Karin Wolff: "Hessische Schüler besser denn je auf Arbeit und Beruf vorbereitet"

"Noch nie waren Hessens Schüler besser auf Arbeitsmarkt und Berufswirklichkeit vorbereitet als heute", erklärt Kultusministerin Karin Wolff zur Vorstellung der neuen Veröffentlichung "Stark in der Schule – Stark für Ausbildung und Beruf".

31.10.2006 Hessen Pressemeldung Hessisches Kultusministerium

An die Wirtschaft appelliert die Ministerin, "diese Jugendlichen nicht schlecht zu reden, sondern ihnen Ausbildungsplätze und Perspektiven zu bieten". Im Vorwort der ab sofort als Download in der Rubrik "Bildungspolitik" von www.kultusministerium.hessen.de online abrufbaren Veröffentlichung des Kultusministeriums bekräftigt Karin Wolff, dass es "zu den Kernaufgaben der heutigen Schule gehört, junge Menschen auf die Erfordernisse der Arbeitswelt vorzubereiten". Detailliert wird beschrieben, wie die Landesregierung das hessische Bildungswesen in den vergangenen Jahren von Grund auf modernisiert hat, damit "Schülerinnen und Schüler besser denn je auf Ausbildung und Beruf vorbereitet" sind.

Basis des Erfolgs in Hessen ist seit 1999 die Unterrichtsgarantie: Alle in der Stundentafel vorgesehenen Unterrichtsstunden sind durch Lehrerstellen abgedeckt. Dafür wurden seit 1999 über 3.500 Lehrer- und 2.100 Referendarstellen neu geschaffen und die Lehrerwochenstunden um fast zehn Prozent auf aktuell 1.218.696 erhöht. Dafür investiert die Hessische Landesregierung jährlich rund 600 Millionen Euro mehr in Bildung als noch vor 1999. Als "Plus" und zweite Stufe der Unterrichtsgarantie ist mit dem laufenden Schuljahr die verlässliche Schule gestartet: Bis Klasse 10 sollen sich Eltern darauf verlassen können, dass kein Kind aufgrund von Stundenausfall mehr vorzeitig nach Hause geschickt wird. Dazu wurden – verglichen mit 1999 – die Vertretungsmittel auf 42 Millionen Euro mehr als versiebenfacht.

Um die Qualität zu erhöhen, hat Karin Wolff eigene Lehrpläne und eigene Stundentafeln für alle verschiedenen Schulformen eingeführt. Verbindliche Themen, Inhalte und Abschlussprofile kennzeichnen seither Hessens Lehrpläne, die mit Praxisbezug, Methodenlernen, Medienerziehung und Betriebspraktika auf die Erfordernisse der Berufswelt ausgerichtet worden sind. Speziell in der Hauptschule wird mehr Wert auf Übungs-, Praxis- und Gestaltungsphasen gelegt. Um die von Arbeitgebern oft vermisste solide Grundbildung sicherzustellen, wurden die Grundschul-Stundentafeln um fünf Stunden aufgestockt sowie der Unterricht in Deutsch, Mathematik und Naturwissenschaften in allen Schulformen sowie das Fach Arbeitslehre an Hessens Haupt- und Realschulen gestärkt.

Zur Qualitätssicherung und -verbesserung wurden Bildungsstandards und das Institut für Qualitätsentwicklung (IQ) als "Schul-TÜV" eingeführt. Hinzu kommen Landesprüfungen in allen Schulformen, schulinterne Vergleichsarbeiten, der Mathematikwettbewerb der achten Klassen sowie die Teilnahme an internationalen Bildungsstudien. Um unterschiedlichen Bedingungen vor Ort entsprechen zu können, erhalten Hessens Schulen durch Jahresstundentafeln und Mittel für schuleigene Vertretungspools und Lehrerfortbildung mehr Eigenverantwortung. Mit dem Bildungs- und Erziehungsplan "Bildung von Anfang an" bietet Hessen Kindern frühzeitig optimale Entwicklungschancen und steuert auf einen flexiblen Schulanfang zu.

Weil Arbeitgeber auf aussagekräftige Schulabschlüsse Wert legen, sorgen in Hessen Landesprüfungen für Vergleichbarkeit und wurden Wirtschaftsvertreter in Fachkommissionen zum Erstellen von Prüfungsaufgaben berufen. Bei einer Jahresleistung ab der Gesamtnote 3,0 und Teilnahme an der zentralen Englisch-Abschlussprüfung berechtigt der qualifizierende Hauptschulabschluss nach der neunten Klasse in Hessen zum freiwilligen Besuch eines zehnten Hauptschuljahres mit dem Ziel Mittlerer Abschluss. Analog dazu können an beruflichen Schulen einfacher und qualifizierender Hauptschulabschluss sowie Mittlerer Abschluss erworben werden. Die wieder eingeführten Kopfnoten informieren in hessischen Schulzeugnissen über das Arbeits- und Sozialverhalten. Um Ausbildungszeiten zu verkürzen, wurde Rahmen des G8-Projekts die Gymnasialzeit auf acht Schuljahre reduziert.

