Bildungsreise: Früh übt sich
Bildung ist ein Schlüsselthema des 21. Jahrhunderts - und für Deutschland die Grundlage von Wachstum, Wohlstand und sozialen Zusammenhalts. Auf den ersten Stationen ihrer Bildungsreise erfuhr Bundeskanzlerin Angela Merkel in Hessen und Nordrhein-Westfalen, wie wichtig es ist, schon bei den Jüngsten die Lust auf Wissen zu wecken. Und was sich tun lässt, damit das immer besser gelingt.
23.08.2008 Pressemeldung Presse- und Informationsamt der Bundesregierung"Viele kleine Leute können das Gesicht der Welt verändern", sangen die Jungen und Mädchen des Kindergartens der evangelischen Friedensgemeinde in Frankfurt zur Begrüßung der Kanzlerin. Damit sie, wenn sie größer sind, tatsächlich gute Chancen in Schule und Beruf haben, fördert sie ihr Kindergarten schon früh und gezielt. Das Projekt "frühstart" legt dabei besonderes Augenmerk darauf, die zahlreichen Kinder von Migranten erfolgreich einzubinden - und alle Kinder sprachlich und interkulturell fit zu machen.
Im sozial schwierigen Frankfurter Gallusviertel erfuhr die Bundeskanzlerin, wie das funktioniert. Das über die Landesgrenzen hinaus beachtete Projekt setzt auf gezielte Sprachförderung in kleinen Gruppen und auf gegenseitiges Voneinanderlernen. Daneben verfolgt die Initiative einen umfassenden Ansatz: vom Elterncafé über Kochabende bis zur Ernährungs- und Schuldenberatung.
Neben der Arbeit mit den Kindern bilden die Frankfurter Pädagogen mehrsprachige Elternbegleiterinnen und -begleiter aus. Als Coaches beraten die Migranten anschließend andere Eltern aus Einwandererfamilien und versetzen sie in die Lage, ihren Nachwuchs in Kindergarten und Schule aktiv zu begleiten. "frühstart" wird von der Hertie-Stiftung gefördert.
Neue Balance zwischen Theorie und Praxis
Was sich für die Qualität der frühkindlichen Bildung strukturell tun lässt, erfuhr die Kanzlerin in Darmstadt. Gemeinsam qualifizieren dort zwei Fachschulen und eine Fachhochschule angehende Erzieherinnen und Erzieher auf einem höheren Ausbildungsniveau als bislang üblich.
Im Verbundstudiengang "Bildung und Erziehung in der Kindheit" verbinden sich die praktischen pädagogischen Erfahrungen der Fachschulausbildung mit dem fundierten theoretischen Wissen, wie es an der Hochschule gelehrt wird. Die Absolventen schließen zusätzlich zur Berufsausbildung mit einem Bachelor ab.
Der Verbundstudiengang
Die Bundeskanzlerin zeigte sich von dem pragmatischen Ansatz überzeugt: "Hier strahlt die Qualität der Ausbildung auf die Bildung der Kinder aus", sagte Merkel. Die Ausbildung der Erzieherinnen und Erzieher für Kindergärten und Kitas nannte sie "eine der Kernfragen der Zukunft des Bildungssystems". Dabei komme der berufsbegleitenden Fortbildung eine ebenso wichtige Bedeutung zu, betonten die Lehrerinnen und Lehrer der Schule.
Wie zuvor die Erzieherinnen und Erzieher forderten auch die Studierenden eine stärkere gesellschaftliche Anerkennung ihres Berufsstandes - und nicht zuletzt eine wirtschaftliche. "Bei der Gewichtung der Berufsbilder sind wir in Deutschland sicher noch nicht am Ende", befand Merkel. Dabei stehe jedoch ein langwieriger Prozess bevor, warb sie für Geduld. Dafür bilde die neue Ausbildung einen guten Anfang. Qualifikation und Leistung seien jedenfalls ein guter Einstieg in eine Diskussion um mehr Geld.
"Wir müssen neue Wege gehen"
"Wir haben bestimmt keine Bildungsmisere, aber wir haben noch Reserven", erklärte die Kanzlerin nach den Ortsterminen mit Hessens Ministerpräsident Roland Koch. Das gelte besonders für die frühkindliche Bildung. Nachdem die Hirnforscher den Pädagogen und der Politik vor einiger Zeit zu wegweisenden neuen Erkenntnissen verholfen hätten, gehe es jetzt darum, die neuen Wege zu beschreiten.
Wie an der Kita in Frankfurt sei an der Fachhochschule in Darmstadt deutlich geworden: "Wir brauchen weniger Aufspaltung, mehr Vernetzung, bessere Übergänge vom einen System zum andern", resümierte Merkel.
Die Übergänge erleichtern
Die Kita Buchenhof im westfälischen Hiddenhausen, dritte Station der Bildungsreise, arbeitet schon heute eng mit den Grundschulen der Umgebung zusammen: "Ein Projekt, das zeigt, was an den Schnittstellen zwischen Kindergarten und Schule noch möglich ist", so Merkel.
Systematisch werden die Jungen und Mädchen auf dem Buchenhof der Evangelischen Jugendhilfe Schweicheln an die Schule herangeführt. Mit Rechenspielen und kleinen naturwissenschaftlichen Experimenten bewegen sie sich "Vom lernenden Spiel zum spielenden Lernen". So lautet das Motto des in 32 Kitas und Grundschulen laufenden Projekts "Kita & Co". Wegen des familienorientierten Ansatzes, der Elternarbeit mit einbezieht, erhielt die Kita im vergangenen Jahr das Gütesiegel "Familienzentrum NRW".
Evangelische Jugendhilfe Schweicheln
Wie diese Kita in Schweicheln denkt auch die Hauptschule Löhne-West einige Kilometer weiter die nächsten Schritte ihrer Zöglinge von Anfang an mit. Im engen Kontakt zu den Unternehmen der Region und zur Arbeitsagentur bereitet die Schule den Übergang ins Arbeitsleben vor.
Und der funktioniert: "Wir haben Aussicht auf gute Berufe", berichtete ein Schüler der Kanzlerin im Schulgarten zuversichtlich. Merkel zeigte sich beeindruckt. "Mit intensiver praktischer Förderung kann es gelingen, jedem Kind eine Chance zu geben", ist sie überzeugt.
Allgemein von einer "Restschule" zu sprechen, sei nicht nur unverantwortlich, sondern schlicht falsch, befand Ministerpräsident Jürgen Rüttgers angesichts des ermutigenden Beispiels. Eine vernetzte und modern orientierte Hauptschule wie diese stellt auch für die Bundeskanzlerin "ein Modell für die Zukunft" dar.
Im vergangenen Jahr wurde die Löhner Hauptschule als eine der besten Hauptschulen Deutschlands ausgezeichnet. Für die individuelle Förderung vergab ihr die nordrhein-westfälische Landesregierung das Zertifikat "Schule der Zukunft".
Kampagne "Schule der Zukunft"
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