Schule - und was dann?
Bildung ist ein viel diskutiertes Thema in Deutschland. Schule, Berufsausbildung, Studium - welche Abschlüsse werden am häufigsten gemacht? Was wird auf Bundes-, was auf Länderebene geregelt? Wie steht es mit der so genannten Generation Praktikum? Wir haben die zentralen Aspekte zusammengefasst.
21.04.2008 Pressemeldung mitmischen.deIn Deutschland ist Bildung Sache der Bundesländer. Damit können Fächer, Lehrpläne und Schularten je nach Bundesland ziemlich unterschiedlich sein. Deutschlandweit einheitlich geregelt ist jedoch das dreigliedrige Schulsystem. Nach der Grundschule wird in der Regel zur Hauptschule, Realschule oder zum Gymnasium gewechselt. In einigen Bundesländern gibt es außerdem Gesamtschulen, in denen Schülerinnen und Schüler der verschiedenen Leistungsniveaus in der Regel bis zur zehnten Klasse gemeinsam unterrichtet werden. Daneben gibt es einige reformpädagogische Ansätze wie etwa Waldorfschulen. Berlin und Brandenburg sind die einzigen Bundesländer, in denen die Grundschule bis einschließlich zur sechsten Klasse geht, ansonsten dauert die Grundschulzeit vier Jahre.
Zuständig für die Schulen sind die so genannten Kultusministerien der Bundesländer. Die Kultusministerien sind als oberste Landesbehörden für Angelegenheiten der Bereiche Bildung, Wissenschaft und Kultur zuständig.
Lange Ausbildungszeiten kürzen
Die allgemeine Hochschulreife, sprich das Abitur, konnte bisher überwiegend nach 13 Jahren erreicht werden. Immer mehr Länder haben mittlerweile jedoch das Abitur nach zwölf Jahren eingeführt. Künftig wird es in fast allen Bundesländern möglich sein.
In Deutschland haben Kinder und Jugendliche lange Ausbildungszeiten. Hintergrund der Verkürzung ist die Tatsache, dass deutsche Studentinnen und Studenten meist älter sind, wenn sie ihren Abschluss erreicht haben, als Studierende im internationalen Vergleich. Die Ausbildungszeiten dauern in Deutschland länger als in anderen Ländern. Dafür gibt es neben der bisher längeren Schulzeit und einem eher späten Schulstart weitere Gründe: Vor dem Studium wird oft eine Ausbildung oder Wehrdienst beziehungsweise Zivildienst absolviert, und außerdem wiederholen in Deutschland die Schülerinnen und Schüler öfter mal eine Klasse als in anderen Ländern. Das Hochschulsystem hat in den vergangenen Jahren zudem zu längeren Studienzeiten geführt.
Wichtig: leistungsschwache Schüler unterstützen
Durch die Einführung des verkürzten Abiturs werden in den nächsten Jahren mehr Abiturienten entlassen - auch, wenn die meisten Schulabgänger in Deutschland den mittleren Schulabschluss machen. Nach den Bildungsberichten für Deutschland, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung herausgegeben werden, haben im Jahre 2001 rund 49 Prozent die Schule mit einem mittleren Bildungsabschluss verlassen, 2004 waren es 52 Prozent. Der Anteil der Schülerinnen und Schüler, die die allgemeine Hochschulreife erwerben, ist in etwa gleich geblieben: im Jahr 2000 waren es 27,5 Prozent, 2004 lag die Quote bei 28,3 Prozent. Nach dem Bildungsbericht 2006 besteht die Herausforderung zukünftig darin, besonders leistungsschwache Schülerinnen und Schüler zu unterstützen. Dabei spielen insbesondere Jugendliche aus bildungsfernen und zugewanderten Familien eine wichtige Rolle. Durch gezielte Förderung und die Schaffung von Perspektiven könnte das Leistungsniveau insgesamt verbessert werden, heißt es im Bildungsbericht.
Berufsausbildung ist gefragt
Nach der Schule stehen Jugendliche meist vor der Frage: Studium oder Ausbildung? Das Interesse an einer beruflichen Ausbildung ist nach wie vor ungebrochen, auch wenn nach Angaben des Berufsbildungsberichts der Bundesregierung aus dem Jahr 2007 der Anteil der dualen Berufsbildung ("dual", also zweiteilig, heißt die Berufsausbildung, wenn sie einerseits im Ausbildungsbetrieb, andererseits in der Berufsschule stattfindet) in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren faktisch abgenommen hat. Ein Problem dabei ist die Schere zwischen Angebot und Nachfrage - sie klafft seit 2001 immer mehr auseinander. Laut den Berufsbildungsberichten der Bundesregierung setzte sich der negative Trend nach einer Verbesserung im Jahre 2004 im darauf folgenden Jahr weiter fort. 2006 konnten jedoch zwischen dem 1. Oktober 2005 und dem 30. September 2006 bundesweit insgesamt 576.153 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen werden. Das sind 25.973 neue Verträge mehr als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Lediglich 23,8 Prozent der Unternehmen bilden nach der Beschäftigtenstatistik der Bundesagentur für Arbeit bundesweit aus. Um mehr Jugendlichen die Chance auf einen Ausbildungsplatz zu geben, wurde 2004 der "Nationale Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs" geschlossen. Darin verpflichten sich Politik und Wirtschaft mehr Ausbildungsplätze zu schaffen.
Ausbildung: Pakt statt Abgabe
Dem Ausbildungspakt vorausgegangen war eine Gesetzesinitiative für eine Ausbildungsplatzabgabe, nach der alle Arbeitgeber in einen Fonds einzahlen sollten, wenn der Betrieb nicht eine Mindestzahl von sieben Prozent – gemessen an der Zahl der gesamten Belegschaft – Ausbildungsplätze gewährleistet.