Voraussichtlich 523 Schulen werden bis 2008 für ein flächendeckendes, aber freiwilliges Ganztagsangebot in ganz Hessen sorgen. Dank dem "Ganztagsprogramm nach Maß" wurden bereits rund 320 Lehrerstellen an hessische Schulen gebracht, weitere 120 kommen bis zum Schuljahr 2008/09 hinzu. In der beruflichen Bildung sorgen Fachklassen für Bedarfs- und Ausbildungsorientierung. Mit der ausbildenden Wirtschaft, Schulträgern, Kammern und Innungen arbeitet das Bildungsland Hessen an einer Bildungsnetzwerk-Struktur und setzt in Berufsschulen auf bestmögliche und differenzierte Förderung.

Bildungspolitisch hat sich die Landesregierung bis 2008 vier strategische Ziele gesetzt:

* Am Ende des zweiten Grundschuljahres sollen alle Schülerinnen und Schüler altersgemäße Texte sinnerfassend lesen können.
* Verringern der PISA-Risikogruppe von in Hessen 27 Prozent um ein Drittel durch Verbessern der Lesekompetenz in der Sekundarstufe I.
* Verringern der Anzahl der ohne Hauptschulabschluss Schulentlassenen um ein Drittel.
* Verringern des Anteils von Absolventen in 15 definierten Bereichen des dualen Systems, die den theoretischen Teil der Abschlussprüfungen nicht besteht.

Mit passgenauen Förderinitiativen ist Hessen auf gutem Wege, diese Ziele zu erreichen: So sorgen jetzt individuelle Förderpläne an allen hessischen Schulen dafür, dass leistungsschwache Schülerinnen und Schüler Rückstände aufholen können. Kinder und Jugendliche mit Schwierigkeiten beim Lesen, Rechtschreiben und Rechnen werden gezielt gefördert, erhalten Nachteilsausgleich und in Extremfällen auch Notenschutz. Rund 45 Millionen Euro investiert das Hessische Kultusministerium in die Sprachförderung von Migrantenkindern. An den seit 2002 landesweit freiwillig angebotenen Deutsch-Vorlaufkursen haben über 22.000 Kinder mit über 95 Prozent Erfolgsquote teilgenommen. Bei unzureichenden Sprachkenntnissen sind Vorklassen-Besuche oder schulische Sprachkurse für hessische Schulkinder Pflicht. Landesweite Intensivklassen und -kurse sorgen dafür, dass Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger in die Lage versetzt werden, dem deutschsprachigen Unterricht zu folgen, Alphabetisierungs- sowie Deutsch-Förderkurse und das Projekt "Deutsch und PC" ergänzen dieses Angebot.

Höchst erfolgreich sind die SchuB-Klassen zum Lernen und Arbeiten in Schule und Betrieb für Schülerinnen und Schüler, deren Hauptschulabschluss hochgradig gefährdet ist: Die Erfolgsquote des ersten Jahrgangs lag über 90 Prozent, 71 von 206 Teilnehmerinnen und Teilnehmern haben sogar den qualifizierenden Hauptschulabschluss erlangt und die Chancen auf dem Arbeitsmarkt steigen: Bis Juli 2006 hatten bereits 68 SchuB-Klässler eine verbindliche Ausbildungsplatz- und 11 eine Arbeitsplatz-Zusage, weitere 57 besuchen weiterführende Schulen. Mit 82 SchuB-Klassen gibt es nun dreimal so viele wie bei deren Start 2004.

Ebenfalls verdreifacht hat Hessen mit 111 Förderschulen als sonderpädagogischen Beratungs- und Förderzentren gegenüber 1998 deren Zahl. Schülerinnen und Schüler mit Lern-, Sprach- und Verhaltensschwierigkeiten sowie Hör- oder Sehbeeinträchtigungen erhalten so qualifizierte Unterstützung, um weiter am allgemeinen Unterricht ihrer angestammten Schule teilnehmen zu können. Einsichten in die Arbeitswelt und Orientierung für die Berufswahl vermittelt die Zusammenarbeit hessischer Schulen mit der Wirtschaft und einzelnen Unternehmen, wirkungsvoll unterstützt durch die Landesarbeitsgemeinschaft Schule-Wirtschaft Hessen. Arbeitslehre, Betriebsbesuche, Praxistage Betriebspraktika, Bewerber- und Methodentraining sorgen für mehr Praxisnähe und Anwendungsbezug. Auch in der Lehrerbildung wurde die Berufsorientierung mit dem Projekt "Lambas" sowie neuen Ausbildungsmodulen gestärkt. Insgesamt hessische 132 Schulen haben Berufswahlpässe bestellt, um die Berufswahl und Perspektiven ihrer Schülerinnen und Schüler zu verbessern.

