Ahnen: Bessere Chancen für alle Kinder – Neues Schuljahr startet
"Mehr Chancengleichheit – das ist ein zentrales Ziel der Bildungspolitik der Landesregierung. Daher zielt auch ein Großteil der Projekte und Maßnahmen, die im neuen Schuljahr 2006/2007 starten oder deutlich weiter ausgebaut werden, darauf ab, allen Schülerinnen und Schülern durch ein qualitativ hochwertiges und differenziertes Bildungsangebot möglichst gute Chancen für ihren weiteren Lebensweg zu verschaffen. Ein zentraler Punkt dabei ist eine ausgeprägte Kultur der individuellen Förderung, die nicht nur unterschiedliche familiäre, soziale und kulturelle Hintergründe von Schülerinnen und Schülern, sondern auch deren individuelle Lernvoraussetzungen und Förderbedürfnisse berücksichtigt." Das unterstrich Bildungsministerin Doris Ahnen bei der Pressekonferenz zum Schuljahresauftakt in der Mainzer Theodor-Heuss-Schule. Ein Beispiel für eine solche individuelle und zugleich integrative Förderung böten die mittlerweile 112 Schwerpunktschulen landesweit, die behinderte und nicht behinderte Schülerinnen und Schüler gemeinsam unterrichteten, und zu deren Kreis die Hauptschule in Mainz-Hechtsheim jetzt neu hinzugekommen sei.
28.08.2006 Rheinland-Pfalz Pressemeldung Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur, Rheinland-Pfalz"Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen sollen so weit wie möglich gemeinsam mit nicht behinderten Schülerinnen und Schülern die gleichen Schulen besuchen können", unterstrich die Bildungsministerin und verwies dabei auch auf das Ende 2002 in Kraft getretene Landesgesetz zur Herstellung gleichwertiger Lebensbedingungen für Menschen mit Behinderungen. Schon im Vorfeld dieses Gesetzes seien seit dem Jahr 2001 Grundschulen und Schulen der Sekundarstufe I als Schwerpunktschulen eingerichtet worden. Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf erhielten dort – wie in dem differenzierten Netz von Förderschulen – die erforderliche sonderpädagogische Unterstützung und erlebten gleichzeitig den Schulalltag gemeinsam mit nicht behinderten Schülerinnen und Schülern. Dieses Angebot werde in diesem Schuljahr um 14 neue Schulen auf nun 112 Schulstandorte erweitert und solle auch weiterhin ausgebaut werden. "Das Konzept der Schwerpunktschulen hat für die Landesregierung eine hohe Bedeutung, weil damit über die erfolgreich durchgeführten Einzelintegrationsmaßnahmen hinaus, die in vielen Schulen umgesetzt werden, dem Wunsch von Eltern nach einer schulischen Integration ihrer beeinträchtigten Kinder noch stärker entsprochen werden kann", sagte Doris Ahnen.
Ein Beitrag zu mehr Chancengleichheit sei auch der weitere Ausbau des Netzes von Ganztagsschulen in Angebotsform, hielt Doris Ahnen fest. 56 neue Ganztagsschulen in Angebotsform der verschiedenen allgemein bildenden Schularten starteten landesweit in diesem Jahr und steigerten die Gesamtzahl der seit 2001 neu entstandenen Ganztagsschulen auf 360 im ganzen Land. "Und im Laufe der soeben begonnenen Legislaturperiode kommen nochmals 200 neue Ganztagsschulen hinzu. Damit soll beispielsweise in jeder Verbandsgemeinde und jeder verbandsfreien Gemeinde eine Ganztagsgrundschule als Angebot vorhanden sein", sagte die Ministerin. Erwähnt werden solle in diesem Zusammenhang auch der neue Sozialfonds für das Mittagessen an Ganztagsschulen, der zum neuen Schuljahr zur Verfügung stehe. Mit Landesmitteln von einer Million Euro sorgten Land und Kommunen über diesen Fonds dafür, dass auch Ganztagsschülerinnen und Ganztagsschülern, deren Eltern die Beiträge für das Mittagessen nicht aufbringen könnten, für einen Euro pro Tag die Teilnahme am gemeinsamen Mittagessen ermöglicht werde. "Die Teilhabe an Bildungsangeboten – und dazu gehört an Ganztagsschulen auch das Mittagessen – darf nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen", hielt Doris Ahnen fest.