Diejenigen Unternehmen mit mehr als sieben Prozent Lehrlingen, sollten aus dem Fonds Fördermittel erhalten. Der Gesetzentwurf wurde am 7. Mai 2004 mit der Mehrheit der damaligen rot-grünen Koalition und gegen den Willen der CDU/CSU und der FDP im Bundestag verabschiedet. Der Bundesrat lehnte den Entwurf am 11. Juni 2004 ab und überwies ihn an den Vermittlungsausschuss. Bevor dieser allerdings seine Arbeit aufnahm, unterzeichneten Vertreter der rot-grünen Bundesregierung und der Wirtschaftsverbände den verbindlichen Ausbildungspakt.
Neben der Berufsausbildung führt für viele junge Menschen nach der Schule der Weg ins Studium. Die Zahl der Studierenden ist bis auf einen leichten Einbruch im Jahre 2004 kontinuierlich angestiegen. Durch das verkürzte Abitur kann laut Bildungsbericht die Studienplatznachfrage vor allem von 2011 bis 2013 sogar deutlich oberhalb des in den letzten Jahren erreichten Höchststandes liegen. Die Kultusministerkonferenz, also der Zusammenschluss aller Kultusminister der Bundesländer, geht davon aus, dass 70 bis 80 Prozent der Studienberechtigten auch ein Studium beginnen. An Hochschulen wird die Nachfrage also steigen.
Generation Praktikum
Ist das Studium abgeschlossen, hilft beim Einstieg in den Beruf oft ein Praktikum. Doch viele Hochschulabsolventinnen und -absolventen fühlen sich ausgenutzt - das ergab zumindest eine Studie, die der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Anfang 2007 vorgestellt hat. Sie besagt, dass 37 Prozent der Hochschulabsolventinnen und -absolventen ein Praktikum absolvieren, 11 Prozent sogar ein zweites - soweit nichts Ungewöhnliches. Aber: Die Hälfte der Praktika sind unbezahlt. Bei einer durchschnittlichen Dauer von sechs Monaten liegt hier der Begriff "Ausbeutung" recht nah. Die meisten Absolventinnen und Absolventen werden in dieser Zeit finanziell von ihren Eltern unterstützt. Die angemessene Entlohnung ist eine Sache - der Lerneffekt, der zweifellos an erster Stelle bei einem Praktikum stehen sollte, die zweite. Die Hälfte der Befragten gab an, dass das Unternehmen ihre Arbeit fest eingeplant hatte. Nur bei 32 Prozent stand das Lernen im Vordergrund.
Unterstützung erhofften sich die Studierenden vom Bundestag und reichten zwei Online-Petitionen ein, in denen sie eine verbesserte Stellung von Uniabsolventen im Praktikum fordern. Mehr als 100.000 Unterstützer unterzeichneten die Petitionen. Aufgrund des großen Interesses beriet der Petitionsausschuss im März 2007 öffentlich über das Thema. Bereits im November 2006 hatte die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen einen Antrag in den Bundestag eingebracht, nachdem Praktika zeitlich begrenzt und mit einer tariflich geregelten Aufwandsentschädigung verbunden sein sollen. Außerdem wird ein Gütesiegel für faire Praktikumsstellen angeregt.
Sinnvolle Praktika – wie regeln?
Im Oktober 2007 brachte die Fraktion Die Linke. einen Gesetzentwurf ein. Mit dem Entwurf wollten die Abgeordneten erreichen, dass Praktikanten Anspruch auf einen Vertrag und einen Ausbildungsplan haben, der ihren Status als Lernende deutlich macht. Die FDP-Fraktion fordert dagegen in ihrem Antrag, dass Praktika nicht durch weitere gesetzliche Regeln eingeschränkt werden. Die Befürchtung: Bei gesetzlicher Regelung könnten Betriebe davor zurückschrecken, überhaupt Praktikumsplätze anzubieten. Vielmehr fordert die Fraktion weitere Studien zum Übergang zwischen Ausbildung und Berufseinstieg. Der FDP-Antrag und der Gesetzentwurf der Fraktion Die Linke. werden derzeit in den Ausschüssen beraten. Das Bundesministerium für Arbeit strebt nach einer weiteren Studie ebenfalls gesetzliche Klarstellungen an, mit denen der Missbrauch von Praktikantenverhältnissen verhindert werden soll. In diesen Regelungen sollen auch der Lernzweck und der Anspruch auf eine angemessene Vergütung unter bestimmten Voraussetzungen verankert werden.
Freiwilliges Engagement
Wer die Schulpflicht erfüllt hat, kann sich aber auch erstmal gesellschaftlich engagieren. Das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) und das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ) bietet jungen Menschen, die das 27. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, die Möglichkeit dazu. Klassische Arbeitsfelder sind Kinder- und Jugendeinrichtungen, Krankenhäuser, Alten- und Pflegeheime sowie Naturschutzverbände und Nationalparkhäuser. Das FSJ und das FÖJ werden überwiegend von jungen Frauen absolviert, die einen Realschulabschluss oder Abitur haben. Der Anteil der Männer ist in den vergangenen Jahren aber stetig gewachsen. Im Jahrgang 2003/2004 haben in Deutschland knapp 27.000 junge Menschen ein FSJ oder FÖJ absolviert. Um dieses Engagement weiter zu fördern, hat der Bundestag im März 2008 das Gesetz zur Förderung von Jugendfreiwilligendiensten beschlossen. Mit dem Gesetz gibt es künftig flexiblere Einsatz- und Kombinationsmöglichkeiten und eine Ausdehnung der Dauer auf maximal 24 Monate.
Keine Kommentare vorhanden