Gemeinsam mit Hessens Schulträgern und Partnern aus der Wirtschaft fördert das Kultusministerium mit dem Projekt Schule@Zukunft die für viele Berufe unverzichtbare Medienkompetenz. Seit dem Projektstart 2001 wurden über 100 Millionen Euro in moderne Informationstechnologie für die Schulen sowie das Stärken der Medienkompetenz von fast 20.000 Lehrkräften investiert. Weitere 15 Millionen Euro stellt allein das Land bis 2008 bereit.

Im Rahmen der Entwicklungspartnerschaft Regionale Bildungsnetzwerke zur Orientierung im Übergang Schule-Arbeitswelt werden Schülerinnen und Schüler von Förder-, Haupt- und Gesamtschulen ab Jahrgangsstufe 7 mit Mitteln aus dem EQUAL-II-Programm der Europäischen Union beim Einstieg in Berufsausbildung und Erwerbsleben gefördert und unterstützt, deren Hauptschulabschluss und Berufseinstieg gefährdet ist. In solchen regionalen Bildungsnetzwerken arbeiten Unternehmen sowie deren Verbände, freie Träger der Bildungs- und Sozialarbeit, Schulämter, Jugendberufshilfe, Agenturen für Arbeit sowie hessische Schulen auf Basis von Kooperationsvereinbarungen zusammen. Mit der Weiterbildung von Übergangsmanagern und systematischem Übergangsmanagement wird eine professionelle Begleitung der Schülerinnen und Schüler über die Projektdauer hinaus sichergestellt.

Mit Landesmitteln und Geldern aus dem Europäischen Sozialfonds fördert das Programm zur Eingliederung in die Berufs- und Arbeitswelt (EIBE) derzeit die Zusammenarbeit von 66 beruflichen Schulen in Hessen mit 53 Trägern sozialpädagogischer Betreuung. Ziele von EIBE sind der Einstieg in den Beruf und soziale Kompetenzen für Jugendliche meist ohne Schulabschluss, Arbeits- oder Ausbildungsplatz, dafür vielfach mit Migrationshintergrund. Dabei werden sozialpädagogische Betreuung und Praktika im Zusammenspiel von regionalen Wirtschaftsunternehmen und schulischen Fördermaßnahmen sowie projektorientiertem Lernen und Arbeiten angeboten. Über 16.000 Jugendliche haben bislang hessenweit von EIBE-Maßnahmen profitiert, von denen 12.500 in Ausbildung, Beruf sowie schulische und berufliche Qualifizierungsmaßnahmen übernommen worden sind. EIBE verdanken 8.700 hessische Jugendliche ihren Hauptschulabschluss. Kompetenzen in Netzwerken zu aktivieren, ist darüber hinaus Ziel des mit Landes- und Bundesmitteln geförderten Modellvorhabens KONEKT. Es ergänzt das EIBE-Angebot durch eine erweiterte sozialpädagogische Betreuung und erhöhten Praktikumsanteil, Basisqualifikationen und Qualifizierungsbausteine und noch stärkerem Einbinden regionaler Betriebe, Kammern und Innungen. Bislang haben 175 Jugendliche in Hessen an KONEKT teilgenommen, von denen 52 Prozent in Ausbildung und Arbeit sowie 35 Prozent in weiterführende Schulen oder berufliche Qualifizierungsmaßnahmen vermittelt wurden. Ihren Hauptschulabschluss haben 44,5 Prozent mit KONEKT nachgeholt.

Eine solide Grundlage zur Berufsvorbereitung hat Kultusministerin Karin Wolff ferner mit der neuen Verordnung über die Ausbildung und Abschlussprüfungen in den Bildungsgängen zur Berufsvorbereitung gelegt. Sie setzt auf das Fördern von Jugendlichen, damit diese ihre beruflichen Neigungen und Fähigkeiten besser erkennen, Basisqualifikationen erwerben und Qualifizierungsbausteine nutzen, um die berufliche Schule mit Abschluss zu verlassen. Der erfolgreiche Erwerb wird von den Kammern zertifiziert. So können gerade leistungsschwächere Jugendliche ihre Chancen beim Einstieg in die Berufs- und Arbeitswelt erhöhen.


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