Gute Schule für unser Land, bessere Chancen für unsere Kinder

Dies ist ein guter Tag für Gute Schule. Wir stehen vor der Verabschiedung des neuen Schulgesetzes, das wichtige Bausteine für gute Schule bereitstellt. Ich sage bewusst Bausteine, denn dieses Gesetz liefert nur den Rahmen: Gute Schule entsteht im Inneren, im guten Zusammenwirken von Eltern, Lehrern, Schülern und allen Partnern, die am Schulleben beteiligt sind.

22.06.2005 Mecklenburg-Vorpommern Pressemeldung Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur Mecklenburg-Vorpommern

Sieben Bausteine haben eine besondere Bedeutung: Ganztagsschule, Mehr Selbstständigkeit für Schule, Längeres gemeinsames Lernen, Gesamtschule, Neue Abiturprüfungsverordnung, ausreichende Größe für lebendige, gute Schulen, Qualitätsmanagement

Erster Baustein: Ganztagsschule

Das neue Schulgesetz gibt die Möglichkeit, Ganztagsschule nicht nur in offener Form, sondern auch in gebundener Form zu organisieren. In der gebundenen Ganztagsschule ist die Teilnahme am Schulprogramm für die Schüler verpflichtend. Diese gebundene Ganztagsschule kann teilweise, also für einen Teil der Schüler verpflichtend oder voll gebunden geprägt sein, dann für alle Schüler verpflichtend. Die Entscheidung liegt bei der Schulkonferenz.

Für die Eltern ist die gebundene Form mit verlässlichen Betreuungszeiten verbunden. Für die Träger ist der Schülertransport oft leichter zu organisieren. Das Wesentliche aber ist eine neue Schulkultur:

In Ganztagsschulen ist Zeit für mehr Unterricht, vor allem aber auch für anderen Unterricht gegeben. Zeitintensive Unterrichtsformen, wie offener Unterricht oder Initiativen zum selbstständigen Lernen, finden ihren Raum. Es gibt über den Tag verteilt mehr Ruhe für das individuelle Lernen und das Fördern von Schülerbegabungen in der Schule. Einsame Hausaufgaben werden zu Schularbeiten in der Gemeinschaft: Die Chancengleichheiten der Bildung wird erhöht, wenn Ganztagsschule mangelnde Betreuungsmöglichkeiten in der Familie oder eine schwache regionale Bildungsangebote außerhalb der Schulen ausgleichen kann. Die gebundene Ganztagsschule schafft eine verlässliche Lern- und Lebenswelt, sie öffnet Schulen für die Kooperation mit Vereinen, Künstlern, Kirchen, Betrieben, Trägern der Jugendhilfe und Sozialarbeit. Sie beinhaltet die Verzahnung von schulischen und außerschulischen Institutionen. Durch die vielen Beteiligten ist sie auch sichtbare Bildungspartizipation mit den Kindern und Jugendlichen im Mittelpunkt guter Schule.

Zur weiteren Entwicklung der Ganztagsschulen sollen einige Verbesserungen ihrer Rahmenbedingungen beitragen. Dazu gehört die personelle Ausstattung, der Faktor der Unterrichtswochenstunden pro teilnehmenden Schüler wird fast verdoppelt. Mit der Klärung der zukunftsfähigen Standorte für unsere Schulen können die Mittel des Investitionsprogrammes für bauliche Verbesserungen weiter ausgeschöpft werden, hier ist bereits jetzt ein Drittel der vorgesehenen Gesamtfördersumme, 28 Mio. von 93 Mio. Euro für Mecklenburg-Vorpommern, mit 55 Zuwendungsbescheiden ausgereicht worden. Nicht zuletzt verbessert die Regelung der gebundenen Ganztagsschule die Rahmenbedingungen guter Schule: Sie fördert Stetigkeit, Planbarkeit und Wirksamkeit der pädagogischen Programme.

Zweiter Baustein: Mehr Selbstständigkeit für Schulen

Im Gesetzestext heißt es, die Schulen planen und gestalten den Unterricht, die Erziehung und die Organisation ihrer inneren Angelegenheiten eigenverantwortlich. Ihnen soll Personal- und Sachmittelverantwortung übertragen werden. Das Land und die Schulträger sind verpflichtet, die Schulen in ihrer Selbstständigkeit und Eigenverantwortung zu fördern und zu unterstützen.

Eine Ganztagsschule die mehr Selbstständigkeit in ihrer Organisation hat und über eine ausreichend großen Schülerzahl verfügt, hat beste Voraussetzungen, eine gute Schule zu sein. Die durch die Schulgesetznovelle entstandenen Freiräume für Schulleitungen in personellen und sächlichen Angelegenheiten bieten bessere Voraussetzungen für effektive und bedarfsgerechte Entscheidungen vor Ort und für eine selbstständigere Verwaltung und Gestaltung von Schule.

