Hessen leuchtet: Darmstädter Gymnasium Lichtenbergschule, Marburger Martin-Luther-Schule und Kasseler Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule als Schulische Zentren zertifiziert

Kultusministerin Karin Wolff und Staatssekretär Joachim Jacobi haben nach einem Zertifizierungsverfahren heute den Schulleitern des Gymnasiums Lichtenbergschule in Darmstadt, der Martin-Luther-Schule in Marburg sowie der Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule in Kassel Urkunden mit dem Prädikat für Leuchtturmschulen überreicht. "Nach der Frankfurter Musterschule, die bereits im vergangenen Jahr als Schulisches Zentrum für Musik ausgewählt worden ist, verfügt Hessen nun über vier Leuchtturmschulen", freute sich Karin Wolff ihrer Heimatstadt Darmstadt: "Ziel ist stets, in der jeweiligen Region eine verstärkte Begabtenförderung in ausgewiesenen Fächern beziehungsweise Fachbereichen zu erproben und eine intensivere Zusammenarbeit mit Hochschulen sowie der ersten und zweiten Phase der Lehrerausbildung zu etablieren." Grundlage sei das Regierungsprogramm 2003 bis 2008, ergänzte die Ministerin.

30.08.2006 Hessen Pressemeldung Hessisches Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen

Im Rahmen des Leuchtturm-Modellprojekts wurde die Lichtenbergschule www.luo-schule.de als Schulisches Zentrum für Sprachen zertifiziert. Als Sprachenzentrum ziele sie auf eine homogene, vernetzte Sprachenausbildung, in die alle regionalen Schulen einbezogen sind, lobte Karin Wolff. Dank außergewöhnlicher Leistungen der Schulleitung und des Kollegiums beim pädagogischen und konzeptionellen Umsetzen der europäischen Dimension sei die Lichtenbergschule schon länger Europaschule und seit zwei Jahren auch als solche in Hessen zertifiziert. Der vorgezogene Fremdsprachenunterricht, bilingualer Fachunterricht sowie verbundene Bildungsangebote seien konsequent weiterentwickelt worden. Die Lichtenbergschule biete weit mehr Fremdsprachen als üblich, darunter auch "seltene" wie Arabisch, Chinesisch und Russisch, sei am Schulversuch "Zweite und dritte Fremdsprache" mit durchgehenden Grund- und Leistungskursen beteiligt, setze auf internationalen Schüler-, Lehrer- und Erfahrungsaustausch, Auslandsaufenthalte sowie internationale Schulkooperationen, Unterricht möglichst durch Muttersprachler und habe erfolgreich an Fremdsprachen-Schülerwettbewerben teilgenommen.

In enger Zusammenarbeit mit Schulaufsicht und Wirtschaftsunternehmen sei das neuartige Konzept der "Internationalen Begegnungsschule Darmstadt" entstanden, das anderen Schulamtsbezirken als Vorbild für die Organisation des Fremdsprachenunterrichts dienen könne, sagte die Ministerin. Das Fremdsprachen-Curriculum der Lichtenbergschule koordiniere das Kursangebot und die Lehrkräfte, erleichtere Anschlüsse und Übergänge zwischen Schulformen und -stufen und fördere den zügigen, frühzeitigen Fremdsprachenerwerb in der gesamten Region. Im Auftrag des Förderkreises sei das Konzept der Lichtenbergschule wissenschaftlich evaluiert worden, deren Entwicklung von Schulamt und Schulträger intensiv begleitet werde.

Joachim Jacobi, Staatssekretär im Hessischen Kultusministerium, überreichte Jürgen Udo Pfeiffer, Direktor der Martin-Luther-Schule in Marburg www.mls-marburg.de, die Urkunde als Schulisches Zentrum für Naturwissenschaften und Begabtenförderung. Die eng mit der Marburger Philipps-Universität kooperierende neue Leuchtturmschule stellt möchte ihre weitere Entwicklung unter drei Leitideen:

  1. Breit angelegtes Fördern und Unterstützen der Schülerinnen und Schüler durch Erweitern der Schülerpraktika, Entwickeln eines fachübergreifenden, Fächer verbindenden Lernens sowie Weiterentwicklung des naturwissenschaftlichen Unterrichts in den Jahrgangsstufen fünf und sechs.
  2. Gezieltes Fördern von Schülerinnen und Schülern mit besonderen Begabungen durch Ausbauen und Ergänzen des AG- und Wahlpflicht-Unterrichts, weitere naturwissenschaftliche Studienvorbereitung, Semesterarbeiten und Seminartage für Leistungskurse.
  3. Festigung und Ausbau der Kooperation mit Universitäten und anderen außerschulischen Einrichtungen.