Gerade im größeren Zeitrahmen der Ganztagsschule gebe es durch eine Erweiterung der Angebote die Chance, den Bedürfnissen und Interessen der einzelnen Schülerinnen und Schüler noch stärker gerecht zu werden, stellte die Bildungsministerin fest. Zudem biete sich die Möglichkeit, den Schultag neu zu strukturieren. Damit allerdings nicht nur Ganztagsschulen solche Möglichkeiten verstärkt nutzen könnten, sei mit der neuen Übergreifenden Schulordnung, die mit dem neuen Schuljahr für alle weiterführenden allgemein bildenden Schulen gelte, unter anderem die Festlegung der Unterrichtszeit deutlich flexibler gefasst worden. Vorgaben über die Längen der einzelnen Unterrichtsstunden und der Pausen gebe es nicht mehr. Für eine Unterrichtsstunde seien lediglich rechnerisch noch 45 Minuten anzusetzen. "Davon erwarten wir uns, dass in den Schulen die sinnvolle Rhythmisierung des Schultages mit einem kind- und jugendgerechten Wechsel von Unterricht, Übungs- und Entspannungsphasen sowie Pausen weiter vorangetrieben wird", sagte Doris Ahnen.
Bessere Chancen für alle Kinder mit sprachlichen Problemen und insbesondere für Kinder mit Migrationshintergrund wolle die Landesregierung mit einer ganzen Reihe von Initiativen auf dem Gebiet der Sprachförderung eröffnen. Dazu gehörten nicht nur der im Rahmen des Landesprogramms "Zukunftschance Kinder – Bildung von Anfang an" mit Landesmitteln geförderte massive Ausbau bei den zusätzlichen Sprachfördermaßnahmen vor der Einschulung, von denen im laufenden Schul- und Kindergartenjahr mehr als ein Viertel aller künftigen Grundschülerinnen und Grundschüler profitieren könnten. Dazu gehöre auch das in der neuen Grundschulordnung verankerte und bei der auf September vorgezogenen Schulanmeldung erstmals eingesetzte neue Verfahren zur Feststellung des Sprachförderbedarfs für alle Kinder, die keinen Kindergarten besuchten. Und dazu gehörten die Ausweitung der Landesförderung für die Hausaufgabenhilfe mit spielerischer Sprachförderung in den beiden ersten Grundschuljahren um 15 neue Gruppen auf jetzt 213 Gruppen landesweit sowie das Vorhaben, speziell an Ganztagsgrundschulen neue Akzente durch eine intensivere Sprachförderung zu setzen. Weiterhin massiv unterstützt werde vom Land zudem die spezielle Sprachförderung für Zuwandererkinder in Grundschulen und weiterführenden Schulen, an der zuletzt 10.000 Schülerinnen und Schüler in Deutsch sowie 1.000 in Englisch teilgenommen hätten. Erste Erfolge dieser Anstrengungen seien ablesbar an den Zahlen der ausländischen Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss, die in den letzten beiden Jahren deutlich zurückgegangen seien.
Wenn es um eine gerechte Verteilung von Chancen gehe, seien aber noch weitere Schritte zu nennen, die im neuen Schuljahr die Erreichung dieses Zieles näher rückten, sagte Doris Ahnen. So fördere das Land in diesem Schuljahr zusätzliche 56 Gruppen in der Betreuenden Grundschule, womit die Gesamtzahl der vom Land unterstützten Angebote, die vor allem Eltern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichterten, auf landesweit 1.060 Gruppen in 728 Grundschulen steige. Auch das Angebot der Schulsozialarbeit werde um neun weitere Standorte auf dann 80 allgemein bildende Schulen erweitert. Ab 2007 solle dieses Angebot dann vorrangig auf alle Hauptschulen ausgeweitet werden. Durch neun neue Standorte für Arbeitsweltklassen mit Praxistagen hätten nun zudem 35 Hauptschulen mit einer größeren Anzahl von abschlussgefährdeten Schülerinnen und Schülern die Chance, besondere Konzepte für diese Schülergruppe einzusetzen. In eigenen Lerngruppen und auf der Basis einer veränderten Stundentafel sowie in enger Kooperation mit außerschulischen Partnern erhielten Schülerinnen und Schülern in den arbeitsweltorientierten Klassen eine besonders intensive, auf die Anforderungen des Arbeitsmarktes ausgerichtete Berufsvorbereitung. Neue Projekte und Konzepte der Berufsorientierung und Berufsvorbereitung sollten zudem im Verlauf des kommenden Schuljahres an Ganztagshauptschulen im Land entwickelt werden und zum Einsatz kommen, kündigte Bildungsministerin Ahnen an.