Dazu gehört das Arbeitsfeld Personalmanagement: In den selbstständigeren Schulen hat es sich im Modellversuch bewährt, dass die Schulleitungen in einem begrenzten Rahmen über den Einsatz der Lehrkräfte in Abstimmung mit dem örtlichen Personalrat selbst entscheiden kann. Dadurch kann auch den Wünschen der Lehrkräfte und dem situationsbedingten Bedarf in der jeweiligen Schule besser entsprochen werden. Die Lehrer arbeiten in höherer Arbeitszufriedenheit und mit Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung.

Dazu gehört das Arbeitsfeld Mittelbewirtschaftung: Die Schulen schließen dazu Verträge mit dem Schulträger ab. Die Selbstbewirtschaftung umfasst Sachmittel des Schulträgers sowie zweckgebundene Einnahmen, Einnahmen aus Vermietung, Einnahmen aus Verwaltungsgebühren. Der Schulleiter entscheidet über die sächlichen Anschaffungen der Schule.

Dazu gehört das Arbeitsfeld der inner- und außerschulischen Partnerschaften. Gerade im pädagogischen Ansatz der Ganztagsschulen ist die Einbeziehung von Kooperationspartnern aus der Region wichtig, um das Angebot der Schule auszugestalten.

Dritter Baustein, von besonderer Bedeutung: Längeres gemeinsames Lernen

Lernen in der Heterogenität der Gruppen, mit dem Ziel, das Leistungsniveau zu heben, Chancengleichheit im Blick. Längeres gemeinsames Lernen ist pädagogisch und organisatorisch anspruchsvoll, setzt veränderte Lehrerverantwortung und veränderten Unterricht voraus.

Dazu gehört das Arbeiten im Lehrerteam. Dazu gehören fachübergreifender Unterricht, die Erarbeitung und Umsetzung einer methodisch didaktischen Konzeption für das Lernen in heterogenen Gruppen, der Aufbau individueller Lern- und Entwicklungsangebote für lernschwache oder besonders begabte Schüler. Unterstützt wird der veränderte Unterricht durch die Bereitstellung von Förderstunden, im Schuljahr 2006/2007 erhält jede 5. Klasse 4 zusätzliche Förderstunden.

Längeres gemeinsames Lernen wird erfolgreich organisiert unter begleitender Evaluation. Dazu gehört die interne Evaluation, die Beobachtung des Qualitätsprozesses in der Schule durch die Lehrer selbst, genauso wie die externe Evaluation, wirksam durch eine Verbesserung der Schulinspektion, durch Teilnahme an Schulleistungsuntersuchungen durch zentrale Abschlussprüfungen.

Eine der wesentlichen Voraussetzungen für gute Schule mit längerem gemeinsamen Lernen ist eine gute Lehrerfortbildung.

Schon in der ersten Ferienwoche 2005 finden in allen Staatlichen Schulämtern die zielführenden Dienstberatungen zum pädagogischen Konzept mit den Schulleiterinnen und Schulleitern der Regionalen Schulen, der Gesamtschulen und der Musik- und Sportgymnasien statt. Mit Beginn des Schuljahres 2005/2006 setzt die Fortbildung für Lehrkräfte ein. Dazu gehören Fachvorträge und Seminare mit Bildungswissenschaftlern und erfahrenen Lehrerinnen und Lehrern Schwerpunkte: Unterricht in heterogenen Lerngruppen, Umgang mit Standards, Arbeiten im Team, Rolle der Führungskräfte und Qualitätsmanagement. Für Lehrkräfte ist zunächst ein Fortbildungsmodul vorgesehen, das jeweils drei Lehrerinnen und Lehrer pro Schule berücksichtigt, die den Kern des Lehrerteams der Jahrgangsstufe 5 im Schuljahr 2006/2007 bilden. Sie sind federführend bei der Ausgestaltung des längeren gemeinsamen Lernens und erteilen den Großteil des Unterrichtes in der Jahrgangsstufe 5. Es wird von 430 Klassen im Schuljahr 2006/2007 ausgegangen, das heißt ca. 1300 Lehrkräfte werden fortgebildet. Diese Fortbildungen sollen regional in den Schulen stattfinden, vorrangig in der unterrichtsfreien Zeit.