Joachim Jacobi hob die intensive Projektarbeit der Martin-Luther-Schule hervor – von der Mathematik-Rallye in der Jahrgangsstufe fünf, über das naturwissenschaftliche Projekt mit Exkursion in Jahrgangsstufe sechs, Hausaufgabenbetreuung in den Jahrgangsstufen fünf bis sieben, über den Experimentiertag der Jahrgangsstufe acht, Mathematik-Crashkurse in den Jahrgangsstufen neun bis elf, bis hin zum "Naturwissenschaftlichen Kabinett" als Einladung zum Experimentieren. Auch das Fördern von Schülerinnen und Schülern zeichne diese Leuchtturmschule aus: Ob Chemie-AG in den Jahrgangsstufen fünf bis sieben, Mathe-Club ab Jahrgangstufe acht, Teilnahme an Wettbewerben und – seit 1997 regelmäßig – den "Marburger Propädeutika" mit Angeboten in Biologie, Chemie, Informatik, Mathematik und Physik in Jahrgangsstufe neun, Astronomie, Geographie, Geophysik und Meteorologie in Jahrgangsstufe zehn sowie Mathematik in Jahrgangsstufe zwölf, der Möglichkeit zum Belegen von drei naturwissenschaftlichen Fächern in der gymnasialen Oberstufe, Hochbegabtenförderung mit Gütesiegel, Mitgliedschaft im Verein mathematisch-naturwissenschaftlicher Excellence-Center an Schulen (MINT), oder Teilnahme an diversen Entwicklungs- und Forschungsprojekten – "die Martin-Luther-Schule setzt immer wieder Maßstäbe", so der Staatssekretär.

"In Kassel-Oberzwehren räumt die Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule der mathematisch-naturwissenschaftlichen Bildung hohen Stellenwert ein, ohne dabei andere Fachbereiche aus den Augen zu verlieren", gratulierte Joachim Jacobi Oberstudiendirektor Helmut Dörr am Morgen zur Zertifizierung als Schulisches Zentrum für Mathematik und Begabtenförderung. Das aus dem Oberstufengymnasium Oberzwehren hervorgegangene Gymnasium des Landkreises Kassel www.osgo.ks.he.schule.de dürfe sich nun "Mathe-Leuchtturmschule" nennen. Als Pilotschule habe sie nicht nur die eigene Schulprogrammarbeit vorangebracht, sondern auch die Entwicklung der Schulen in der Region befruchtet, lobte der Staatssekretär. Neuer Schwerpunkt sei jetzt das Ganztagsprogramm "Gymnasium Plus". Die Bedeutung der Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule für den Mathematik-Unterricht illustrierte er am Beispiel von bis zu vier Mathematik-Leistungskursen pro Jahrgang seit 1974, der Kooperation mit der Universität Kassel seit 1975, der Ausbildung staatlich geprüfter Mathematisch-Technischen Assistenten im Rahmen eines "14. Schuljahres" seit 1979, der Beteiligung am SINUS-Modellversuch von 1998 bis 2003 sowie der Federführung und Beteiligung beim Folgeprojekt SINUS-Transfer.

Regelmäßig sei die neue Leuchtturmschule in der Endrunde des Hessischen Mathematik-Wettbewerbs www.mathematik-wettbewerb.de vertreten. In ihrer Jahrgangsstufe zwölf werden Mathe-Facharbeiten erstellt, die Lernleistung sei im vergangenen Schuljahr herausragend gewesen, im Fach Mathematik gab es 21 Präsentationsprüfungen, so der Staatssekretär. Schülerinnen und Schülern der Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule werde es mentorenbegleitet ermöglicht, neben ihren Verpflichtungen in der gymnasialen Oberstufe anrechenbare Kurse der Universität zu besuchen. Ohnehin bestehe mit den in unmittelbarer Nähe angesiedelten Fachbereichen Mathematik und Naturwissenschaften der Universität Kassel ein intensiver – auch personeller – Austausch. Mit allen Institutionen der ersten und zweiten Phase der Lehrerausbildung kooperiert die Leuchtturmschule Joachim Jacobi zufolge höchst erfolgreich.

Hintergrund

Der Zertifizierungserlass für die drei neuen Leuchtturmschulen vom 2. August 2006 sieht vor:

  • Begrenzung auf vorerst drei Jahre bis Ende des Schuljahres 2008/09
  • zusätzliche Lehrerzuweisung von je zwei Stellen
  • Vorlage eines Zwischenberichts nach einem Jahr
  • Vorlage eines Evaluierungsberichts bis zum 31. Januar 2009
  • die erneute Zertifizierung ist auf Antrag möglich

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