Ganztagsbetreuung massiv ausgebaut – Hauptschule erhält neuen Stellenwert

Die neue Hauptschulinitiative und die Ausweitung der Ganztagsangebote zum neuen Schuljahr 2006/2007 um ein Fünftel stellte Bayerns Kultusminister Siegfried Schneider bei der Pressekonferenz zum Schuljahresbeginn dar. Der Kultusminister betonte heute in München: "Durch die Einstellung von insgesamt 4717 Lehrkräften und damit 110 mehr als im vergangenen Jahr haben wir das Niveau der Unterrichtsversorgung in Bayern gesichert." Unter den 1,88 Millionen Schülern im Freistaat befinden sich 131.300 ABC-Schützen. "Es ist mein Grundanliegen, alle Talente zu fördern", so Minister Schneider. Schließlich benötige Bayern den Wissenschaftler und den Arzt ebenso wie den Facharbeiter und den Handwerksmeister.

08.09.2006 Bayern Pressemeldung Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus

Berufsfähigkeit der Hauptschüler stärken

Mit seiner Hauptschulinitiative will Kultusminister Schneider die Berufsfähigkeit der Schüler stärken. "Der Großteil der Hauptschüler erbringt in der Schule gute Leistungen und nutzt nach dem Schulabschluss die Chancen der beruflichen Bildung", steht für den Minister nach Gesprächen mit Unternehmern fest.

"Jeder Schüler, der die erforderlichen Grundkompetenzen und die notwendige Einstellung mitbringt, soll die Ausbildungsreife erreichen", so der Minister. Die Hauptschule in Zukunft soll den Schülern die Kernkompetenzen der modernen Gesellschaft verstärkt vermitteln. In 23 Hauptschulen werde erprobt, die Kerninhalte der Fächer Deutsch, Mathematik, Soziales Lernen, Arbeit-Wirtschaft-Technik sowie Musik/Kunst zu modularisieren.
Die Hauptschüler sollen mit den nötigen Schlüsselqualifikationen besser auf das Arbeits- und Berufsleben vorbereitet werden.
Das weitere Vorgehen werde auf einem Hauptschulgipfel in Ingolstadt diskutiert.

Ganztagsangebote um ein Fünftel erhöht

Dem Ziel der Staatsregierung, die Ganztagsangebote in Bayern konsequent und bedarfsgerecht auszubauen, ist Kultusminister Siegfried Schneider merklich näher gekommen. Bis 2008 sollen insgesamt 1000 offene und 100 gebundene Ganztagsschulen eingerichtet werden. Kinder können im Schuljahr 2006/2007 Betreuungs- und Förderangebote an 698 offenen und 90 gebundene Ganztagsschulen nutzen.
Die offenen Ganztagsschulen wurden um 18 Prozent ausgebaut.

Offene Ganztagsangebote / Schuljahr 2006/07 / Schuljahr 2005/06 / Veränderung

Hauptschulen / 426 / 343 / + 83
Realschulen / 124 / 116 / + 8
Gymnasien / 148 / 132 / + 16
Gesamt / 698 / 591 / +107

Die Zahl der gebundenen Ganztagsschulen wurde um 28,6 Prozent erhöht.

Gebundene Ganztagsangebote / Schuljahr 2006/07 / Schuljahr 2005/06 / Veränderung

Grundschulen / 10 / - / + 10
Hauptschulen / 62 / 52 / + 10
Realschulen / 6 / 6 / -
Gymnasien / 12 / 12 / -
Gesamt / 90 / 70 / + 20

Außerdem können im Schuljahr 2006/2007 rund 51.000 Grundschüler in 3167 Gruppen der Mittagsbetreuung zuverlässig bis 13 bzw. 14 Uhr betreut und gefördert werden; im Schuljahr 2005/2006 waren es 2940 Gruppen mit rund 47.696 Schülern.

Kein Abschluss ohne Anschluss – Berufliche Oberschule

Den Weg zum Studium über die berufliche Bildung will Kultusminister Schneider ausbauen. "Es gehört zu meinen wichtigsten Zielen, neben dem Abitur an einem Gymnasium als klassischem Weg zum Studium den bestehenden zweiten Zugang zur Hochschulreife über berufliche Schulen auszuweiten", unterstrich der Minister. Bei seinem Vorhaben stützt er sich auf gute Erfahrungen in der Fachoberschule und der Berufsoberschule.
Einzelne Maßnahmen auf diesem Weg werden im neuen Schuljahr realisiert, etwa Übergangshilfen für Jugendliche, die nach der Lehre die Berufsoberschule besuchen wollen. Minister Schneider will den Grundsatz "Kein Abschluss ohne Anschluss" konsequent umsetzen.

Eltern und Lehrer sollen eng zusammen arbeiten

Angesichts der Veränderung der Gesellschaft forderte Minister Schneider Lehrer und Eltern dazu auf, in Erziehungs- und Bildungsfragen eng zusammen zu arbeiten. Er dankte ihnen aber auch für Ihre Arbeit "zum Wohle unserer Kinder".
Mit der Änderung des Bayerischen Gesetzes über das Erziehungs- und Unterrichtswesen unterstützt der Freistaat die Schule in ihrem Erziehungsauftrag, so Minister Schneider. Konkret wurden mit Wirkung zum neuen Schuljahr Sanktionen gegen eine kleine, aber wachsende Anzahl von aggressiven Schülerinnen und Schüler verschärft. Außerdem ist an Bayerns Schulen die Handynutzung und das Rauchen ab dem neuen Schuljahr verboten.

