Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave: "Früh fördern heißt erfolgreich starten"

"In unserem Bildungssystem darf kein Kind zurückbleiben. Alle müssen die Chance auf einen erfolgreichen Schulbesuch haben. Unsere Aufgabe ist es, dafür die Voraussetzungen zu schaffen und zu verbessern," sagte Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave heute (11. August) zum Schulanfang 2005/06.

11.08.2005 Schleswig-Holstein Pressemeldung Ministerium für Schule und Berufsbildung des Landes Schleswig-Holstein

Ein Schwerpunkt sei die verstärkte Sprachförderung von der KITA bis zur Schule. "Die Landesregierung wird in den kommenden Jahren 27 Millionen Euro investieren, um das 'Integrative Sprachförderkonzept' weiter auszubauen. Das ist ein wichtiger Schritt, um Kinder aus sozial schwierigem Umfeld oder mit Migrationshintergrund frühzeitig zu fördern," so die Ministerin. Notwendig seien jedoch auch weitere Schritte in der Qualitätsentwicklung an den Schulen. Ute Erdsiek-Rave: "Wir haben uns nach PISA für schulische Veränderungen entschieden. Das war richtig und muss fortgesetzt werden. Dann lässt sich auch unser Ziel erreichen: Bildungsgerechtigkeit für alle Schülerinnen und Schüler."

Integratives Sprachförderkonzept

Schleswig-Holstein hat seit fast zehn Jahren ein bundesweit beispielhaftes Konzept zur integrativen Sprachförderung aufgebaut. Ute Erdsiek-Rave: "Wir haben Strukturen geschaffen, diese vernetzt und Personal qualifiziert. Was in vielen schleswig-holsteinischen KiTAs erfolgreich läuft, soll weiter verbessert und flächendeckend ausgebaut werden." Ziel sei es, jedem Kind in Schleswig-Holstein frühzeitig vor der Einschulung ausreichende deutsche Sprachkenntnisse zu vermitteln. Erst dies garantiere einen guten Schulstart. "Wer früh gefördert wird, kann erfolgreich starten", so die Ministerin.

Die vorschulische Sprachförderung im letzten Halbjahr vor dem Schulbeginn enthält folgende Elemente:

  • Das Einschulungsgespräch - und damit auch die Schuleingangsuntersuchung - wird um ein Quartal vorgezogen (im Herbst 2005 für das Schuljahr 2006/07). Bei allen Kindern wird im Einschulungsgespräch auch der Sprachstand beobachtet und bewertet.
  • Gibt es im Einschulungsgespräch Hinweise auf Sprachdefizite, erfolgt eine zweite Untersuchung mit Fachkräften, um den Sprachstand dieser Kinder genauer einzuschätzen. Bestätigen sich in dieser Untersuchung diese Defizite, erfolgt im letzten Halbjahr vor der Einschulung eine Sprachintensivförderung. Diese ist ab 2007 - nach Änderung des Schulgesetzes - verpflichtend.
  • Diese Sprachintensivförderung erfolgt durch Fachkräfte für Deutsch als Zweitsprache im Rahmen des Programm SPRINT. Sie findet für Kinder ohne KITA-Besuch in der Regel in den Schulen statt, für Kinder aus KITAs in diesen Einrichtungen. Die Kurse umfassen mindestens 10 Wochenstunden über mindestens 20 Wochen. Begleitend zu dieser Förderung soll auch den Eltern der Migrantenkinder ein Angebot gemacht werden. In Fällen, wo eine Sprachheilförderung notwendig ist, wird diese durch die Sprachheilkräfte geleistet.
  • Darüber hinaus wird die allgemeine Sprachförderung in KITAs mit dem Schwerpunkt der "Phonologischen Bewusstheit" (Ohrentraining zum Schriftspracherwerb) ausgebaut.

Die Sprachförderung wird in der Schule fortgesetzt. So genannte "DaZ"-Zentren (Deutsch als Zweitsprache) bieten Schülerinnen und Schülern mit geringen Deutschkenntnissen spezielle Deutschkurse an. Geplant ist eine weitere Vernetzung und Zusammenarbeit der Fachkräfte für "Deutsch als Zweitsprache".

Ute Erdsiek-Rave: "Unser Sprachförderkonzept nimmt alle Kinder mit - von der KITA bis zur Schule. Dass es erfolgreich umgesetzt wird, ist vor allem ein Verdienst des qualifizierten Personals in den KITAs." Mittlerweile seien rund 4.000 der insgesamt 12.300 Erzieherinnen und Erzieher in allgemeiner Sprachförderung fortgebildet worden. Bis 2006 werden jährlich 500 weitere folgen. "Unser Ziel ist, dass bis 2010 in jeder KITA eine Erzieherin oder ein Erzieher verantwortlich die Sprachförderung betreut."

Qualitätsentwicklung

"Die Qualität des Unterrichtes wird weiterentwickelt und folgt den drei Leitlinien: mehr Rechenschaft, mehr Konsequenz, mehr Transparenz", betonte Bildungsministerin Erdsiek-Rave. Dies gelte für folgende Projekte:

  • Vergleichsarbeiten (VERA) werden für alle Schularten entwickelt. Sie werden am Ende der Klassen 3 (im Schuljahr 2005/06 noch Anfang Klasse 4, im Schuljahr 2006/07 am Ende der Klasse 3), Klassenstufen 6 und 8 geschrieben.
  • Die Evaluation im Team (EVIT) oder Schul-TÜV soll künftig alle vier statt bisher alle sieben Jahre stattfinden. Das Verfahren wird inhaltlich weiterentwickelt.
  • Schrittweise werden zentrale Prüfungen für alle Schulabschlüsse eingeführt. Das Zentralabitur ist für das Schuljahr 2007/08 geplant.
  • Die Schulen informieren in "Schulporträts" über ihre pädagogischen Angebote, inhaltlichen Schwerpunkte, aber auch Unterrichtsversorgung, Ergebnisse des Schul-TÜV und Schulprogramme.

In vielen dieser Projekte werde eine enge Zusammenarbeit mit Hamburg angestrebt. Ein gemeinsames Ziel sei unter anderem eine fachliche unabhängige Qualitätsagentur im norddeutschen Verbund, betonte die Ministerin.

"Schulpolitik ist seit PISA vor allem Reformpolitik. Wir haben sie in Schleswig-Holstein unter die Überschrift "Fördern und Fordern" gestellt und uns ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Alle Kinder müssen die Schule als einen Ort des sozialen Aufstiegs und Ausgleichs erfahren", sagte Bildungsministerin Erdsiek-Rave. Mit der Verlässlichen Grundschule, dem Ausbau der Ganztagsschulen oder der Einführung von Bildungsstandards und Vergleichsarbeiten seien erste wichtige Impulse gesetzt worden. "Weitere werden und müssen folgen, damit der Schulbesuch für alle Kinder zum Erfolg wird."


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