Unternehmer gründen neue Privatschule
(kg) Eine bilinguale Schule mit individueller Talentförderung, Ganztagsbetreuung und internationalem Konzept – diese Schule wünschen sich Unternehmer für ihren Nachwuchs. Ihrer Ansicht nach kann die Bildungslandschaft in Deutschland eine solche Schule mit hoher Bildungsqualität gut gebrauchen. Zur Gründung riefen Unternehmer die Phorms Management Aktiengesellschaft ins Leben. Die erste Phorms Schule nimmt nach den Sommerferien in Berlin ihren Betrieb auf.
28.08.2006 ArtikelDer Name Phorms, abgeleitet aus Form und Metamorphose, steht für das Konzept der neuen Privatschule. Das Bildungsangebot will Rahmen und Basis für die Entwicklung der Schüler sein. „Unser Ziel ist, Bildung auf der Grundlage der besten Unterrichtsmethoden mit individueller Förderung anzubieten“, sagt Béa Bordenache, Vorstandsvorsitzende der Phorms Management AG. Die neue bilinguale Schule beginnt mit der Vorschule und kann mit dem Abitur oder dem International Baccalaureate abgeschlossen werden.
Das Konzept basiert auf der Überzeugung, dass jedes Kind besondere Talente besitzt, die es in der Schule zu entdecken und zu fördern gilt. Deshalb werden die Lehrer den Unterrichtsstoff auf die Stärken und Schwächen der einzelnen Schüler abstimmen. Kommunikationsstarke Schüler übernehmen so beispielsweise die Präsentation ihrer Arbeitsgruppe, während diejenigen, die das Präsentieren weniger gut beherrschen, noch weiter üben.
Keine Sitzenbleiber
Leistungsstärkere Schüler können ebenfalls jüngere Schüler beim Lernen unterstützen. Die Schüler sollen Erfolgserlebnisse erreichen, weil sie so lernen, den eigenen Fähigkeiten zu vertrauen und dazu ermutigt werden, an Schwachpunkten zu arbeiten. Maximal 20 Schüler sind pro Klasse geplant. Die Förderung besonderer Talente sowie das Ausgleichen von Schwächen finden in Projektgruppen statt. Diese werden von Schülern verschiedener Klassen und Klassenstufen besucht.
Sitzenbleiben können die Schüler an der Phorms School nicht. „Die Privatschulen, an denen Schüler eine Klasse wiederholen, werden zunehmend weniger“, berichtet Martin Kunze, Sprecher des Bundesverbands Deutscher Privatschulen. Sitzenbleiben erfülle nicht seinen Zweck, die Schwierigkeiten der Schüler würden bleiben. Es sei an Privatschulen eher ein seltenes Problem, da Schüler dort besser gefördert werden könnten. Von allen Schülern Deutschlands besuchen 6,5 Prozent Schulen in freier Trägerschaft.
Unterrichtssprachen an der Phorms School sind Deutsch und Englisch. In der Vorschule sollen die Kinder die englische Sprache spielerisch lernen, daher findet der Unterricht für die jüngsten Schüler überwiegend in Englisch statt. Damit keine Verständigungsprobleme auftreten, werden sie von Erziehern unterrichtet, die beide Sprachen beherrschen. In den Klassen eins bis vier finden 70 Prozent des Unterrichts in Englisch statt. Unterrichtsinhalte mit Bezug zur deutschen Gesellschaft und Kultur werden in Deutsch vermittelt. Ab der fünften Klasse steht eine weitere Fremdsprache auf dem Stundenplan. Geplant sind Französisch, Spanisch und Chinesisch. Für Schüler, die in höheren Klassen auf die Phorms School wechseln und geringere Englischkenntnisse besitzen, sind Intensivkurse vorgesehen.