Naturwissenschaften sind von zentraler Bedeutung

Aufgrund ihrer besonderen Bedeutung für die positive Entwicklung der Gesellschaft seien die Naturwissenschaften in den Stundentafeln und Lehrplänen der verschiedenen Schularten fest verankert.
Für das zweite Schulhalbjahr kündigte der Minister eine Techniktagung an. Bei diesem sollen sich einschlägige Unternehmen den Schulen vorstellen können. Ebenso haben Schulen, die einen interessanten technischen Schwerpunkt haben, die Möglichkeiten, diesen den Unternehmen zu präsentieren.
Bayerns Schüler hätten bei Schülerwettbewerben und "Olympiaden" in den Naturwissenschaften bewiesen, welche Leistungen sie erbringen können. Bei "Jugend forscht 2006" kamen zwei Bundesieger aus Bayern.
Von den 19 Siegern des Bundeswettbewerbs Mathematik stammen 7 aus Bayern.

Sprachförderung frühzeitig beginnen

"Den Schlüssel für den Erfolg junger Menschen mit Migrationshintergrund in der Schule und in der Berufsausbildung bildet die Sprache", so Minister Schneider. Deshalb setzt Bayern auf eine möglichst frühzeitige Sprachförderung, für die im neuen Schuljahr rund 30,5 Millionen € bereitgestellt (im Vorjahr waren es 29,2 Millionen €) werden.
Kinder mit Migrationshintergrund und nichtdeutscher Muttersprache müssen künftig im Jahr vor Beginn der Schulpflicht an einer verbindlichen Sprachstandserhebung teilnehmen.
Sollten sie bei der Erhebung nicht über ausreichende Deutschkenntnisse verfügen, werden sie aufgefordert, einen Vorkurs zur Förderung der deutschen Sprachkenntnisse mit 160 Stunden zu besuchen.
Ab dem Schuljahr 2007/2008 können Schulen Kinder zurückstellen, die bei der Schulanmeldung nicht über die nötigen Deutschkenntnisse verfügen und keinen Vorkurs besucht haben.

In den Schulen werden weiterhin Sprachlernklassen Übergangs- und Eingliederungsklassen für Kinder und Jugendliche nichtdeutscher Muttersprache angeboten.
Die Gymnasien in Bayern unternehmen zusätzliche Anstrengungen, um Schülerinnen und Schüler mit nichtdeutscher Muttersprache auf dem Weg zum Lernerfolg zu unterstützen.

Schulevaluationen werden fortgesetzt

Die Bemühungen um die Sicherung und Verbesserung der Unterrichts- und Schulqualität, die Minister Schneider bei einem Fachkongress im November 2005 forciert hat, werden konsequent fortgesetzt. Im neuen Schuljahr werden rund 60 Teams 450 Schulen begehen, im vergangenen Schuljahr haben 44 Teams rund 260 Schulen evaluiert.
Der Schulqualität dienen Maßnahmen zu mehr Eigenverantwortung und Gestaltungsfreiheit für Schulen, etwa der Schulversuch Profil 21 für Berufsschulen und ein Schulversuch der Stiftung Bildungspakt Bayern zur Rolle der Schulleiter.

Unterrichtsversorgung auf bisherigem Niveau gesichert

Die Unterrichtsversorgung kann in Bayern im Schuljahr 2006/2007 auf dem bisherigen Niveau gesichert werden, so der Minister. Im Schuljahr 2006/2007 stellt der Freistaat insgesamt über alle Schularten hinweg 4717 Lehrkräfte ein, das sind 110 mehr als im Vorjahr.

Im Schuljahr 2006/2007 werden voraussichtlich 775.524 Mädchen und Buben die staatlichen und privaten Volksschulen besuchen, davon die Grundschule 510.337 sowie die Hauptschule (Jahrgangsstufen 5-10) 265.187 (-15.247 gegenüber dem Vorjahr).

Die Zahl der Praxisklassen wird im neuen Schuljahr auf 104 angehoben (es waren 95 im Vorjahr). 1.962 Klassen werden für rund 42.000 besonders leistungsfähige Hauptschüler gebildet (M-Klassen), in denen sie den mittleren Bildungsabschluss erwerben können.

229.421 Schüler werden im Schuljahr 2006/2007 Realschulen in Bayern besuchen, darunter 165.253 die staatlichen Realschulen.
Im Schuljahr 2006/07 besuchen bayernweit 364.200 Schüler das Gymnasium, das sind 7058 mehr als im Vorjahr.

Die beruflichen Schulen werden von 421.000 Schüler besucht. An den Berufsschulen sind 276.645 Schüler (- 572 gegenüber dem Vorjahr) angemeldet, an den staatlichen Berufsschulen 188.591 Schüler (+ 418 gegenüber dem Vorjahr). 27.258 Schüler besuchen Berufsfachschulen (-1167 im Vergleich zum Vorjahr), davon 12.292 die Staatlichen Berufsfachschulen (+ 116 im Vergleich zum Vorjahr).

An den Volksschulen zur sonderpädagogischen Förderung steigt die Anzahl der Schüler im Schuljahr 2006/2007 geringfügig auf 60.217 an.


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