Chancengleichheit in der Bildung bedeute allerdings nicht nur bestmögliche Unterstützung für Kinder mit Benachteiligungen, das bedeute auch zusätzliche Förderung für besonders Begabte. Im neuen Schuljahr starte so zum einen die mittlerweile vierte Schule für Hochbegabtenförderung / Internationale Schule am Max-von-Laue-Gymnasium in Koblenz. Damit gebe es an vier Gymnasien in unmittelbarer Nachbarschaft zu allen vier Universitäten im Land ein spezielles Angebot für hochbegabte Schülerinnen und Schüler. Zum anderen würden die Vorarbeiten für eine landesweite Ausweitung des Projektes "Entdecken und Fördern hochbegabter Kinder in der Grundschule" weiter vorangetrieben. Nach dem Vorbild des wöchentlichen "Entdeckertags" an der Grundschule Zweibrücken-Mittelbach, an dem Schülerinnen und Schüler aus 13 Grundschulen der Region sowie Kinder aus Kindertagestätten teilnehmen, sollten bis zum Schuljahr 2009/2010 im Land weitere zehn "Entdeckertag-Grundschulen" entstehen.
"Die Schulen im Land und die dort tätigen Lehrkräfte bemühen sich mit großem Engagement, allen Kindern optimale Startchancen für ihren weiteren Bildungs- und Berufsweg zu verschaffen", betonte die Bildungsministerin. Das Land wolle sie dabei gezielt unterstützen, beispielsweise durch die Weiterentwicklung und Intensivierung der Fortbildungsangebote für Lehrerinnen und Lehrer. Einen neuen Beitrag dazu solle aber vor allem die Agentur Qualitätssicherung, Evaluation und Selbstständigkeit von Schulen (AQS) leisten. Ihre Aufgabe sei es, die Qualitätsarbeit in den Schulen durch eine externe Analyse des "Ist-Standes" zu unterstützen. Ausgangspunkt dafür seien neben allgemeinen Qualitätsmerkmalen von Schulen die schulischen Qualitätsprogramme und die schuleigenen Arbeitspläne auf der Grundlage der bundesweit vereinbarten Bildungsstandards. "Die Rückmeldungen aus diesen externen Evaluationen, die im Verlauf der kommenden drei Jahre alle etwa 1.600 allgemein bildenden Schulen bekommen sollen, sollen den Schulen insbesondere helfen, die eigenen Unterrichtskonzepte und die Strategien zur individuellen Förderung von Schülerinnen und Schülern weiterzuentwickeln. Wie mit allen anderen Maßnahmen im übergreifenden bildungspolitischen Gesamtkonzept des Landes soll auch damit ein Beitrag geleistet werden, die Leistungsfähigkeit des Bildungssystems zu steigern und die Chancen von Kindern und Jugendlichen durch eine qualitativ möglichst hochwertige schulische Ausbildung weiter zu verbessern", sagte Doris Ahnen.
In diesem Gesamtkonzept spiele eine gute Unterrichtsversorgung eine wesentliche Rolle, die auch für das neue Schuljahr sichergestellt sei, so die Bildungsministerin weiter. Zum Schuljahresanfang seien rund 770 Lehrerinnen und Lehrer auf freigewordene Stellen neu eingestellt worden. Bis Anfang November würden zudem für die berufsbildenden Schulen etwa 70 weitere Lehrkräfte eingestellt. Trotz rückläufiger Schülerzahlen sei zudem geplant, im Landeshaushalt 240 neue Stellen im Schuldienst für das Jahr 2007 und 220 Stellen für 2008 vorzusehen. Das "Projekt Erweiterte Selbstständigkeit (PES)", an dem im neuen Schuljahr 500 Schulen teilnehmen, solle auf alle rund 700 weiterführenden Schulen im Land ausgedehnt werden, um kurzfristige Vertretungen noch besser sicherzustellen.
Schließlich betonte die Bildungsministerin den hohen Stellenwert der Elternarbeit bei den gemeinsamen Anstrengungen, die Bildungschancen der Kinder zu verbessern. Dafür seien eine gute Kommunikation und Kooperation zwischen Schule und Elternhaus unverzichtbar. "Ich wünsche mir, dass Schule und Eltern als Partner in gleicher Augenhöhe zusammenarbeiten", sagte Doris Ahnen. So sollten neben der weiteren Sensibilisierung von Schulen für diese Kooperation beispielsweise die regionalen Fortbildungen für angehende und aktive Elternvertreterinnen und Elternvertreter intensiviert und Elterninformationen verstärkt auch in den bei Migrantinnen und Migranten im Land am häufigsten vertretenen Herkunftssprachen angeboten werden.
Keine Kommentare vorhanden