Schüler beim Lernen leiten und motivieren
Der Unterricht an der neuen Privatschule ist nicht nach Fächern, sondern nach Themen gegliedert. Die Lehrer stellen für einen Zeitraum von ein bis vier Wochen altersund entwicklungsgemäßes Lehrmaterial zu Themen wie Wasser, Ernährung oder Freundschaft zusammen. Jedes Thema wird sich durch mehrere Lernfelder ziehen, die von Lehrplänen vorgegeben werden. Die Unterrichtsinhalte basieren auf dem Berliner Rahmenplan und auf dem Cambridge International Curriculum, einem englischen Bildungsprogramm für Schulen im Ausland. Die Lehrer nehmen die Rolle eines Trainers ein, der die Schüler beim Lernen leitet und motiviert. Die Schüler sollen selbständig allein oder in Gruppen lernen und wie kleine Forscher durch Fragen und Versuche ihre Umwelt entdecken. Der Unternehmer und Mathematiker Peter Adorjan begrüßt das fächerübergreifende Lernkonzept. Als Mitbegründer der Schule ist er für die Finanzen zuständig. Seine Tochter Luca ist eine von 41 angemeldeten Schülerinnen und Schülern.
Rechercheaufträge statt Hausaufgaben
Hausaufgaben soll es an der neuen Privatschule auch nicht geben. Stattdessen Rechercheaufträge, bei denen die Schüler Antworten auf Fragen finden oder ein Unterrichtsthema vertiefen sollen. Auch gängige Stundentafeln und Pausenzeiten gehören nicht zum Konzept: Der Unterricht beginnt in einer gleitenden Anfangsphase zwischen 8.30 Uhr und 9 Uhr und ist verpflichtend bis 13.30 Uhr. Die Pausenzeiten sind flexibel und richten sich nach der Konzentrationsfähigkeit der Schüler. Nach dem Mittagessen stehen individuelle Förderung sowie Sport-, Musik- und Kunstangebote für die Schüler zur Verfügung. Béa Bordenache von der Phorms Management AG weist darauf hin, dass die Rhythmisierung von Unterrichtsphasen, Pausen, sportlichen Aktivitäten oder Freizeitangeboten einen lang anhaltenden Lernerfolg ermögliche.
Ziel der Schule ist außerdem eine Öffnung nach außen: Museen, Stadterkundungen sowie Kooperationen mit Unternehmen sollen zum Schulbetrieb gehören. „Die Kinder sollen auch sehen, wie eine Pizza gebacken wird oder ein Auto entsteht“, sagt Béa Bordenache, die vor ihrer Tätigkeit für die Phorms Management AG Unternehmensberaterin war. Zur Vermittlung verschiedener Kulturen zählen bei Phorms auch internationale Gerichte zum Mittagessen. Die Schule bietet Betreuung von 7.30 Uhr bis 18 Uhr, für Kinder mit weitem Schulweg ist ein Fahrdienst geplant.
Internationales Kollegium
Beraten lässt sich die Schule von der International Educational Initiative, deren Mitarbeiter Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit und der Entwicklung von Schulen besitzen. Einer der Berater ist Wilf Stout, er hat unter anderem eine internationale Schule in Frankfurt und in Südafrika aufgebaut und ist Bildungsadministrator der Universität Cambridge. International ist nicht nur das Beraterteam, sondern auch das Kollegium. Leiterin der Grundschule ist die Engländerin Celia Budge, die rund 30 Jahre Lehr- und Leitungserfahrung besitzt und in Großbritannien, Deutschland, Dänemark und Hongkong unterrichtet hat. Die Oberstufe wird Richard Hengelbrok leiten: Der Amerikaner besitzt ebenfalls internationale Erfahrung. Das einkommensabhängige Schulgeld für die Phorms School kostet monatlich zwischen 201 und 864 Euro. Finanziert und organisiert wird die Schule von der Phorms Management AG. Zu den Investoren zählen Antonella Mei-Pochtler, Geschäftsführerin der Boston Consulting Group und Rolf Schmidt-Holtz, Vorstandsmitglied bei Sony. Im Vorstand und Aufsichtsrat sitzt unter anderem auch Jürgen Frank, der Leiter der Bildungsabteilung im Kirchenamt der Evangelischen Kirche und Vorsitzender der EKD-Schulstiftung.
Die erste Phorms School startete in Berlin im August. Geplant sind weitere Schulen in Hamburg, Frankfurt und München.
Links
Phorms
Bundesverband deutscher Privatschulen
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