragen. Die Akzeptanz der Oberschule, die sich bei der Anmeldung der Schüler, die von den Grundschulen auf die weiterführenden Schulen im Frühjahr diesen Jahres gezeigt hat, belegte, dass die Eltern gut informiert sind und der neuen Schulform Vertrauen entgegenbringen. Der befürchtete Ansturm auf die Gymnasien blieb aus.

"Ich bin der vollen Überzeugung, dass wir mit der Oberschule nicht nur die richtige Antwort auf die Schulstrukturfragen in unserem Land gefunden haben, sondern dass die Schulform auch eine gute Antwort auf PISA ist", sagt Bildungsminister Rupprecht. "Die kürzlich vorgestellten PISA-Ergebnisse haben noch einmal verdeutlicht, das Schulsysteme mit einer klaren und übersichtlichen Gliederung bessere Leistungen schaffen. Sachsen und Thüringen haben das zweigliedrige Schulsystem, wir führen es jetzt durch die Zusammenlegung der Realschulen und Gesamtschulen ohne gymnasiale Oberstufen zur einheitlichen Oberschule ein."

Start der Visitationsteams

Um die Qualität von Schulen im Land Brandenburg zielgerichtet zu verbessern, werden ab dem neuen Schuljahr so genannte Visitationsteams die Schulen vor Ort begutachten. Jede Schule im Land Brandenburg soll von den externen Gutachtern in regelmäßigen Abständen auf Herz und Nieren geprüft werden. Zentrales Instrument unserer externen Evaluation sind die Visitatoren, die die Schulen unter die Lupe nehmen und anschließend konkrete Sachstandsberichte erstellen. Ein Visitationsteam besteht in der Regel aus zwei Personen, bei großen Schulen auch drei Mitarbeiter.

Es wird künftig verlässliche belegbare, fachlich begründete Aussagen über den Unterricht geben. Es werden Aussagen über die besonderen schulischen Problemlagen der Leistungsspitzen und der Leistungsnachhut zur Verfügung stehen. Jede Schule wird praktische Qualitätsrückmeldungen erhalten und eine Stärken- und Verbesserungsanalyse des eigenen Arbeitsstandes erarbeiten können und müssen. Über regelmäßige Feedbacks, Leistungsbilanzen und Überprüfung der Ziele des eigenen Schulprogramms wird die Schule in die Lage versetzt, gezielt über die Arbeit an Schwerpunkten Qualität im Sinne von "Guter Schule" zu erreichen, bzw. zu verbessern. Die Visitationsteams stützen sich bei ihrer Überprüfung der Schulqualität auf einen "Orientierungsrahmen für Schulqualität", der von Bildungsminister Rupprecht im Februar öffentlich vorgestellt wurde.

Weitere Ganztagsschulen genehmigt

Zum neuen Schuljahr starten weitere 43 Grundschulen und 23 Sek-I-Schulen mit ganztägigen Angeboten. Insgesamt haben wir damit 187 Schulen mit ganztägigen Angeboten: 78 Grundschulen, 94 Schulen im Sek-I-Bereich und 15 Förderschulen. Jede 5. Schule im Land bietet somit ganztägige Angebote an. Dieses Programm wird im kommenden Schuljahr intensiv ausgebaut.

Rechtschreibreform

Brandenburgische Schülerinnen und Schüler haben sieben Jahre lang die neue Rechtschreibung gelernt. An brandenburgischen Schulen wird wie Österreich, der Schweiz sowie allen deutschen Bundesländern außer Bayern und NRW die erprobte neue Rechtschreibung endgültig eingeführt.

Unterrichtsmaterial zum Genozid

Alle weiterführenden Schulen haben die Handreichung "Völkermorde und staatliche Gewaltverbrechen im 20. Jahrhundert als Thema schulischen Unterrichts" erhalten und werden sie im Geschichtsunterricht einsetzen. Die bundesweiten Reaktionen von Frankfurter Allgemeiner Zeitung bis zur Frankfurter Rundschau haben den Vorbildcharakter, den Brandenburg mit der Erarbeitung der Broschüre einnimmt, herausgestellt. Das Landesinstitut für Schule und Medien verzeichnet ein großes Interesse in anderen Bundesländern an der Broschüre.

Am 1. August 2005 ist der Rahmenlehrplan Geschichte für die Sekundarstufe I in einer veränderten Fassung in Kraft getreten. Im Diskursstrang "Krieg - Technik - Zivilbevölkerung" für die Jahrgangsstufen 9 und 10 werden beispielhaft der Völkermord an den Herero in Deutsch-Südwestafrika, den Armeniern im Osmanischen Reich oder den Tutsi in Ruanda sowie sonstige staatliche Gewaltverbre-chen im 20. Jahrhundert aufgenommen.

PISA-Broschüren

PISA hat eine weitgehend neue Aufgabenkultur hervorgebracht, die vor allem das Erschließen von Texten voraussetzt. Diese neue Aufgabenkultur muss in die Alltagspraxis der brandenburgischen Schule eingehen. Deshalb werden zu Beginn des Schuljahres Aufgabensammlungen für die Schülerinnen und Schüler der 7.-9. Klassen im Bereich mathematisch-naturwissenschaftliche Grundbildung und für die Schüler der 4. Jahrgangsstufe im Bereich mathematische Grundbildung an die Schulen verteilt. Schülerinnen und Schüler sollen mit der neuen international gängigen Aufgabenkultur besser vertraut gemacht werden. Lehrkräfte und vor allem die Schülerinnen und Schüler sollen durch die Bearbeitung der Aufgaben im Unterricht auf die Veränderungen der Aufgabenkultur in den Fächern vorbereitet werden und Impulse für die Gestaltung von neuen Unterrichtsprojekten erhalten.

Rauchfreie Schule

Die Schulen sind informiert, dass sie ab dem neuen Schuljahr rauchfrei sein werden. Die entsprechende Änderung in der Verwaltungsverordnung Schulbetrieb ist in der Umsetzung.


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