Ein vierter Baustein: Einführung von Qualitätsmanagementsystemen, insbesondere die Ausrichtung des Unterrichts in den Kernfächern Deutsch, Mathematik und Englisch auf die in der KMK vereinbarten Bildungsstandards

Dieser Prozeß muß begleitet werden durch Maßnahmen der internen und externen Qualitätsüberprüfung, wie die Einrichtung einer Schulinspektion und die weitere Durchführung von Vergleichsarbeiten, die länderübergreifend organisiert werden. Diese Maßnahmen werden bereits im Rahmen von Schulversuchen in M-V erprobt.

Im Rahmen der externen Evaluation legen die Schulen ihr Schulprogramm, alle Klassenbücher und alle Berichte und Arbeitsergebnisse zur Bildungs- und Erziehungsarbeit vor. In sogenannten Interviews werden die Mitglieder der Schulleitung, die Schüler und ihre Eltern befragt. Alle Dokumente der Schule und eventuell vorliegende Unterlagen zum Unterricht werden eingesehen.

Im Dezernat für Qualitätssicherung des Landesinstituts werden die Ergebnisse des Abschlussberichts analysiert und auswertet. Der abschließende Bericht wird der Schule durch den zuständigen Schulrat eröffnet. Vorgesehen sind mehrtägige Schulbesuche in regelmäßigen Abständen (nach jeweils drei Jahren). Das Gesetz schafft hierfür die gesetzlichen Grundlagen.

Fünfter Baustein: Gesamtschulen

Gesamtschulen sind in besonderer Weise gute Schulen des längeren gemeinsamen Lernens. Sie nehmen in besonderer Weise die große Heterogenität der Schülerschaft, die Unterschiedlichkeiten der Herkunft, der Leistungsmöglichkeiten und der Leistungsbereitschaft auf und sind besonders erfahren in den Differenzierungsnotwendigkeiten der umfassenden Lernangebote. Sie gewährleisten schon lange die Durchlässigkeit zwischen allen Bildungsgängen und zeigen, wie Eltern und Schule schneller auf Veränderungen in der Leistungsentwicklung der Schülerinnen und Schüler reagieren können. Außerdem sind sie besonders im ländlichen Raum gut geeignet, ein umfassendes und wohnortnahes Bildungsangebot aller Bildungsgänge vorzuhalten.

Gesamtschulen werden deshalb im neuen Schulgesetz bei der Bildung von Eingangsklassen und der Sicherung des gymnasialen Angebotes in der Fläche besonders gestärkt.

Sechster Baustein: Die neue Abiturprüfungsverordnung

In den Hochschulen wird seit langem die unzureichende Studierfähigkeit der Abiturientinnen und Abiturienten beklagt, zurückgeführt auf ihre zu früh einsetzende Spezialbildung. Der Wissenschaftsrat hat seit Jahren eine Reform des Hochschulzuganges gefordert. Mit dem neuen Schulgesetz wird das Abitur wieder Ausweis einer breiten Allgemeinbildung auf hohem Niveau. Hauptfächer bezeichnen den Kernbestand unserer Bildung. Zu den Hauptfächern gehören Deutsch, eine Weltsprache (in der Regel Englisch), Mathematik, eine Naturwissenschaft (Physik, Chemie oder Biologie), eine Geschichts- und Gesellschaftswissenschaft. Alle diese Fächer werden in der gymnasialen Oberstufe in Zukunft auf Leistungskursniveau unterrichtet. Sie sind auf diesem Niveau nicht mehr abwählbar. Sie sind verbindliche Prüfungsfächer im Abitur. Dieses verstärkte Abitur soll im Schuljahr 2007/2008 erstmalig abgelegt werden, es wird zum Ausweis einer allgemeinen Hochschulreife.

Siebenter Baustein: ausreichende Größe einer Schule

Im Zusammenhang mit den drastisch abnehmenden Schülerzahlen sind in den letzten zehn Jahren in unserem Land immer mehr kleine und kleinste Schulen entstanden. Diese Schulen haben organisatorische Schwierigkeiten. Aus ihrem kleinen Kollegium heraus fällt es ihnen häufig genug schwer, alle Unterrichtsfächer gut abzudecken, Vertretungsunterricht unkompliziert zu organisieren und damit Unterrichtsausfall zu vermeiden, Lehrertourismus soweit wie möglich einzuschränken. Im ländlichen Raum soll der Grundsatz "Kurze Wege für kurze Beine" auch in Zukunft für die kleinen Grundschulen gelten. Für die weiterführenden Schulen müssen wir Qualität über förderliche Größen von Schülerzahlen und Klassen erreichen.

All diese Bausteine tragen zu guter Schule bei. Wenn dieses Gesetz verabschiedet wird, ist das ein guter Tag für M-V.


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